Montag, 23. Dezember 2019
Zum Teufel mit der Angst vor Tiefgang!
Mehrfach habe ich inzwischen gehört, man müsste Hispanistik und Philosophie studiert haben, um "Suleikas rebellische Kinder" zu lesen oder würdigen zu können. Warum nicht auch Theologie, Islamwissenschaften, Arabisch und werweißwas? - Mit Verlaub, ich finde, das ist Bullshit hoch drei und vermutlich bloß eine dumme Ausrede lesefauler Zeitgenoss(inn)en! Der Preis kann es nicht sein, denn für 16,50 € bekommt man sonst keine 235 Seiten anspruchsvolle und unterhaltsame Literatur, sondern vielleicht gerade mal eine Pizza und eine große Cola beim Italiener, also nachhaltig gegen Ex und Hopp.
Ja, es steckt viel drin in meinem Buch, auch viel Wissen. Aber seit wann muss man bei Gedichten jede Zeile verstehen? Seit wann muss man einen Doktortitel haben, um Goethe zu lesen? Und wo steht geschrieben, dass Bildung keinen Spaß macht? Einfach mal die Nase rein stecken, Leute, dann seid Ihr schnell eines Besseren belehrt: Bei Gedichten gibt es immer mehrere Ebenen des Verstehens. Es fängt ganz einfach an und kann in späteren Verständnis-Etappen auch höllisch komplex werden; doch niemand muss wie in der Schule alle Stufen durchlaufen. Und niemand bringt sich bei "höherem Verständnis" in Gefahr abzustürzen wie schon bei einer simplen Kletterwand.
Kein Klassiker wäre je zum Klassiker geworden, wenn aus überzogenem Respekt kein Mensch seine Bücher gekauft und gelesen hätte (oder gar seine Schüler damit traktiert!). Wortspiele und Gedankenakrobatik können Freude machen. Entdecken ist sexy. Erotik kann durchaus gebildet sein, bleibt aber immer Erotik, und Witz bleibt Witz (die besten Judenwitze habe ich übrigens in einem Buch des Juden Sigmund Freud gelesen, und die besten Blondinenwitze haben mir Blondinen erzählt). Also: Keine Angst, Probieren geht über studieren! Es findet sich für jeden genug Lesenswertes darin.
Schon besser traf es eine Leserin, die meinte, mein Buch stochere mit Kritik am real praktizierten Islam (und am real praktizierten Christentum!) bei Teilen der Gesellschaft in einem Wespennest herum. Gerne, das soll so sein. Schließlich heißt Dialog nicht vorauseilende Unterwerfung unter einen Zeitgeist, ein Dogma oder eine Ideologie. Die freundlich-kritische Leserin fuhr fort, dem Buch nütze auch das aktuelle Desinteresse an Goethe und an den aktuellen Konflikte im Nahen Osten nicht besonders. "Man will in nix reinkommen" und nicht zu nah an heiße Eisen geraten (oder, um im Bild zu bleiben, an erregt summende Wespenvölker). Sicher nicht falsch analysiert und verständlich, aber eben nicht akzeptabel für einen Autor, der noch eine gewisse Selbstachtung hat.
Einen dritten Grund dafür, mein Buch für "schwierig" zu halten, will ich gern selbst nennen: Es ist kein Roman. Es ist Lyrik. Politische Lyrik ist aber heute so out wie philosophische oder orientalische Spruchlyrik oder Religionskritik in Versen. Das war zu Goethes Zeit anders, und ich handle hier mit Zombie-Literatur. Aber ist das so falsch? Hier verweise ich eindeutig auf die ersten drei Absätze: Wenn Gutes, Wahres und Schönes unterhaltsam ist, so what? In Zeiten der absoluten Oberflächlichkeit nach Facebook und Twitter wage ich es unverschämterweise, etwas Lektüre mit Tiefgang zu einem guten Preis anzubieten! Die lustvolle Auseinandersetzung mit den eigenen literarischen Traditionen sowie einem Sack voll Klischees über andere Kulturen und religiöse Vorurteile hat mir eine Menge Spaß gemacht, also könnte sie auch Kritikern und Lesern Spaß machen.
Sonntag, 22. Dezember 2019
2 x Currentzis: Unglaublich
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Teodor Currentzis & Ensemble Musica aeterna in Baden-Baden |
Nachtrag zu November-Dezember: 2 x Teodor Currentzis - einmal mit seinem
Ensemble Musica Aeterna aus Perm (inzwischen St. Petersburg), am 2.
November im Festspielhaus Baden-Baden mit "Tristia". Das waren
Vertonungen von Gedichten aus Straflagern des Archipel GULAG und aus dem
berüchtigten Gefängnis im französischen Clairvaux, vertont von dem
zeitgenössischen französischen Komponisten Philippe Hersant. Das war
unglaublich traurig und schön, unglaublich intensiv und kein bisschen
depressiv. Hoffnung trotz allem und ein phantastischer Abend voller
Musik und Poesie mit ganz großartigen Künstlern. Erst fehlten mir die
Worte vor Dank und Ergriffeneit, dann kam der Endspurt für mein
"Lesefest 200 Jahre West-östlicher Divan" dazwischen.
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Ein erschöpfter Currentzis nach der Sinfonie Nr. 9 von Gustav Mahler |
Dann der zweite
Currentzis, am Freitag, dem 13. Dezember: So ganz anders, aber kaum
weniger ergreifend war die Aufführung der 9. Sinfonie von Gustav Mahler
mit dem SWR Symphonieorchester in der Stuttgarter Liederhalle. In 80
Minuten wurde das Publikum Zeuge, wie eine musikalische Gattung und
Epoche starb und etwas Neues anfing. Unglaublich, welche Einheit,
welcher musikalische Atem und Gleichklang mit 109 Musikern möglich ist!
Der Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters oder dieses Orchester -
nein, UND dieses Orchester haben uns einen unvergesslichen Abend
geschenkt. Da fiel es gar nicht mehr ins Gewicht, dass wir wegen eines
Unfalls mit der Stadtbahn fast nicht zum Konzert gekommen wären und
hinterher ebenfalls im Taxi durch einen der hausgemachten Stuttgarter
Baustellen-Staus heim gefahren werden mussten (Die Tiefgarage der
Liederhalle ist noch mindestens ein Jahr eine Baustelle, und in der
Umgebung gibt´s noch mehr davon). Was verbindet die Musik von Currentzis
und mein DIVAN-Lesefest? - Stuttgart. Diese Stadt ist einfach
unglaublich mit ihrer Kultur des Trotzdem und Dennoch gegen tausend
Widerstände!
Samstag, 7. Dezember 2019
Poesie als Kulturbrücke - Das DIVAN-Lesefest
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Safiye Can liest |
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Safiye Can und Fan |
Die tunesische Lyrikerin und Fraunrechtlerin Najet Adouani aus Berlin las arabische Lyrik, die ihr Exil in Deutschland thematisiert. Sie mit ihre "deutsche Stimme" Dorothea Baltzer aus Stuttgart verstanden sich prächtig. Das waren inszenierte Gedichte mit arabischer Körpersprache und viel Humor. Auch hinterher waren die beiden ein Herz und eine Seele.

