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Sonntag, 22. Januar 2023

Musikalische Antwort auf eine schwierige Zeit: Currentzis dirigiert Alban Berg und Dmitrij Schostakowitsch

Teodor Currentzis und Vilde Frang

Am 20. Januar konnte ich mich freuen über ein großariges Konzert des SWR Symphonie Orchesters in der Stuttgarter Liederhalle. Chefdirigent Teodor Currentzis dirigierte das Konzert für Violine und Orchester von Alban Berg (1885 - 1935), "Dem Andenken eines Engels" in zwei Sätzen. Das war Zwölftonmusik von großer Klangschönheit und Ausdruckskraft, gewidmet Manon Gropius, der Tochter des befreundeten Ehepaares Alma Mahler-Werfel und Walter Gropius. Sie war für Berg wie die Tochter, die er sich immer gewünscht hatte, und starb mit 18 Jahren an den Folgen einer Kinderlähmung. Die vielfach ausgezeichnete norwegische Solistin Vilde Frang (sie spielt einer Guarneri-Geige von 1734) war für dieses Stück so etwas wie eine Idealbesetzung. Mit ihrer technischen Brillianz und einfühlsamen Interpretation konnte sie bei den Zuhörern ein Kopfkino entzünden, das mit Sicherheit noch lange nachhallen wird.

Nach der Pause folgte die Sinfonie Nr. 8 C-Moll von Dmitrij Schostakowitsch (1906 - 1975), der die Musik von Alban Berg kannte. Darin hat der Komponist die Erfahrungen und Verheerungen des Zweiten Weltkrieges in Musik umgesetzt - schwere Kost und ernst, aber ganz große und ethisch gewichtige Kunst. Das Orchester und sein Dirigent in Höchstform. Diese achte Sinfonie ist geprägt vom deutschen Ausrottungskrieg im Osten Europas, der fast 27 Millionen Bürger der Sowjetunion das Leben kostete, darunter gut 15 Millionen Zivilisten. Die vorausgegangene 7. Sinfonie entstand noch unter dem Eindruck der Blockade von Leningrad mit über einer Million toten Zivilisten in 872 Tagen. Danach wäre eine Jubelsinfonie über den teuer erkauften Sieg für Schostakowitsch unenkbar gewesen. Er sah in seiner Achten "eine Antwort auf die Ereignisse" einer "schwierigen Zeit". Schließlich lebte der Gewaltherrscher Stalin noch, den Putin verehrt. Weiter geht auch Currentzis nicht, der lange in Russland gelebt hat und Angehörige, Freunde und Kollegen dort nicht in Gefahr bringen will.

Das Konzert war ein Statement, auch wenn das Programm schon vor Beginn des Krieges gegen die Ukraine zusammengestellt wurde. Es war ein intellektuelles Konzert voller Klangchiffren auf den Tod, mit einer modernen Form des Totentanzes und teils bissig-skurrilen, teils aggressiv-bedrohlichen Momenten, das nach Art einer guten Filmmusik dennoch direkt zur Seele sprach. Nur der Finalsatz bei Schostakowitsch - keine schmetternden Siegesfanfaren - enthält einen nachdenklichen Triumph mit gedämpfter Freude: Fortissimo-Dissonanzen münden in einen Pianissimo-Ausklang, über dem "ersterbend" in der Partitur steht. Wir hatten Freunde dabei, die zuvor noch nie ein klassisches Konzert besucht hatten - und sie waren begeistert!

Donnerstag, 19. Januar 2023

"Alle Armenier heißen Armen": Ein armenischer Kafka erzählt

Sevak Aramazd: "Armen", Roman. Aus dem Armenischen von Levon Sargsyan. Pop Verlag, Kaukasische Bibliothek Band 27, Ludwigsburg, 366 Seiten, 24,50 €.

Sprache und Einfallsreichtum des Verfassers sind geschult an William Shakespeare, Edgar Allan Poe, den Gebrüdern Grimm, Franz Kafka und Alfred Hitchcock. Der Autor Sevak Aramazd oder Sevak Hovhannisyan wurde 1961 in Geghaschen (Armenien) geboren. Er hat Germanistik und Philosophie in Eriwan und Frankfurt am Main studiert und er hat Werke von Goethe, Heine, Rilke, Trakl, Böll und Hesse ins Armenische übersetzt. Irgendwann muss er wohl auch über die Märchennovelle "Die schöne Lau" von Eduard Mörike gestolpert sein, die als Nixe oder Wasserfrau die Donauquelle in Bad Urach bewohnt, die wegen ihres türkis-blaugrünen Wassers  "Blautopf" heißt. Aramazd hat Essays zu Literatur und Philosophie publiziert, Lyrik (2000 "Himmel und Erde", 2018 "Ein großer Sonnenaufgang"). Sein erster Roman "Selbst" erschien 1993; es folgten 2009 "Armen" und 2014 "Der Berg der Sonne". So weit eine Übersicht der Zutaten für eine Literatur, die zugleich Legende und Dokument ist, Parabel und Schauplatz einer Prosa, in der sich Realität und Übersinnliches spiegeln. Sie erzählt vom Schicksal einer Welt, in der es das Schwierigste und Gefährlichste ist, ein Mensch  zu sein. Aber was ist "Armen" nun für ein Buch? - Versuch einer Annäherung.
Wenn es scheinbar die Lebensgeschichte des jungen Armen erzählt, dessen Elternhaus bei einem Erdbeben eingestürzt ist und der auf der Suche nach Arbeit ist, um es wieder aufbauen zu können, geht es nicht einfach um die lineare Geschichte eines Wanderarbeiters, dem allerhand Prüfungen auferlegt sind. Das Buch ist vielmehr eine surreale Endlosschleife vieler schicksalhafter Begegnungen in einem namenlosen Land. Die Erzählstränge beginnen, brechen ab, zerfransen in Träumen und seltsam realistischen Episoden voller Sehnsucht, Begehren, Ängsten, Schuldgefühlen und Abenteuern. Dörfer haben keine Namen, die Stadt Kitak immerhin hat einen Bahnhof, wo aber anscheinend nie ein Zug hält, einen Fluss, ein Krankenhaus, ein Gasthaus und eine Art Verwaltung mit dem Sitz eines Gouverneurs. Autos gibt es, aber wohl nicht viel Verkehr. 

Auf der Suche nach Arbeit und einem Platz zum Schlafen kommt Armen an einem Müllberg vorbei, wo Obdachlose, Kranke, Arbeitslose, Trinker, Drogensüchtige und Behinderte nach Verwertbarem suchen. Abends landet er müde, hungrig und durstig in dem Gasthaus. Kurz bevor es schließt, kann er die Bedienung um ein Glas Wasser bitten. Für eine Mahlzeit reicht das bisschen Geld nicht, das er unterwegs für die Reinigung eines Dorfbrunnens bekommen hat. Die Kellnerin, die er zuerst als "Mütterchen!" anpricht, entpuppt sich als geheimnisvolle Schöne, die ihn mit nach Hause nimmt und in eine ebenso wilde wie sinnlose Affäre stürzt. Schon der Titel des Romans und der Name der Hauptfigur ist ein Symbol, dessen Bedeutung der Leser sich selbst erschließen muss. "Du bist wohl Armenier...", sagte die Frau lächelnd. "Und suchst Arbeit..." Armen trank und nickte dabei. "Und du heißt wohl ...Armen... Na, alle Armenier heißen Armen..." lachte sie. Armen lächelte und gab ihr das Glas zurück. "Und kein Platz zum Schlafen..."

Natürlich nimmt sie ihn mit nach Hause, und er trägt ihre Einkäufe. Die Sprache der Begierde, mal plakativ und mal subtil (als ihr Hauskleid in scheinbar absichtsloser Natürlichkeit verrutscht, erhascht er einen Blick auf Schenkel, die zu den "verbotenen Teilen ihres Körpers" gehören). Diese Sprache lässt psychologisch vermuten, dass Armen in einer traditionellen Welt mit orientalischen Rollenbildern von Mann und Frau lebt, die zwar reflektiert, aber nicht wirklich überwunden werden. "Armen spürte, dass in seinem Innern die Begierde aufkam, ein unerwartetes Verlangen ihn packte, und er bekam plötzlich Angst. Wie ein Lasttier beladen folgte er dieser unbekannten Frau, als sei er ihr Sklave. Es gab der ganzen Sache etwas Demütigendes, einen schlichten Betrug. Sie beide wussten wohin und warum sie gingen und es war eine offensichtliche Unverschämtheit, zu schweigen." Die Schöne heißt Sarah, und Armen ist ihr sofort verfallen. Sie erzählt viel, aber alles könnte gelogen sein: Der Mann, der ihr Vater sein könnte, ein Unhold ist und im Gefängnis sitzt. Das künstlerisch begabte Kind, das im Krankenhaus liegt und nicht mehr spricht, seit der Vater im Gefängnis sitzt. Die Episode endet abrupt und gewaltsam, als der Mann plötzlich in der Tür steht und Sarah ihn wüst beschimpft und verprügelt, um ihn anschließend demütig um Verzeihung zu bitten. Nichts ist hier, was es zu sein scheint.

Viele Klischees des Gruselromans werden erst bedient, um alsbald widerlegt zu werden. Die Flussufer sind sumpfig, der Wald undurchsichtig finster, das Mondlicht matt und die Schatten körperlos. Die wenigen Menschen, die ihm begegnen, reden kaum oder wie die Bürokraten in Kafkas "Schloss". Das Gesetz tritt auf in Gestalt zweier mehr als merkwürdiger Polizisten, die ihn unsanft aus dem Schlaf reißen und zum Verhör schleppen. "Es machte ihm Angst, dass die Macht kein Gesicht hatte, sondern unendlich viele Masken, die atmende Menschen waren, wie er selbst, doch über die Schicksale ihresgleichen entscheiden durften. Die Macht konnte seine Extstenz gestatten oder eben auch nicht."