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Traian Pop |
Der rumänische Grenzer sah mich schief an.
Der ungarische Grenzer sah mich schief an.
Der österreichische Grenzer sah mich schief an.
Der deutsche Grenzer sah mich schief an.
Was für eine Schieflage!
Am
Samstag las die Autorengruppe "Literally Peace" im Globalen
Klassenzimmer des Welthauses über dem Weltcafé. Die junge, autonome, deutsch-syrische Autorengruppe arbeitet mit Blogs und Lesungen an einer internationalen Verständigung (Amtssprache Englisch) und nimmt Friedensarbeit wörtlich.
Moderator Steffen Gärtner hatte eine
Skype-Lifeschaltung zu einer syrischen Autorin in Beirut auf Arabisch und Englisch samt
Übersetzung ins Deutsche zu bewältigen, andere Syrer und Deutsche aus dem
Umgebung Stuttgarts lasen life ihre Texte in deutscher Sprache vor und erzählten (jetzt ebenfalls auf Deutsch) im
Künstlergespräch von ihren verschiedenen Schreibweisen, die sich
durch die Gruppe immer globaler entwickeln: Man will nicht nur für Leser in einem einzigen Land schreiben. Auch das Publikum konnte
sich beteiligen und wollte vor allem wissen, wie sich die Mitglieder der Gruppe organisieren und vernetzen.
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Skype-Lesung im Globalen Klassenzimmer |
Mal ist die Gruppe nur poetisch aktiv, mal auch ausgesprochen politisch. Hier war beides der Fall. Neben journalistischen Formen wie der Reportage und Kurzprosa stehen gleichberechtigt Gedichte und Songs, die meist vor der Veröffentlichung einen kollektiven Prozess bei solchen Lesungen durchlaufen.
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Ruth Loosli im Zimmertheater |
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Yamen Hussein (l.) und Michael Speer (r.) |
Yamen Hussein lebt in Leipzig und brachte zum Essen beim
Italiener (der einen prima Weißwein hat, wie Yamen meinte), einen
syrischen Freund mit, der in Stuttgart arbeitet. Seine "deutsche
Stimme" war Michael Speer, der vom Timing seines Parthers beim
zweisprachigen Rezitieren ganz hingerissen war.
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Künstlergespräch im ABV-Zimmertheater |
Die Runde war sehr glücklich über die ausgeprägte deutsche Übersetzungskultur, die viele Kulturen einander näher bringt. Trotzdem: So eine persöniche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen. Sie setzt den Dialog zwischen Goethe und Hafis fort, die Yamen an der Schule selbstverständlich kennengelernt hat - für uns keineswegs etwas Selbstverständliches. Goethe gehört inzwischen selbst an Gymnasien nicht mehr ohne Weiteres zum Lehrplan. Einig war man sich darin, dass organisierte Religion wie Politik zwar oft Stoff für Witze und Kabarett liefert, selbst aber völlig humorlos ist. Wo Tanz, Musik und Poesie der Freiheit huldigen, wittern Fanatiker aller Coleur stets Verrat an hohen Idealen, gar an "Grundwerten" der Verfassung oder den "Heiligen Schiften". Kunst muss frei sein. Ohne Freiheit kann sie nicht atmen.
Der Abschlussabend am Sonntag, dem 1. Dezember (und 1. Advent) im Alten
Feuerwehrhaus Süd bestand aus drei Teilen. Den
ersten gestaltete die Mezzosopranistin Cornelia Lanz mit ihrem Team, d.h. mit der
Pianistin Yukiko Naito-Fendrich: romantische Lieder von Franz
Schubert, Robert Schumann, Hugo Wolf und Richard Strauß nach Gedichten
aus Goethes "Westöstlichem Divan". Um alles Süßliche fern zu halten, gab es zwischen den Blöcken Einschübe mit einem starken Kontrast: Zaher
Alchihabi (Aleppo) sowie Nahida und Omar Kodaimi aus Damaskus (heute
leben sie in Stuttgart) trugen uralte Texte aus dem Zweistromland auf
Arabisch vor, die schon Hafiz und Goethe inspiriert haben: u.a. Teile
aus dem Gilgamesch-Versepos und des Sonnengesangs von Echnaton.
Diese
archaisch und urtümlich klingenden Texte der Mitglieder des Vereins
"Zukunft Kultur" ergänzten Jule Hölzgen und Orlando
Schenk von der Akademie für gesprochenes Wort mit den deutsche
Nachdichtungen. Das ganze "Team Zukunft Kultur" trat auf wie im Theater und wurde auch gefeiert wie im Theater. Kaum zu glauben, dass die deutschen und arabischen Rezitatoren lediglich am Nachmittag des gleichen Tages eine einzige gemeinsame Probe hatten. Es saß wirklich alles, als hätte es schon 20 Aufführungen gegeben.
Bevor ich nach der Pause Gedichte aus meinem neuen Band
"Suleikas rebellische Kinder" las, sangen
Cornelia Lanz und der Esslinger Bariton Ahmet Gül das Duett "Bei
Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Oper "Die
Zauberflöte" zusammen. Das war einer dieser magischen Momente: eine Kulturbrücke pur. Mozart ist eine solche Brücke für den Sänger Ahmet Gül, der Sufi-Musik ebenso liebt wie Bach oder deutsche Opern. Die beiden aber gaben mit ihrem Duett ein sehr symbolisches Bild dieser Brücke ab. Das Publikum tobte.
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Yukiko Naito-Fendrich und Cornelia Lanz |
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Schlussapplaus für das "Team Zukunft Kultur" |
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Cornelia Lanz und Ahmet Gül |
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Frierender Lyriker |
Meine Texte enthalten viel Spruchdichtung, die im Orient sehr beliebt ist. Sie flektieren Begegnungen mit arabischen oder türkischen Dichtern (z.B. mit Fuad Rifka oder Hasan Özdemir), die auf unterschiedliche Weise als Brücken zwischen den Kulturen gearbeitet haben, Lektüre, Reisen (etwa nach Andalusien, von dessen arabischen Literaten Goethe noch keine Ahnung hatte, oder Marokko und die Türkei) sowie die reiche Kultur des Emirats von Córdoba, ein muslimisches Mittelalter vor unserer europäischen Haustür.
Das alles kann man heute als friedlicher Tourist besichtigen, auch in Toledo, Granada und Sevilla mit den vielen Zeugnissen friedlichen Zusammenlebens von Juden, Christen und Muslimen. Die gab es nur unter islamischer Herrschaft. Schon drei Jahre nach der Eroberung von Granada, dem Ende der "Reconquista" im Jahr 1492, brachen die ach so kaholischen Könige des vereinten Spanien ihr Versprechen von Religionsfreiheit, freier Berufsausübung, der Unantastbarkeit des Besitzes und kultureller Autonomie für die Muslime Andausiens. Im gleichen Jahr 1492 erschien die erste spanische Grammatik und entdeckte Kolumbus Amerika - unzweifelhaft von zentraler Bedeutung für die nationale Identität Spaniens. Doch auch die Eroberer Amerikas veranstalteten "im Zeichen des Kreuzes" und der Mission einen beispiellosen Raubzug, verbunden mit dem Genozid an zahlreichen indigenen Völker. Das ist ebenfalls Teil der spanischen Geschichte, wie der Holocaust zur deutschen Geschichte gehört.
Die Katholischen Könige Ferdinand und Isabella verantworten mit der Vertreibung von drei Millionen muslimischen Bürgern auf den Rat des ersten Großinquisitors Cisneros hin nicht nur eine der größten ethnischen Säuberungen der Geschichte, sondern auch das Ende der religiösen Toleranz in Spanien. Was die Rassisten aller Epochen und vor allem die der spanischen Rechten Francos gern verschweigen: Schon Cisneros phantasierte von einer biologisch unmöglichen "pureza de sangre" (Reinheit des Blutes) und "pureza de raza" (Reinrassigkeit). Hier liegt also die ideologische Wurzel des Rassenwahns, nirgends sonst! Ich liebe Spanien und seine Kultur, aber wer sich dieser Geschichte nicht stellt, hat Spaniens zwei Gesichter nicht verstanden. 1492 oder auch zur Zeit Goethes wussten es die Menschen wohl nicht besser; aber heute kann das niemand mehr für sich behaupten. So viel zum historischen Kontext meiner Gedichte an dieser Stelle.
Mein blinder Freund Ahmet leitet den
türkischen Kulturverein Turkuaz e.V. Stuttgart, dessen Ensemble nach
meiner Lesung ein großartiges Finale hinlegte. Chor und Orchester
boten stimmungsvolle Lieder aus dem 16. und 17. Jahrhundert, aber
auch zeitgenössische türkische Musik mit einem Weihnachtsbaum auf der Bühne. Ohne Ahmet, der ebenso
fröhlich wie nachdenklich sein kann, hätte es das ganze Festival
nicht gegeben. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden, die Helfer und
das Publikum, nicht zu vergessen Birger Laing von der Akademie für
gesprochenes Wort, der unermüdlich die Büchertische betreute, sowie
die Autorenbetreuer für die fremden Gäste in der verbaustellten
Stadt! Alle haben sich wohlgefühlt und das Publikum kam jedes Mal
auf seine (geringen) Kosten. Das waren unvergessliche Abende.
Sonntag, 24. November 2019
Zu meinem neuen Buch

Im August 1819 veröffentlichte Johann Wolfgang von Goethe bei der Cotta'schen Verlagsbuchhandlung seinen „West-östlichen Divan", einen fiktiven Dialog mit dem persischen Dichter Hafis. Der Stuttgarter Dichter Widmar Puhl hat diesen ersten künstlerischen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident zum Anlass für seinen neuen Lyrikband „Suleikas rebellische Kinder" genommen. Er spinnt den Gesprächsfaden fort, versucht die unterschiedlichen Kulturen über die Dichtung näher zu bringen. Ein Anliegen, das auch das Lesefest „200 Jahre West-Östlicher Divan" vom 29.11. bis 1.12. in Stuttgart verfolgt.
Freitag, 1. November 2019
Das "schwäbische Tadsch Mahal"

Dieser König hatte wohl auch über Russland hinaus eine Beziehung zum Osten - sprich: zum Orient. Er ließ den botanisch-zoologischen Garten anlegen (die heutige "Wilhelma"), und im Zentrum einen Maurischen Garten: exotische Pflanzen und Tiere in islamischer Architektur. Einzelne Elemente in der ansonsten klassizistischen Anlage auf dem Rotenberg erinnern an die filigrane Ornamentik in der Architektur des Maurischen Gartens, der 2020 seinen 200. Geburtstag feiert. Irgendwie muss das damals im Trend gelegen haben; 2019 erschien in Stuttgart auch (welch ein "Zufall"!) der "West-ostliche Divan" von Johann Wolfgang von Goethe bei der Cotta´schen Verlagsbuchhandlung.

Das Grabmal auf dem Rotenberg ist zugleich eine russisch-orthodoxe Kirche, in der die russische Gemeinde der Stadt an jedem Pfingstmontag einen Gedenkgottesdienst feiert.
Darauf weist eine diskrete Ikonostase (Ikonenwand) gegenüber dem Eingang hin.
Die meiste Zeit des Jahres aber ist der Ort durchaus dem weltlichen Vergnügen und der Bildung gewidmet: Geschichte und Museum mit Wein und Restaurants auf halber Höhe. Vielleicht am schönsten ist es hier aber mit den Farben des Herbstes.
Samstag, 5. Oktober 2019
Argentinien im Umbruch
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten. Roman, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2018, 528 Seiten, 24 €
Schon der Erstling dieser Autorin, "Änderungsschneiderei Los Milagros", war ein ebenso leichter wie erfolgreicher Frauenroman mit dem besonderen Merkmal Humor und Imrovisationskunst zum Überleben in Buenos Aires. Milagros sind Wunder, die dort die Frauen stündig bewirken. Der zweite Roman liest sich stilistisch ebenso leicht und humorvoll, hat aber einen wesentlich ernsteren Hintergrund, um nicht zu sagen: einen düsteren. Buenos Aires 1974/1975: Die Einwohner des Randbezirks Ballester träumen wärend der heraufziehenden Militärdiktatur vom Lottogewinn, singen Boleros und Tangos, lauschen den Stimmen den Vergangenheit und denken an die Zukunft. Das geschieht dicht und lebensecht und wäre dennoch nicht originell ohne das ausgefallene Personal, das Argetinien vertritt: Das sind hier die 12jährige Teresa und ihre Freundinnen aus einem katholischen Mädchenpensionat, die eine eigenwillige Form der Theologie der Befreiung diskutieren und eine schutzspendende Plastikmadonna von Tür zu Tür "ausleihen", sowie ihre Freunde aus einer Jungenschule, die gern Detektiv spielen. Das sind auch die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia", zu denen einzelne der Jungs als Söhne eine seltsam fremdelnde Beziehung haben. Das sind zwei paranoide Polizisten mit Selbstzweifeln und Allmachtsphantasien im Sog des Peronismus im Kampf gegen paramilitärische Opposition. Das ist ein Kioskbesitzer, bei dem alle ihre Zeitungen und Zigaretten holen. Und das ist der schwule Friseur Celio vom Salon "Ewige Schönheit", der Evita Perón verehrt und um seine Mama trauert.
Allein diese Zusammenstellung gibt einiges an Unterhaltungswert her. Maria Cecilia Barbetta wurde 1972 in Buenos Aires geboren und lebt in Berlin. Für "Nachtleuchten" wurde sie mit dem Alfred-Döblin-Preis geehrt. Es ist eine phantasievoll erzählte und doch penibel recherchierte Geschichte über bedrohte Lebenswelten, die dem Untergang geweiht sind. Nichts ist heute in Argentinien mehr so wie in den Jahren nach 1970, und das führt Barbetta atmosphärisch dicht vor Augen. Politische Spannungen zerreißen das Land. Aberglaube und Gewalt schleichen sich in Normalität und traditionelle Lebensweisen ein. Sinnbild dafür ist viellleicht, wie ein Exhibitionist die Mädchen aus dem Pensionat irritiert.