Der Leser fühlt sich wie gefangen in einer Kette unzusammenhängender Alpträume. Schon bald begegnen ihm unheimliche Dinge: Drei Männer versuchen, Armen zu erschlagen, weil er ein Fremder ist und ein Fremder irgendwo in der Gegend den Sohn eines Ortsvorstehers getötet haben soll. Er weiß nicht, wie ihm geschieht, glaubt aber den Vorwürfen am Ende selbst. Mal ist er himmelhoch jauchzend optimistisch und strotzt vor Kraft, im nächsten Augenblick nagen Zweifel an allem und jedem und selbstzerstörerische Minderwertigkeitsgefühle an diesem seltsamen Antihelden. Armen findet mehrmals Arbeit, wird aber nie bezahlt, sondern jedes Mal ausgebeutet betrogen Er begegnet einem Geschichtslehrer, einem Schriftsteller offensichtlicher Nonsens-Bücher, eine Müll-Händlerin und einem Philosophen, der das neue Gesetz das alle studieren, als "ein Meisterwerk menschlicher Dummheit" bezeichnet, ohne etwas davon zu erklären. Armen begegnet dem Gouverneur einem veilchenblauen Mädchen (was auch immer das ist), einem alten Heiler, einem Lastenträger und einem Waldgeist. Er findet eine Quelle, an der sich alle Bedürftigen, Kranken und Elenden versammeln, ohne Heilung oder Trost zu finden. Wie Armen irren die Menschen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Bedrohung durch den Tod ziellos durch sinnlose Leiden wie durch ein Fegefeuer, dem niemand ausweichen kann. Er findet sogar die Liebe, muss sie aus unerfindlichen Gründen aber wieder aufgeben. Es gibt wohl Rechtfertigung, jedoch keine Erlösung. Einen heiligen Gral wie Parzival findet Armen nirgends. 


Montag, 2. Januar 2023

Kein schwereloses Silvesterkonzert in der Stuttgarter Liederhalle

 

Solist Sebastian Manz und Dirigent Andrew Manze

Am 31. 12. 2022, Silvesterkonzert meines geliebten SWR Symphonieorchesters in der Stuttgarter Liederhalle: Zum ersten Mal war das Programm eine sauber gespielte Enttäuschung - mit Ausnahme des Solisten Sebastian Manz, der die "Movements for a Clarinet Concerto" von Benjamin Britten in einer Bearbeitung von Colin Matthews ganz großartig spielte. Das Foto zeigt ihn beim Schlussapplaus zusammen mit dem britischen Dirigenten (und Geiger) Andrew Manze. Der Spezialist für historische Aufführungspraxis blieb dann aber leider in seinem Programm zu historisch und vor allem zu britisch. 

 

Als Einleitung ok: Chacony g-moll, Z 730 von Henry Purcell (1659 - 1695) in einer Bearbeitung für Streicher von Benjamin Britten. Weiter: Serenade to music (Orchesterfassung) von Ralph Vaughan Williams (1872 - 1958). Dann der Höhenflug des Klarinettisten Sebastin Manz spursicher und engagiert durchs irre Tempo des Finales. Nach der Pause noch einmal Henry Purcell, zum Runterkommen sozusagen nach dem Pausen-Sekt: in nomine a 7, Z 747, bearbeitet für Streicher von Andrew Manze. Und dann Variations on an Original Thema for Orchestra op. 36 von Edward Elgar (1857 - 1934). Thema und dann 14 Variationen. Sie klangen aber leider alle fast gleich: Getragen. Und dann irgendwas zwischen "Duck, Pump and Circumstances". Very british, indeed. Nur wusste ich nach spätetens 5 Variationen nicht mehr, welche gerade dran war. Wo "britische Klangvielfalt" angekündigt war, kam teutonische Tuttiwucht. Offenbar wollte der Dirigent das unbedingt so. Nein, die Queen hatte nicht Geburtstag, sie ist gerade erst gestorben und hat sich vermutlich im Grab umgedreht. "Land of Hope and Glory" ohne Gesang wie bei den BBC Proms, wie furchtbar! Wie konnte so etwas in ein Stuttgarter Silvesterkonzert kommen, wo England bei der Fußball-WM in Katar noch nicht mal gegen Deutschland gewonnen hatte? No Glory, No Hope, No Duck.

Um Missverständnissen vozubeugen: An der Qualität der Musik habe ich nichts auszusetzen, aber am Zeitpunkt und an der Zusammenstellung. Die gewohnte "Leichtigkeit" früherer Silvesterkonzerte, ihr spritziger Sex-Appeal fehlte völlig. Kein Walzer oder andere Tänze, kein Musical, keine Operettenstücke. Was es hier zu hören gab, hätte man auch nach einer Beerdigung spielen können. Für das Land von Monty Python war das entschieden zu viel Ernst.