Man wüsste gern mehr darüber, wie die Menschen in diesem Roman aus all dem hervorgehen. Doch leider zerfleddert das Bündel lose miteinander verknüpfter Erzählstränge und Episoden gegen Ende zunehmend, ein Problem, das es schon bei "Änderungsschneiderei Los Milagros" gab. Dieses Buch hat Humor, es ist ernst und heiter zugleich, es ist sinnlich und poetisch. Aber es fehlt ihm sowohl die programmatische (politische?) als auch die dramaturgische Zielstrebigkeit. Das ist möglicherweise ähnlich wie mit Argentinien und seiner neueren Geschichte: Bis heute geht Altes zugrunde, ohne dass es eine neue Orientierung gäbe.
Schon der Erstling dieser Autorin, "Änderungsschneiderei Los Milagros", war ein ebenso leichter wie erfolgreicher Frauenroman mit dem besonderen Merkmal Humor und Imrovisationskunst zum Überleben in Buenos Aires. Milagros sind Wunder, die dort die Frauen stündig bewirken. Der zweite Roman liest sich stilistisch ebenso leicht und humorvoll, hat aber einen wesentlich ernsteren Hintergrund, um nicht zu sagen: einen düsteren. Buenos Aires 1974/1975: Die Einwohner des Randbezirks Ballester träumen wärend der heraufziehenden Militärdiktatur vom Lottogewinn, singen Boleros und Tangos, lauschen den Stimmen den Vergangenheit und denken an die Zukunft. Das geschieht dicht und lebensecht und wäre dennoch nicht originell ohne das ausgefallene Personal, das Argetinien vertritt: Das sind hier die 12jährige Teresa und ihre Freundinnen aus einem katholischen Mädchenpensionat, die eine eigenwillige Form der Theologie der Befreiung diskutieren und eine schutzspendende Plastikmadonna von Tür zu Tür "ausleihen", sowie ihre Freunde aus einer Jungenschule, die gern Detektiv spielen. Das sind auch die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia", zu denen einzelne der Jungs als Söhne eine seltsam fremdelnde Beziehung haben. Das sind zwei paranoide Polizisten mit Selbstzweifeln und Allmachtsphantasien im Sog des Peronismus im Kampf gegen paramilitärische Opposition. Das ist ein Kioskbesitzer, bei dem alle ihre Zeitungen und Zigaretten holen. Und das ist der schwule Friseur Celio vom Salon "Ewige Schönheit", der Evita Perón verehrt und um seine Mama trauert.
Allein diese Zusammenstellung gibt einiges an Unterhaltungswert her. Maria Cecilia Barbetta wurde 1972 in Buenos Aires geboren und lebt in Berlin. Für "Nachtleuchten" wurde sie mit dem Alfred-Döblin-Preis geehrt. Es ist eine phantasievoll erzählte und doch penibel recherchierte Geschichte über bedrohte Lebenswelten, die dem Untergang geweiht sind. Nichts ist heute in Argentinien mehr so wie in den Jahren nach 1970, und das führt Barbetta atmosphärisch dicht vor Augen. Politische Spannungen zerreißen das Land. Aberglaube und Gewalt schleichen sich in Normalität und traditionelle Lebensweisen ein. Sinnbild dafür ist viellleicht, wie ein Exhibitionist die Mädchen aus dem Pensionat irritiert.
Man wüsste gern mehr darüber, wie die Menschen in diesem Roman aus all dem hervorgehen. Doch leider zerfleddert das Bündel lose miteinander verknüpfter Erzählstränge und Episoden gegen Ende zunehmend, ein Problem, das es schon bei "Änderungsschneiderei Los Milagros" gab. Dieses Buch hat Humor, es ist ernst und heiter zugleich, es ist sinnlich und poetisch. Aber es fehlt ihm sowohl die programmatische (politische?) als auch die dramaturgische Zielstrebigkeit. Das ist möglicherweise ähnlich wie mit Argentinien und seiner neueren Geschichte: Bis heute geht Altes zugrunde, ohne dass es eine neue Orientierung gäbe.
Dienstag, 24. September 2019
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Links Matthias Jeschke, rechts seine Frau und Kollegin Tanja |
Tanja Jeschke stammt wie ihr Mann aus Norddeutschland und kam über Literaturkritik und Essays zum Schreiben. Sie veröffentlichte Erzählungen und 2003 den Erzählband "Fette Beute Wort". 2011 erschien ihr erster Roman, und nun las sie aus dem Manuskript eines zweiten, der die Erlebnisse einer jüdischen Familie schildert, die 1938 nach Dänemark auswanderte. Das war ebenso eloquent wie kurzweilig. Die Blumen in der Mitte durfte Tanja Jeschke übrigens mitnehmen, denn sie hatte Geburtstag und kurzerhand ihre drei Töchter mitgebracht, die den Büchertisch betreuten.
Auftakt der interkulturellen Woche in Stuttgart
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Mezzosopreanistin Cornelia Lanz |
Am 22. September war Kulturtag intensiv angesagt: Am Vormittag Gottesdienst zur Eröffnung der interkulturellen Woche in der Evangelischen Stadtkirche Feuerbach mit der Mezzosopranistin Cornelia Lanz und der Salamaleque Dance Company "Dancers Across Boarders" über Gebete von Flüchtlingen in Seenot. Das Motto des Gottesdienstes lautete "In Seenot", und dazu sang Lanz "Someone to watch over me" von George Gershwin, die traurige Vanitas-Elegie "Flow my tears" von John Dowland (1596), ein düsteres Lied über Einsamkeit und Nacht. Es folgten im Wechsel mit Lesungen, einem Kurzfilm und einer kurzen Predigt von Asylpfarrer Joachim Schlecht Arien aus der Händel-Oper "Oreste" und der Mozart-Oper "Idomeneo", die sich beide um Schiffbruch drehen, sowie einige englische Volkslieder.
Ungewöhnlich im Kirchenraum und dennoch absolut passend durch den tiefen Ernst von Inszenierung und Darbietung waren zwei Tanz-Aufführungen der internationalen, multikulturellen Salamaleque Dance Compady / Dancers across Boarders.

Ist Stuttgart ein "sicherer Hafen"? Die Frage wird derzeit überall diskutiert. Von einem grünen OB ohne Ratsmehrheit regiert, hat sich die Landeshauptstadt bisher noch nicht der Initiative "Sicherer Hafen" verschiedener deutscher Städte angeschlossen, obwohl hier eine vorbildliche Flüchtlingearbeit stattfindet und die Integrationsrate hoch ist. Doch die Akzeptanz von Fremden lässt nach, vor allem wenn sie eine dunkle Hautfarbe haben. Da haben die Kirchen, Medien und Verbände eine wichtige Vermittlungsaufgabe, um manche überschießende Gefühlsreaktion zu versachlichen.