Freitag, 2. Dezember 2022

Ein 695-Seiten-Wutanfall: Das Märchen von der Rettung der Welt

                                                          Sibylle Berg: RCE Remote Code Execution. Roman. Kiepenheuer & Witsch Verlag, 695 Seiten, 26,00 € 

Widerstand scheint zwecklos in einer Welt, die der Neoliberalismus umfassend verheert hat. Kapitalismus ist scheinbar alternativlos geworden, hat wenige absurd reich gemacht und fast allen ein menschenwürdiges Dasein genommen. Fast allen. Aber in einem Container auf einer Schweizer Bergwiese brennt noch Licht.

Die Stuttgarter Autorin Sibylle Berg lebt in Zürich, verfügt über einen messerscharfen analytischen Verstand, eine geschliffene Sprache, eine große Portion rabenschwarzen Humors und den technischen Sachverstand eines Computernerds. Dabei schont sie ihre Wahlheimat kein bisschen: "Die Leute waren zufrieden. Mit sich. Und hatten sich nichts vorzuwerfen. Vom ärmsten Flecken Europas zum reichsten Land der Erde in wenigen Generationen. Hut ab. Die EinwohnerInnen des Landes, das aus Zahnrädern und Gold errichtet war, fühlten sich immer im Recht. Also wie alle Menschen. Nur stärker. Sie konnten keine Fehler zugeben. Also auch wie alle Menschen, aber konsequenter." Ort der Handlung ist, wenn man das so sagen darf, ein Hochplateau mit viel Natur. Neuankömmling Maggie betrachtet die Idylle: "Den Brunnen, die Zikaden, Palmen und Vögel, die fast höflich leise kommunizierten, und sollte es hier Wildtiere geben, dann trugen sie sicher Pantoffeln." Am Waldrand nicht etwa ein Chalet, sondern ein paar abhörsichere Wohncontainer "unter den Bäumen, geschützt vor Drohnen und Helikoptern. Hoffentlich." 

Hier treffen sich fünf Hacker, um die Weltrettung zu programmieren: ein sich selbst ausführender Code (RCE) zur ferngesteuerten Zerstörung all dessen, was zum falschen System gehört: Frei nach Rio Reisers Vers "Macht kaputt, was Euch kaputt macht!" geht es Banken, Milliardären, Konzernen und Lobbyisten an den Kragen. Es ist der letzte Versuch. Und am Ende geht das große Ding gut aus. Der Code funktioniert. Grundbuchämter brennen, Armeen und Polizei haben plözlich nur noch Platzpatronen, Diktatoren und Rechtsradikale werden per Robotaxi auf Kreuzfahrtschiffe verbannt, die Banken müssen ohne Bargeld schließen, ein Großteíl digitaler und analoger Besitztitel lösen sich in Luft auf. Der hybride Krieg gegen das Volk mit Hilfe einer korrupten Justiz endet mangels Masse, Cloud und Tracking-App.

Sprachlich ist der Anakoluth (Zeilenbruch) Programm bei jedem Absatz und Kapitelanfang. Dazu ziemlich provokant-sinnlose Kurzbiographien für Opfer, Täter und Handelnde, die wie Profile von Überwachungsprogrammen wirken (sollen). Auch neben den Varianten von Satire, Sarkasmus, Lakonie und der eigenwilligen (hier jedoch durchaus sinnvollen!) Interpunktion fällt auf: eine Technik des Überspitzens, die sich etwa in der Charakteristik von Ben zeigt. Der spiritus rector der Gruppe wird beschrieben als jemand, der "aus zwei Metern und hundertzehn Kilo Fett, Muskeln und schlechter Laune" bestand. Die Entsorgung von Alten, Kranken und Schwachen als nicht-profitabel findet seine Entsprechung in diversen Methoden friedlicher bis gewalttätiger Entmietung, der Trennung von Mensch, Materie und Arbeit. Ganze Stadtteile wurden verkauft für "irgendwas. Ohne Menschen". Gern wird es auch wortschöpferisch: "codegesponserte Massenvereinsamung", "Massenablenkungswaffe Twitter" oder bei Unbotmäßigkeit "Entzug digitaler Vermögenswerte".

Sprache dient als Spiegel der Existenz: "Wenn Ben sich in Worten auflöste, hatte er kurzfristig das Gefühl, Zusammenhänge zu verstehen, die sonst in Codes zerlegt zu tausend Einzelproblemen wurden. Wenn er redete, dachte er, dass alles doch so klar und einfach sein müsse, wie Einsen und Nullen." Was natürlich bei Sibylle Berg auch das Schreiben einschließt. Sprache als Selbstvergewisserung oder die allmähliche Verfertigung des Gedankens beim Sprechen (so der große Rhetoriker Walter Jens). Thematisiert wird einfach alles, was stinkt, und das ist eine große Menge und erklärt auch, warum man sich in diesem dicken Roman niemals langweilt. Die realen sozialen Kasten des Geld- und Blutadels, die sozialen Medien, die Plattformen zur algorithmengetriebenen Bereicherung, das Schul- und Bildungswesen, Amazon und Spotify, die Medizin und ihre Bertelsmann-Stiftung mit Hunderten von Privatkliniken, die steuerbegünstigten Thinktanks zum Zweck politischer Manipulation, Ressentiments und natürlich Politik und, und, und... Es ist ein Wutanfall über 695 Seiten. Es ist ein Märchen für große Kinder, weil´s gut ausgeht und so ein schöner Traum ist.

Die Verzwergung von Wirtschaft und Politik, die schließliche Herrschaft der Mittelmäßigen und schlussendlich die Diktatur der Gartenzwerge durch diese manipulativen Netzerke von Kapital und Politik, das ist ja alles zum Wahnsinnigwerden. Es ist zum Verzweifeln, und da hilft nur so ein Märchen, das gut ausgeht. Es ist aber keine Utopie und keine richtige Dystopie, denn die ganze Geschichte ist so nah am Hier und Heute entlang erzählt, dass sie zu 95 Prozent eben auch stimmt. Fast alles ist nachprüfbar in einem Glossar und oft mit weiterführender Literatur belegt. Dabei kann man richtig was lernen.


Donnerstag, 6. Oktober 2022

Ein großer Wurf aus Georgien: Nino Haratischwilis Roman "Das mangelnde Licht"

Nino Haratischwili: "Das mangelnde Licht". Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 832 Seiten, 34 €

Wer keine Adjektive und keine Redundanzen mag, sollte keine Romane lesen, erst recht keine so dicken. Nino Haratischwili hat einen großen Roman geschrieben, keinen Haiku. Und um das gleich zu sagen: Es ist in meinen Augen eine Frechheit, ihn als "gescheitert" zu bezeichnen wie Beate Tröger von SWR2 oder Stefan Kister von der Stuttgarter Zeitung. Der hat zwar manchmal Recht wie bei seiner Lobeshymne auf den Roman "RCE - remote code execution" von Sibylle Berg. Aber manchmal schreibt er auch unfassbaren Blödsinn wie etwa wenn er meint, irgendwann werde ein Autor erwachsen und lasse  das "Poesiealbum der Lyrik" hinter sich, um einen Roman zu verfassen. Oder eben auch über Haratischwili und "Das mangelde Licht", den auch er als "gescheitert" bezeichnete. - Warum so viel Meta-Text als Vorrede? Weil ich behaupte, dass ein großer Roman auch Widerspruch auslöst. Ein Roman soll ja den Leser / die Leserin in sich hineinsaugen. Seine Bilder und Geschichten sollen in den Köpfen weiterleben. Und das tut er nicht nur, wie Unterhaltungsliterat Denis Scheck oberflächelnd kundtat, "weil er historische Hintergründe transportiert, psychologisch schlaue Einblicke gewährt und wirklich sehr süffig zu lesen ist...". Geschenkt. Das tut ein guter Roman sowieso. Doch es geht um sehr viel mehr.

Aber ich mag es dann doch etwas konkreter: Nino Haratischwili erzählt in diesem Roman die Geschichte von vier Frauen, die als Mädchen zusammenfinden. Als sich drei Überlebende 2019 zu einer großen Foto-Retrospektive der toten Vierten in Brüssel für einen Tag wieder treffen, hat sie das Leben fast 20 Jahre lang in alle Winde zerstreut. Die vier Frauen sind so unterschiedlich, wie es nur geht. Da ist die Ich-Erzählerin Keto, ein eher zurückhaltender Typ. Sie ist künstlerisch hoch begabt, traut sich aber keine eigene "Sprache" als Künstlerin zu. Sie wird eine gefragte Restauratorin. Die Rettung verblichener Fresken in mittelalterichen Klöstern und Kirchen zwischen Tbilissi, Istanbul und Kiew ist ihr Lebensunterhalt, aber auch Zuflucht und Ruhepol in sonst unruhigen Zeiten. Irgendwann hat sie angefangen, sich zu ritzen, bis ihre Oberschenkel nur noch aus Narben bestehen. Niemand darf Keto daher nackt sehen, auch nicht beim Sex. Umso intimer das Bild ihrer Freundin Dina, der sie sich eines Tages offenbart. Das ist mehr als intim, das ist schon exhibitionistisch, wenn dann das Foto in Brüssel an der Wand hängt. 

Zunächst seltsam dünnhäutig, ist Keto hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht, ihre Lebensfreundinnen wieder zu sehen, und der Angst davor, was die Fotos auslösen könnten - oder die unvermeidlichen Gespräche über die traumatische Vergangenheit. Das sind nicht bloß "schlaue psychologische Einblicke". Ich vermute, solche Szenen sind ohne deutliche Spuren eigenen Erlebens nicht möglich. Hier, und nicht nur hier, offenbart die Autorin eine Dimension seelischer Verletzungen, die man wohl selbst erlebt haben muss, um so darüber schreiben zu können. Dass nach 20 Jahren Versöhnung zwischen den drei Überlebenden möglich sein soll, die sich so unversöhnlich getrennt haben, wirkt wie ein Märchen zwischen Hoffnung, Wutanfall und Psychoanalyse. Es ist schon ein Wunder der Freundschaft, dass alle drei nach Brüssel kommen und der Begegnung nicht ausweichen, die zu einer Retrospektive ihres Lebens wird.