Der Retter trägt Wuschelkopf
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Dirigent Michael Sanderling und Cellist Nicolas Altstaedt |
Egal war der Unernst des Dutilleux-Titels, der sowohl den Fürsten von Sacher-Masoch als auch die Wiener Sachertorte meinen kann und weder das eine noch das andere ist: weder sexuell schräg noch zuckersüß. Der Franzose Henri Dutillreux (1916 - 2013) gilt als avantgardistischer Poet unter den modernen Komponisten und hat hier ein sehr expressionistisches Werk geschaffen. Schon der Einstieg in ein Orchesterkonzert mit einem solchen Solo ist ungewöhnlich. Er zeigte aber auch gleich, wo hier der Hammer hing: am virtuosen Cello. Es mag anmaßend klingen, aber mir kommt es so vor, als habe sich mit dem zweiten Konzert für Violoncello und Orcherster von Dmitrij Schostakowitsch anschließend ein Cellistentraum erfüllt. Schostakowitsch war am Leningrader Konservatorium Lehrer von Mstislav Rostropowitsch, jenem legendären Cellisten, der Generationen von Solisten auf der ganzen Welt geprägt hat. Schostakowitsch war aber auch befreundet mit Michael Sanderlings Vater Kurt, Cellist wie sein Sohn. Und nun diese Paarung: der Cellist Nicolas Altstaedt (geboren 1982) und Michael Sanderling (geboren 1967 in Ostberlin)! Beide kennen ihren Schostakoswitsch in- und auswendig. Und so wird dieses schnörkellose Spätwerk des Russen aus dem Jahr 1967 zu einem Fest der kompetenten Interpretation und des künstlerischen Ausdrucks von Todesahnung und sarkastischem Galgenhumor nach Noten. Besser kann man dieses Werk kaum dirigieren, und besser spielen auch nicht. O-Ton Alstaedt beim SWR: "Schostakowitsch hat mich zutiefst ergriffen".
Doch nach der Pause fehlte das Besondere: "Sommerwind, Idyll für großes Orchester" von Anton Webern (1883 - 1945) ist eines der Frühwerke des Wieners, die zu Lebzeiten nie aufgeführt wurden. Jetzt weiß ich auch, warum: zu schmalzig, zu impressionistisch für meine Ohren. Webern wechselte dann zur Zwölftonmusik Schönbergs, daher ist dieses Stück alles andere als typisch für diuesen Komponisten. Das abschließende Adagio aus der unvollendeten 10. Sinfonie Fis-Dur von Gustav Mahler (1860 - 1911) ist eigentlich ein Werk von großer emotionaler und existenzieller Tragweite. Ganz ähnlich wie das 2. Cellokonzert von Schostakowitsch entstand dieses Fragment unter dem Eindruck einer schweren Herzkrankheit und in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Doch irgendwie war die Luft jetzt raus. Sanderling arbeitete die Partitur minutiös ab, das Orchester funktionierte wie ein virtuoses Uhrwerk. Aber etwas fehlte. Was, hätte vielleicht der erkrankte Chefdirigent Teodor Curretzis gewusst. Und wir hätten vielleicht etwas ganz anderes gehört.
...
Sonntag, 28. Juli 2019
Schnee-Gedichte von Peter Schlack: bitterüß
"Ets schneits doch": 13 Gedichtpostkarten, erschienen in der Edition Peter Schlack in einr nummerierten Auflage von 150 Exemplaren, geschrieben, illustriert, gedruckt und hergestellt vom Autor höchstselbst:
Das ist angesichts der Hundstage die bestmögliche Antwort für Kulturfreunde. Nicht einmal das Lesen dauert lange: 13 kleine Texte, das ist wirklich auch bei 40 Grad im Schatten noch zu schaffen.
Wohliges Frösteln ist garaniert bei Texten wie dem, der gleich am Anfang kommt:
Fròg me net
woroms heit schneit
wenns morga
wieder schmilzt
Da haben wir Dialektdichtung, freilich vom Feinsten. Denn sie zeigt ihre sprachlichen Möglichkeiten durch Zwischentöne, die es nur im Dialekt gibt und die zudem deutlich machen: Der Peter Schlack ist als Poet, Drucker und Grafiker ein Meister seines Fachs bzw seiner Fächer. So viel Geduld muss schon sein. Denn bei so einem Multitalent muss der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit halt mal ein bissel wandern und auch mal verweilen, damit sich das Entdeckte setzen kann. Und dann entpuppt er sich auch noch als Philosoph mit spitzbübischem Humor. Im Schwäbischen heißt das seit Thaddäus Troll "Hintersinn". Auch recht. Mir hat´s jedenfalls gefallen. Das Lese-Ergebnis ist bittersüß wie edle Zartbitterschokolade mit Chili. Gibt´s auch als Eis, hab ich mir sagen lassen. Nur ist die winzige Auflage längst weg. Jetzt muss man halt schauen, ob´s antiquarisch ´noch was gibt oder ob man den Autor bequatschen kann, noch eine Auflage zu machen...
Samstag, 27. Juli 2019
Geistige Brandstifter - nicht nur bei der Linken
Die geistigen Urheber und Brandstifter der Neuen Rechten sind nachweislich Leute wie Martin Lichtmesz, Karlheinz Weißmann, Götz Kubitschek, Caspar von Schrenck-Notzing, die "Aktion neue Rechte", die Leute vom "Thule-Seminar" oder Sympathisanten des Grabert-Verlags, die viele ehemalige APO-Radikale in ihren Reihen haben, Henning Eichberg, Volkmar Wölk, Alain de Benoist und seine "Nouvelle Droite", nicht zuletzt mal was Populäres: Thilo Sarrazin (langjähriges SPD U-Boot). Diese Leute haben vor allem das taktische Vorgehen von Pegida und AfD geprägt. Dazu gibt es ziemlich viele ziemlich üble Schriften wie "Abendland", "Identität", "Die Neue Front" oder "Hier & Jetzt". Woher ich das weiß?
- Ich empfehle "Die autoritäre Revolte" von Volker Weiß, Spiegel-Bestseller und als Klett-Cotta-Taschenbuch preiswert für 9,95 € zu haben: die derzeit wohl beste Beschreibung des braunen Sumpfes und seiner unappetitlichen Fauna. Das ist leider kein Unsinn, sondern eine wichtige Waffe im Kampf gegen die politischen und kriminellen Folgen dieser Verirrung. Oft werden Ermittlungsbehörden nämlich aus purer Unwissenheit nicht tätig, obwohl es dringend geboten wäre. Fast alle diese Leute erfüllen permanent den Straftatbestand der Volksverhetzung.