Dann ist da die draufgängerische Dina, die andere immer mitreißt. Sie schläft mit einem Banditen, dem Bruder einer ihrer Freundinnen, der ihren Geliebten durch eine Intrige ins Gefängnis gebracht hat, um ihren Geliebten freizubekommen. Sowohl ihr Geliebter als auch dessen Erzfeind verachten sie dafür. Daraufhin wendet sie sich ganz ihren Bildern zu, wird Fotografin und dokumentiert in Abchasien und Tbilissi Krieg und Bürgerkrieg als Reporterin. Scheinbar unberührbar steht sie über allem, was sie erlebt, und wird doch schließlich das einzige Todesopfer in dieser Clique. Irgendwann, man ahnt es die meiste Zeit, ist die "Coole" dem nicht mehr gewachsen, was sie an Horror und Leid erleben muss, und erhängt sich.

Ira, Musterschülerin und Stanford-Juristin, ist bestens vernetzt und lässt nach ihrer Rückkehr als Staatsanwältin die ganze korrupte und kriminelle Herrschaft der Clans, Banditen und Milizen in Tblilissi hochgehen. Da die Brüder ihrer Freundinnen in führenden Positionen an diesem System beteiligt sind, gilt sie als Verräterin der Familienehre, nachdem der Fall publik geworden ist: Sie hat die Wohnung eines der Drogenbosses hinter dem Rücken ihrer Freudinnen verwanzen lassen und so das entscheidende Beweismaterial für Medien und Politiker erhalten. Ihre hoffnungslose lesbische Liebe zu Nene treibt sie als Studentin in die USA und später immer wieder in oberflächliche Affären. Dass die griechisch-orthodoxen Popen von Tbilissi noch vor wenigen Jahren eine Gay-Parade zum Anlass nahmen, um ein regelrechtes Progrom gegen Schwule und Lesben zu organisieren, zeigt das tatsächliche Risiko sexueller Selbstbestimmung in Georgien. Also: ein Buch über Männer und Frauen, aber echt auf die Spitze getrieben.

Nene, die vierte im Bunde, ist ein romantisches kaukasisches Vollweib: sexy, frivol, witzig, immer Mittelpunkt der Gesellschaft, mit Luxusklamotten und Kosmetik stets auf ihr Äußeres bedacht und "Handelsobjekt" ihres kriminellen Onkels, der sie mit Geschäftspartnern aus Russland verheiratet. Ihr Bruder ist der brutale Drogenhändler, dessen verwanzte Wohnung das System implodieren lässt. Ihr Kind kostet den nicht standesgemäßen Liebhaber das Leben und bringt Nene zwei Mal eine Zwangsheirat mit Mafiabossen ein. Doch obwohl sie im goldenen Käfig lebt, sich nie frei entfalten kann und immer unter Beobachtung steht, kann sie Iras Liebe nur verurteilen und rechtferigt sogar noch ihre Unterwerfung unter die kriminelle Männerwelt. Sie ist das herausragende Beispiel für Frauen, die in archaischen Rollenbildern feststecken und sich damit das Leben letztlich selbst zur Hölle machen. So etwas ist im arabischen Raum, in vielen religiös geprägten Ländern und eben auch im Kaukasus noch weit verbreitet: eine permanente Quelle reaktionärer "Erneuerung" frauenfeindlicher Zustände. Frauen wie Nene verteidigen selbst die kriminellen Männer und Vergewaltiger in ihren Familien bzw. Clans mit Zähnen und Klauen: eine georgische Art kollektives Stokholm-Syndrom nennt Ira dieses Verhalten einmal treffend. Dass sie den Freundinnen nichts von ihrer Arbeit als ermittelnde Staatsanwältin erzählt, ist daher auch reiner Selbstschutz.

Keiner der Charaktere in diesem Buch ist nur gut oder nur böse. Jeder und jede hat Stärken und Schwächen, es gibt kein Schwarzweiß. Das macht einen nicht geringen Teil des Umfangs aus, ist aber auch maßgeblich für die Menschlichkeit des Buches und für die Glaubwürdigkeit des Versuches, den Menschen gerecht zu werden. Dazu gehört auch das Wissen, dass sich alle im Lauf der Jahre verändern. Und doch teilen diese vier Freundinnen das Geheimnis, dass nach 20 Jahren fast alles ist wie früher, bis auf das Wissen um die Wunden, die man sich geschlagen hat. Man kennt sich nur allzu gut. Eine Frucht des Älterwerdens ist gewiss die Vorsicht, die bei der Balance zwischen Ehrlichkeit und Wahrheitsbedürfnis herrscht. Man reißt keine Narben auf, doch keine versucht, etwas unter den Teppich zu kehren. Ach, hätten die Deutschen ihre Vergangenheit mit den Diktaturen der Nazis und der SED so bewältigt! Sicher, die Zeit hilft, viele Wunden zu heilen. Aber wenn die Zeit der Sprachlosigkeit zu lang wird und das Schweigen andauert, verfälscht es Erinnerung. Lügen werden mit ins Grab genommen. Man hat als Leser nach 832 Seiten den Eindruck, dass hier nichts dergleichen passiert ist.