Sie faseln von "Tradition" und meinen nur eine ganz bestimmte tiefbraune, von einem "Recht auf Widerstand", von "Umvolkung" oder "Bevölkerungsaustausch", von "Volksverrätern" statt von Vertretern der repräsentativen Demokratie. Zuerst halten sie nur Reden und schreiben Artikel. Sie leugnen einfach alles, was nicht in ihr verqueres Weltbild passt - vom Holocaust bis zum Klimawandel oder den Fluchtursachen in Afrika. Aber dann horten sie Lebensmittel und Waffen, erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als ihren Staat an, hinterziehen Steuern und widersetzen sich behördlichen (auch polizeilichen) Anordnungen. Wer kann den Anfängen wehren, wenn er sie nicht erkennt? Man muss also Ross und Reiter nennen, das weiß der Autor dieses Buches genau.
Volker Weiß beschreibt präzise die von Linken kopierte Taktik der subversiven Aktion zum Zweck der Grenzverschiebung. Sie sucht nach Aufmerksamkeit um jeden Preis, da sind kleine oder auch große Lügen nur ein "Vogelschiss". Es ist die Taktik der gezielten Grenzüberschreitung, des Austestens und des prompt folgenden Rückzuges bei entschiedenem Widerstand. Vom Untergang des Abendlandes ist da wieder die Rede, um auch in der gesellschaftlichen Mitte Panik zu erzeugen und bei Extremisten ein Verhalten zu provozieren, das am Ende auch nicht vor Mord und Totschlag zurückschreckt.
Der Autor entlarvt mit fundierten historischen Kenntnissen die beliebtesten Fakes und Mythen der Neuen Rechten, vom "Abendland" bis hin zur angeblichen Islamisierung der Gesellschaft. Er benennt den eigentlichen Feind der Neurechten, den diese übrigens mit islamisten und Leuten wie Putin und Erdogan gemeinsam haben: "Dekadenz" und "Liberalismus" im Gegensatz zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, echter Toleranz und bunter kultureller Vielfalt, die über exotisches Essen oder multikulturelle Dekoration hinausgeht. Auch der Rassismus eines Brexiteers wie Boris Johnson oder des autoritären Populisten im Weißen Haus hat im Kern dieses Feindbild. Wer hier noch meint, Vertragstreue z.B. bei der NATO fände hier noch ein Gegenüber auf Augenhöhe, hat den Schuss nicht gehört und ist naiv bis zur groben Fahrlässigkeit.
Dienstag, 23. Juli 2019
Ein begnadeter Unruhestifter geht
Thomas Wördehoff |
Intendant Thomas Wördehoff verabschiedet sich nach zehn Jahren Ludwigsburger Schlossfestspiele
Am 22. Juli 2019 nahm Thomas Wördehoff im Palais Grävenitz nach zehn Jahren seinen Abschied als Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Nach dem Abschlusskonzert am 20. Juli im ausverkauften Forum am Schlosspark mit dem Pianisten Igor Levit, dem Trompeter Thomas Gansch, der Band Mnozil Brass und der Duo Nora Fischer & Marnix Dorrestein verabschiedete auch der Finne Pietari Inkinen als Leiter eines phänomenal gewachsenen Festspielorchesters.
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Pietari Inkinen |
Dabei würdigte Staatssekretärin Petra
Olschowski Wördehoff und Inkinen, deren Begegnung fruchtbar
und wichtig für die Festspiele gewesen sei, und dankte ihnen und dem
Orchester für "wunderbare Abende und das Gefühl
von Zusammenhalt und Gemeinschaft", die das Festival in den letzten
zehn Jahren zu einem besonderen Ort gemacht hätten. Oberbürgermeister
Werner Spec gratulierte dem Intendanten zu zehn Jahren Intendanz und hob
insbesondere die neuen Impulse hervor, die Wördehoff
in seiner Programmgestaltung gesetzt hatte. Mit Wördehoff geht ein begnadeter Unruhestifter, der mit seiner Experimentierfreude manchen konservativen Musikfreunden gehörig auf den Wecker gegangen ist. Es gab auch im Freundeskreis Kämpfe um die Vorherrschaft in einem Programm, das sich nach der Ära Gönnenwein öffnete für Song, Jazz, Balkan Brass, Weltmusik, jede Form von musikalischem, tänzerischen, dramaturgischen, auch literarischen Crossover-Projekten. Wördehoff krempelte das Image des reinen Klassik-Festivals um in ein Festival der Neugierde, der Überraschungen, auch der Kontroversen. Es mag eine kleine Genugtuung für Wördehoff gewesen sein, dass sein prominenter Widersacher OB Spec ihn im Amt nicht überlebt hat.
Doch für so etwas hat Wördehoff eigentlich gar keine Zeit und wohl auch keine Antenne. Intrigen gehen ihm gegen den Strich. Was er zum Abschied zu sagen hatte, war daher auch nicht bitter, und auch nicht bloß eine Bilanz seiner letzten Festspielzeit, sondern ein nachdenklicher Ausblick. Die schiere Statistik zeigt, wie versucht wurde, die Ludwigsburger Schlossfestspiele auszuhungern durch Austeritätspolitik: Sparen, Sparen, Sparen war die Devise von Stadt und Land, die seit 16 Jahren (!) den Etat des einst größten deutschen Musikfestival um nicht einen Cent erhöht haben. Kein Inflationsausgleich, nirgends: Wer wäre da als normaler Angestellter nicht längst auf den Barrikaden? Gottlob gibt es Sponsoren, gottlob fand Wördehoff, als ehemaliger Chefdramaturg der Ruhrfestspiele bestens vernetzt, immer wieder interessante und potente Kooperationspartner. Und trotzdem schrumpfte die Zahl der Konzerte von anfangs 70 auf 54 im Jahr 2019. Niemand fand nach Wolfgang Gönnenwein je den Mut, das Festival aus der strukturellen Unterfinanzierung zu holen. Das augenfälligste Beispiel dafür ist das Orchester: Jetzt hieß es aus dem Aufsichtsrat, das Festspielorchester solle es weiterhin geben, aber keiner kann sagen, wie. So wird es wohl 2020 weder ein Eröffnungskonzert noch ein Abschlusskonzert geben. Wie soll das gehen? Stand heute suchen Musiker neue Geldgeber, obwohl das nicht ihr Job ist.
Dabei hat das Festivalorchester sich aus einem zusammengewürfelten Haufen in 30 Jahren zu einem charakterlich und musikalisch reifen Klangkörper entwickelt, der hoch professionell arbeitet. Große Namen standen nie zur Verfügung, um die Massen zu locken. Der Pianist Igor Levit, Christina Pluhar und ihr Barockorchester, die Violinvortuosin Isabelle Faust wurden nicht zuletzt erst durch Ludwigsburg groß. Das Gleiche gilt für die Musikbanda Franui. Und doch, trotz des wetterbedingten Hochrisiko-"Klassik Open Air", lag in diesem Jahr die Auslastung bei stolzen 81 Prozent.