 

Galerie der Erinnerungen

Der erste Teil des Romans heißt "Wir" und erzählt viel von der wunderbaren alten Stadt Tbilissi und ihren Bewohnern. Erinnerungen an das Leben in einem traditionellen Hofhaus in der historischen Altstadt mit enger Nachbarschaft wechseln sich mit Bildern der Ausstellung in Brüssel ab, die in einem strengen Schwarz-Weiß das Leben der Mädchengang in den Mittelpunkt stellt. Sie sind chronologisch geordnet und lösen schöne oder schmerzliche Erinnerungen aus. Es ist eines der Verdienste des Buches, dass diese nicht nur benannt, sondern wirklich erzählt werden. Dadurch kriechen die Bilder in den Kopf des Lesers, wo sie sehr bald ein intensives Eigenleben führen. Das Buch macht greifbar - gerade durch die Unterschiedlichkeit der vier Freundinnen und ihrer Familien - was Zeiten großer Umbrüche ganz konkret für die einzelnen Menschen bedeuten. 

Teil zwei heißt "Die Hundejahre" und verhandelt die Liebe in Tbilissi, die Geschichte der Clans, die archaischen Traditionen, den Mangel und Warteschlangen. Teil drei heißt "Heroin" und erzählt, wie Nenes Bruder das bis dahin unbekannte Rauschgift nach Georgien importiert und eine steile Unterweltkarriere macht, der auch sein eigener und Ketos Bruder zum Opfer fallen. Von alten und neuen Harrschaften erzählt dieser Teil drei, von Festen und Verrat in diesem Teufelskreis Georgien, in einem Land mit 3,5 Millionen Einwohnern, das es heute so nicht mehr gibt.

Teil vier heißt "Gott deiner selbst", und da geht es darum, auf den eigenen Beinen zu stehen, um die Selbstermächtigung, sich selbst treu zu bleiben auf der Suche nach dem persönlichen Glück und einer gefestigten Persönlichkeit. "Das mangelnde Licht" ist hier weniger ein Bezug auf den dunklen Park in Brüssel, wo das Trio nach der Vernissage mit Google Maps ein illegales Bad in der heißen Sommernacht ansteuert. Das titelgebende Bild meint viel mehr die Mühen und Schmerzen der Erinnerung: "Ich habe Lücken, wie schwarze Löcher im Hirn". Es enthält finale Lebensbeichten der Freundinnen am Rand des Bassins, Fragen an das Leben, an die Geschichte. Doch nicht um Antworten geht es, sondern darum, all diese Zumutungen als Geschenk einer Freundschaft anzunehmen, die allen Stürmen trotzt.

Der Roman ist ein großes Buch über die Liebe, die zur Überraschung der Protagonistinnen nicht nur beim ersten Mal weh gut, sondern jedes Mal wieder, immer. Die Sprache der Autorin bewegt sich zwischen zupackendem Realismus und purer Poesie: "Keto, wie kann es sein, dass das Herz, einmal herausgeschnitten, wieder nachwächst? - Keto, wie kann es sein, dass man sich selbst nicht beherrschen, aber jemand anderen über sich herrschen lassen kann? - Keto, wie kann es sein, dass ich in Zotnes Nähe aus Versehen glücklich wurde, während ich das Glück an Ratis Seite der Welt so mühevoll abtrotzen musste? - Keto, wie kann es sein, dass der Mensch im Laufe seines Lebens nicht gegen Leid immun wird, aber gegen die Liebe?" Fragen, die das Buch vermutlich anstelle der toten Dina stellt. Kitsch? - Nur für einen ziemlich abgebrühten Zyniker.

Zu den Stürmen, denen die Freundschaft trotzt, gehören die erste große Liebe, die wegen der "Familienehre" nur heimlich ausgelebt werden darf, die wachsende Gewalt vor allem unter den Männern der Clans, die zunehmende Spaltung der ganzen Gesellschaft in einer noch jungen, nicht gefestigten Demokratie (mit all dem dazu gehörenden Nationalismus, den man auch heute noch in der Ukraine beobachten kann), die Demonstrationen und Straßenkämpfe, die Brutalität einer russischen Armee, die jeden Separatismus gnadenlos für die eigenen Interessen nutzt, der Streit in den Familien (köstlich: die radikalisierten Großmütter der Erzählerin Keto) die Stromausfälle, das Frieren und Hungern im Winter und bei den explodierenden Preisen. Der Preis des Überlebens besteht in Form von Mittäterschaft durch Schweigen oder kleine Gegenleistungen aus dem Obst- oder Gemüsegarten. Das alles können wir heute in Deutschland wieder aktuell nachempfinden, selbst wenn man zu jung ist, um es schon selbst erlebt zu haben. Das ist ein weiteres großes Verdienst dieses Romans, der eben viel mehr als "historische Hintergründe transportiert": Er macht sie erst lebendig, fühlbar und spürbar. - Dieses Buch ist ein großer Wurf.