Die
Zusammenarbeit mit regionalen, überregionalen und internationalen
Partnern wurde durch Koproduktionen mit Institutionen wie etwa dem NT
Gent, der Staatsoper Unter den
Linden, dem Theaterhaus Stuttgart, dem Théatre des Champs-Elysées und
der Toneelacademie Maastricht sowie durch zahlreiche
Kooperationsveranstaltungen, beispielweise mit dem Deutschen
Literaturarchiv Marbach, dem Deutschen Musikrat, der Internationalen
Hugo-Wolf-Akademie,
dem Kunstmuseum Stuttgart und anderen Partnern weiter bestärkt. Und lägen regionalen Zugpferde der Literatur mit Publikumsmagneten wie Nora Gomringer oder Hanns-Josef Ortheil nicht noch im toten Blickwinkel des etwas Österreich-zentrischen Thomas Wördehoff, gäbe es für die Zukunft ja kaum noch Neues zu entwickeln. Ab
1. Oktober 2019 übernimmt Jochen Sandig die Leitung der Ludwigsburger
Schlossfestspiele. Dann steht dort alles wieder Auf Anfang.
Sonntag, 21. Juli 2019
Musik für kluge Köpfe: Kent Nagano dirigiert Schönberg und Bruckner
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Kent Nagano gibt Autogramme in Stuttgart |
Bei Bruckners 6. Sinfonie nach der Pause hätte ich Fehler erkannt, doch es gab keine. Das Maestoso des ersten Satzes, das feierliche Adagio des zweiten, das langsame Scherzo des dritten und das bewegte Finale des vierten Satzes waren virtuos und technisch brilliant anzuhören. Der US-Amerikaner japanischer Herkunft (geboren 1951) ist ein Gentleman am Dirigentenpult, der mit feinen Handbewegungen und ausdrucksvoller, sanfter Mimik das Orchester leitet, ohne mehr als gelegentliche Gefühlsregungen erkennen zu lassen. Der gefühlsbetonende Bruckner kam hier recht papieren daher. Obgleich der Stardirigent als Leiter der Berliner Philharmoniker, der Bayerischen Staatsoper und der Hamburgischen Staatsober samt Staatsorchester (seit 2015) der deutschen Musikwelt seit Jahrzehnten aufs engste und sehr erfolgreich verbunden ist, interpretierte er diesmal Bruckner fast wie zuvor Schönberg. Ausgerechnet den emotionalen Tornado Bruckner. Vielleicht war die Zusammenstellung des Programms schuld an so viel Nüchternheit. Schön war´s trotzdem.
Freitag, 19. Juli 2019
Ökonomie ist eminent politisch
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Götterdämmerung einer Wirtschaftsform |
Andrew Sayer: Warum wir uns die Reichen nicht leisten können,
Verlag C.H. Beck München 2017, 477 S., 27,95 €
Wussten Sie, dass eine Spritztour mit einer Wally-Superyacht auf dem Mittelmeer an einem Nachmittag schon mal 10 000 Liter Sprit verbraucht und der Umwelt mehr schadet als ein durchschnittlicher Afrikaner in seinem ganzen Leben? Oder dass in der Bishops Avenue, der zweitteuersten Straße Londons, ein Drittel der Häuser leer steht? Diese Häuser gehören reichen Ausländern, die damit zu Hause Steuern sparen und zufrieden zuschauen, wie in London die Immobilienpreise durch die Decke gehen. Dito in Stuttgart, wo der ehemalige Volkswagen-Boss Ferdinand Piech die berühmte Calver Passage (eigentlich denkmalgeschützt) abreißen lässt, um an gleicher Stelle ein lukratives Spekulationsobjekt zu bauen. Dergleichen Beispiele gibt´s mehr, in fast jeder größeren deutschen Stadt.
Ursache für diese Immobilienspekulationen sind dysfunktionale Marktmechanismen, also systemische Fehlfunktionen, die es dem 1 Prozent der Superreichen erlauben, durch die Kontrolle von Eigentum und Kapital jenen Wohlstand abzuschöpfen, den andere produziert haben. Geradezu ein Lehrbuch für kreativen Raubtierkapitalismus in jeder Form ist die "City of London". Und diese Räuberhöhle hat der Autor als Professor für Sozialwissenschaften und Politische Ökonomie an der britischen Lancaster University unmittelbar vor Augen. Andrew Sayer beschäftigt sich unbestechlich und kenntnisreich mit dem Verhältnis zwischen Ökonomie und Moral sowie den Folgen der Ungleichheit für demokratische Gesellschaften. Die Enttäuschten wählen längst in Scharen rechtsradikal, weil Linke und Grüne es nicht hinkriegen, Liberale und sogar Christdemokraten es aber gar nicht erst hinkriegen wollen.
Der Trick ist trotz aller Vielgestaltigkeit immer einfach: "Dass es nicht nur auf harte Arbeit, sondern darauf ankommt, sich in den Besitz von Vermögenswerten zu bringen, die unverdientes Einkommen abwerfen". Gemeint sind "Dividenden", Mieten, Großrechner mit schlauen Algorythmen, die kein Mensch durchschaut etc. - alles, was er "Renten" nennt, man könnte auch Monopol zum Gelddrucken sagen. Sayer ist alles, nur kein Kommunist. Aber er würde diese Formen des "unverdienten Einkommens" gern abschaffen. Sie sind Ursache für elektronischen Betrug ebenso wie die elektronische Geldschöpfung durch Zentralbanken oder für massive, aber fehlgeleitete Subventionen (etwa Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern und vermarkten, veraltete Technologien in der Autombilindustrie) und das Ausbremsen notwendiger oder sinnvoller Veränderungen bei der Energiewende. Immer wieder werden "Marktmechanismen" zum Naturgesetz erhoben, die alles Mögliche sind, nur sicher kein Naturgesetz.
Sayer zeigt, dass Ökonomie immer eminent politisch ist. Wenn z.B. Ökonomen nach ideologischer Gehirnwäsche durch die Globalisierungsdoktrin "Mehr Eigenverantwortung" fordern, meinen sie die Enteignung von Versicherungen und Sozialkassen etwa durch private Klinikbetreiber und die Ausbeutung der Versicherten durch Kürzungen der Leistungskataloge. Schreien sie "Subventionierung!", meinen sie vielleicht gar nur den Verlust ungerechtfertigter Steuervorteile durch politisch ausgehandelte Privilegien wie Steuersparmodelle für Konzerne und Multimillionäre, oder auch die ohnedies magere Kompensation von Pendlerekosten durch die "Pendlerpauschale" des Finanzamtes für kleine Angestellte und (Schein-)Selbständige, die keine Subvention ist. Und Invesitionen möchte Sayer wieder in die Produktion sinnvoller Dinge fließen sehen und nicht länger in den Kauf von Unternehmen, deren asoziale Zerschlagung und den profitablen Weiterverkauf der Filetstücke.
Sayers Buch ist wichtig, denn er nennt Ross und Reiter, erklärt das System verschleierter Verantwortlichkeiten und macht deutlich, warum die Schere zwischen Arm und Reich, Oben und Unten sich immer weiter öffnet. Und er räumt auf mit verbreiteten Vorurteilen, z.B. das die Reichen (oder das automome Fahren oder noch mehr Roboter) Arbeitsplätze schaffen würden oder Wohlstand von ganz oben grundsätzlich immer nach unten durchsickern würde. Pustekuchen! Sayers beschreibt, warum es lukrativer ist, Gesetze zu machen als "über dem Gesetz" stehen zu wollen. Die ganz legalen Wege der Korruption lassen dem Leser die Haare zu Berge stehen und erzeugen (berechtigte) Wut auf die großen Hütchenspieler, die sich selbst "Globale Player" nennen, und auf ihre verkommene Meute von Anwälten, Beratern und Lobbyisten.