 

Montag, 26. September 2022

Die Degerlocher Kantorei Heinrich Schütz zum 350. Todestag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Am 24. September gab die Degerlocher Kantorei In der stimmungsvollen Versöhnungskirche von Stuttgart ein Motettenkonzert zum Gedenken an den bedeutendsten deutschen Musiker des Frühbarock. Heinrich Schütz wurde 1585 im sächsischen Köstritz geboren, wo bis heute ein gutes Bier gebraut wird. Der zweite Sohn eines kinderreichen Gastwirtes kam in den Genuss eines dreijährigen Stipendiums in Venedig, als Landgraf Moritz von Hessen-Kassel das musikalische Talent des Jungen erkannte. Er war Schüler von Giovanni Gabrieli, dem Organisten und Chorleiter des Doms von San Marco. 1611 veröffentlichte Schütz sein "Primo libro di madrigali", das die vielstimmige, teils mehrchörige Chormusik Venedigs erstmals nach Deutschland brachte. 

Nach seiner Heimkehr wurde Schütz bald sächsischer Hofkapellmeister in Dresden. Sein ganzes Leben und Schaffen stand im Schatten und unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges. Seine geistliche Musik hat Johann Sebastian Bach ebenso beeinflusst wie noch zeitgenössische Komponisten, etwa Vytautas Miškinis aus Vilnius in Litauen. Dessen Werk "Cantate Domino canticum novum" I und II aus der Reihe "Thoughts of Psalms" bildete den Anfang und das Ende eines Motettenreigens von Schütz entlang dem Kirchenjahr, den die Chorleiterin Barbara Straub sehr sachkundig und liebevoll zusammengestellt hatte. Die Degerlocher Versöhnungskirche hat eine ausgezeichnete Akustik und bietet dem Publikum ein nüchternes und für kluge Lichtregie dankbares Ambiente, in dem man sich gut auf die Musik konzentrieren kann. 

Bernhard Moosbauer (Barockvioline), Hélene Godefroy (Barockcello) sorgten für passende Zwischenmusik, Klaus Schulten an der Orgel für dezente Begleitung. Der Chor selbst ist für sichere Intonation, Stilgefühl und feinnervige Interpretation alter und klassischer Kirchenmusik schon mehr als hinlänglich bekannt. Es ist ein Jammer, dass solche Aufführungen nicht mehr Menschen erreichen, denn die Versöhnungskirche ist klein und geradezu intim. Aber ich könnte mir eine Aufzeichnung für Youtube gut vorstellen - und in der Folge auch Einladungen in andere Kirchen, etwa zu Festivals wie dem Musikfest Stuttgart. Fast alle Sängerinnen und Sänger sind reine Amateure und haben nicht die Zeit für eine umfangreiche Konzerttätigkeit. Doch das Niveau ist allemal beachtlich.


Das SWR-Sinfonieorchester Stuttgart tanzt

 

Am 23. September hatte das SWR-Sinfonieorchester seine Abonnenten (gilt für alle Geschlechter) zu einem "Dankeschön-Konzert" in den Hegelsaal der Liederhalle eingeladen - exklusiv für erwiesene Treue auch im dritten Jahr der Pandemie. Unter dem Motto "L´Idée de la danse" hatte Dirigent Jean-Christophe Spinosi ein Bouquet sinfonischer Tänze zusammengestellt, das dem Abend etwas von der Leichtigkeit und Beschwingtheit wiedergeben sollte, die im Zeichen von Corona, Krieg in der Ukraine und Klimakrise für viele Menschen abhanden gekommen ist. Auszüge aus der Wassermusik von Georg Friedrich Händel, die Ouvertüre zur Oper "Der Barbier von Sevilla" von Gioacchino Rossini, ein Walzer aus der Symphonie fantastique von Hector Berlioz, die "Ungarische Polka" op. 332 von Johann Strauß Sohn, die romantische Barcarole aus der Oper "Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach und der 4. Satz (Saltarello) aus der Sinfonie Nr. 4 A-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy verbanden sich zu einem bunten musikalischen Familienfest. 

Launig und charmant führte Jasmin Bachmann als Moderatorin durch den Abend. Das Publikum hat´s dankbar genossen: Ohne Schutzmasken im vollen Saal war das hoffentlich kein Tanz auf dem Vulkan. Nach dem "Böhmischen Tanz" aus der Oper "Carmen" von Georges Bizet mischten sich sogar einzelne Bravo-Rufe in den rauschenden Beifall.