Dieses Buch ist fast so wichtig wie neue Erkenntnisse zur Klimaerwärmung. Denn es entlarvt die echten Kriegstreiber der Welt, die Menschen- und Waffen- und Drogenhändler, die Trickser und Täuscher der "Panama Papers" und ihre Motive. Wer sich Sorgen über die zunehmende Zahl von Flüchtlingen und deren soziale Kosten macht, kann nach dieser Lektüre die Rechnung den richtigen Leuten präsentieren. Denjenigen, die daran beteiligt sind, ganze Meere leerzufischen und ganze Länder unbewohnbar zu machen oder als Acker für "Investoren" zu plündern. Diejenigen, die mit ihrer Mafia-Wirtschaft das Lügen zum Geschäftsmodell gemacht haben, müssen sich hier mit unangenehmen harten Tatsachen konfrontieren lassen, die gegen "Fake news" jeder Glaubensrichtung immun sind.
Sonntag, 14. Juli 2019
Freischütz mit Jonglage in Ludwigsburg
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Foto: © Julien Benhamou |
Nationaloper einmal anders: Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz" aus dem Jahr 1821 gab es am Freitag/Sonntag 12./14. Juli bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen in einer französischen Neuinszenierung von Clément Debailleul und Raphaël Navarro. Die deutsch-französische Koproduktion der
Schlossfestspiele mit Insula orchestra, dem Chor accentus und der
Compagnie 14:20 interpretiert den Stoff, der bei der Uraufführung 1821 den Nerv des deutschen
Publikums und der gerade entstehenden deutschen Nationalbewegung traf, weniger mit Waldesmythos, Schauermärchen und Jägerromantik. Der französische Blick betont eher das Spielerische: Lichtspiele im Dunkeln, Jonglage-Einlagen sowie der Verzicht auf Martialisches und "Tümelndes" verstellen den düsteren Akzent über dem ganzen Werk nicht etwa, sondern verstärken ihn sogar.
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Foto: © Julien Benhamou |
Während
Webers "Freischütz" auf den Bühnen des deutschsprachigen Raumes zum
Standardrepertoire gehört, wagen sich ausländische Ensembles eher selten
an die "deutsche Nationaloper".
Dabei, das wurde bereits bei der Premiere der Koproduktion deutlich,
eröffnet der Blick von außen einmal ganz andere Sichtweisen auf den
altbekannten Stoff. Das junge französische Regieteam legt das
Augenmerk seiner Inszenierung auf die dunkle Seite der
Romantik, die in den handelnden Figuren der Oper zum Ausdruck kommt.
Die beiden Regisseure geben den subtilen, ungreifbaren
Ängsten und übernatürlichen Kräften hinter den Protagonisten in ihrer Interpretation Raum und legen die Rituale
und Mythen der Jagdgemeinschaft offen. Im Zentrum ihrer Betrachtung
steht weniger die ernsthafte oder ironische Auseinandersetzung mit der
deutschen Identität, sondern die Frage, inwiefern individuelle Ängste unser Handeln bestimmen.
Max, der neuer Oberförster des Fürsten werden möchte und mit einem Meisterschuss neben dem Amt auch die Hand der geliebten Förstertochter Agathe anstrebt, ist ein ideales Opfer finsterer Mächte: Er will eine Pechsträne loswerden und dem "Lampenfieber" vor der doppelte Prüfung entgehen, indem er sich von seinem Kollegen Kaspar einreden lässt, magische Freikugeln, die alles treffen, was man sich wünsche, seien die Lösung seiner Probleme. Doch natürlich bringt ihn die Unterstützung durch schwarze Magie erst Recht in Schwierigkeiten. Nur gut, dass er so ein lieber Junge ist...
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Foto: © Julien Benhamou |
Markenzeichen
der beiden Regisseure, die neben der Arbeit an der künstlerischen
Bewegung der "Magie Nouvelle" mit ihrer Compagnie 14:20 auch schon für
den Cirque du Soleil
tätig waren, ist der Einsatz spezieller Hologrammtechnik. Mit den
Mitteln des Bühnenzaubers werden Akteure von ihren Körpern gelöst und
Bewegungen in Zeitlupe sichtbar gemacht, ätherische Szenen kreiert und
die Grenzen von Realität und Illusion aufgehoben.
So entstehen innerhalb der Inszenierung immer wieder verblüffende
Bilder, die geheimnisvolle und übernatürliche Elemente der
Freischütz-Erzählung um eine magische Ebene erweitern. Mit dem Artisten
und Jongleur Clément Dazin, der die mephistophile Rolle des schwarzen
Jägers Samiel verkörpert, lassen die Regisseure in ihre Inszenierung
auch Elemente der Zirkuskunst einfließen. Dass dabei niemals teutonisch-tierischer Ernst vorherrscht, sondern augenzwinkender Spaß an der Freud, beginnt schon beim Ahnherrn in Kunos Försterhaus, dessen- Porträt ganz gern einmal geisterhaft von der Wand fällt und sich überdies ungehörig bewegt. Dienerin Ännchen (zauberhaft mit ihrem belgisch-schweizerischen Akzent ("entzuckend") die Sopranistinnen Chiara Skerath, die übrigens immer von rechts her auftrat) ruft nach Hammer und Nagel, sowie Agathe, die Verlobte des Jägers Max (die Südafrikanerin Johanni van Oostrum: charaktervoll, ausdrucksstark, stimmstark und souverän in allen Lagen), die eher dunkle Vorzeichen am Werk sieht. Auch der finnische Tenor Tuomas Katajala als Max und der russische Bass Vladimir Baykov als sein durchtriebener Gegenspieler Kaspar waren großartig besetzt und sangen meisterhaft.
Die Musikalische Leitung der Produktion hat die französische Dirigentin
Laurence Equilbey. Als Gründerin und künstlerische Leiterin des
Chores accentus und des Insula orchestras hat sie sich in den letzten
Jahren einen Ruf unter Experten für Chorsinfonik und A-cappella-Musik erworben. Das Zusammenwirken von historisch informiertem Orchester
und dem schönen, ausdrucksstarken Chor mit einem Ensemble hochkarätiger junger Solisten rückt diesen "Freischütz" auch klanglich in ein besonderes
Licht. Dem
Ludwigsburger Festspielpublikum ist Equilbey bereits
aus dem Jahr 2017 bekannt. Da hat sie eine gefeierte Inszenierung von Haydns
"Schöpfung" mit "La Fura Dels Baus" dirigiert. Diesmal ließ sie jedoch einigen Gestaltungsspielraum zugunsten der Lichtspiele ungenutzt und agierte recht zurückhalten.
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