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Sonntag, 3. Januar 2021

Corona verzerrt den Wettbewerb in der Kultur

Was als "Künstlersoforthilfe" begann, ist inwischen zur massiven Wettberwerbsverzerrung mutiert. Nicht nur haben staatliche Unterstützungsprogramme (auch die für "Soloselbständige) viele Künstler nie erreicht bzw. direkt von der Freiberuflichkeit auf Hartz IV gesetzt; auch die vielen Künstler mit kurzfristigen Engagements und Werkverträgen (Schauspieler, Sänger, freie Autorinnen und Autoren beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk Horch und Guck etc.) wurden gedankenlos in Armut gestürzt. Gewollt hat das niemand, aber auch nicht korrigiert. Auch unter den gänzlich freien Hobbyliteraten und Hobbymusikerinnen, die sich, teils seit Jahrzehnten, neben ihrem miesen Job als Kindergärtnerin, Taxifahrer, Kellner usw. Selbstachtung, Respekt soziale Anerkennung und teilweise einen ordentlichen Nebenverdienst erwerben konnten, stehen die allermeisten auf Nulldiät. Seit März 2020. Und das Problem ist eben nicht vorbei, wenn der Lockdown zu Ende geht.

Was das Finanzamt mit solchen Postcorona-Nischenexistenzen macht, ist noch nicht raus. Ich befürchte aber, amtliche Anerkennung oder gar Hilfe ist nicht zu erwarten, am allerwenigsten für Dichterinnen und Dichter. Literatur gibt uns allen emotional und intellektuell etwas, da geht es nicht nur um Geld. Und doch sehe ich mit Trauer, wie die "üblichen Verdächtigen", d.h. die erfolgreichen MainstreamerkollegInnen und Bestsellerproduzenten, schon wieder die Präsenz in der Presse und den Veranstaltungskalendern des neuen Jahres, generell in allen bezahlten Bereichen übernehmen: gesponserte Youtube-Lesungen, auch in Veranstaltungsprogrammen wie "Neustart Kultur". Jetzt halt als Monopolisten. Wenn wir da nicht sehr bald zu Gunsten der Kleinen nachsteuern, auch bei der Lobbyarbeit, hören viele auf. Dann wird´s nicht nur still, sondern auch gähnend langweilig im Land der Dichter und Denker. 

Ich beispielsweise konnte Ende 2019 gerade noch einen Lyrikband veröffentlichen, doch 2020 wurden alle Lesungen abgesagt, und 2021 gibt es noch keine Planungen. Veranstaltungen sind schon seit vielen Jahren das Rettungsboot für Lyriker. Doch wer traut sich jetzt, ein Dichtertreffen mit bezahlten Lesungen zu organisieren, zu dem (vielleicht bis auf berechtigte Ausnahmen) nicht nur Prominente, sondern mehrheitlich Unbekannte eingeladen werden? Für die Presse, die ja sonst keine Lyrik mehr wahrnimmt, könnte das ebenfalls eine Ausnahme bedeuten, für die Autoren und Autorinnen eine Chance. 

Für den stationären Buchhandel zählt auch nur noch der Mainstream, und das wird vermutlich noch schlimmer werden. Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Der Pop Verlag hat kein Geld, um reisende Vertreter zu bezahlen. Also habe ich das bei den wichtigsten 5 Geschäften in meiner unmittelbaren Umgebung selbst übernommen (Lyriker haben ja sonst nichts zu tun). Beim frisch fusionierte Buchhaus Wittwer-Thalia, der größten der Stadt, hat ein Praktikant während des ersten Lockdowns vom Tisch der mehrfach informierten Chefeinkäuferin aus Versehen "entsorgt", wie sie mir nach etlichen telefonischen Nachfragen unter tausend Entschuldigungen gestand. Ich brachte ihr das Buch zum zweiten Mal persönlich und auf meine Kosten zur Ansicht, und sie beteuerte, sich bald melden zu wollen. Das war im August 2020. Gehört habe ich seither nichts mehr von ihr.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung - auch auf die Solidarität jener Kolleginnen und Kollegen, denen ich in einem früheren Leben Aufträge und viel öffentliche Aufmerksamkeit verschafft habe. Wer wird mich einladen oder mein Buch empfehlen? Ein Lichtblick immerhin: mit gut einem Jahr Verspätung ist die erste richtige Rezension über mein Buch erschienen, allerdings beim Pop Verlag, wo auch mein Buch herauskam - in der Kulturzeitschrift BAWÜLON Heft Nr. 4/2020. Ein Literaturportal in Österreich hat sie bereits in der Facebook-Gruppe https://www.facebook.com/groups/1518173745088870/ verlinkt und mir einen Kommentar eingeräumt. Doch das alles geschieht in Nischen weitab des Mainstreams.

Donnerstag, 26. November 2020

Der Umgang mit Kunst und Kultur ist respektlos und demütigend!

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatstheater, die jetzt bis Januar schließen müssen: Lasst den Kopf nicht hängen! Ich danke Euch sehr fürs bisherige Durchhalten, für all die kreativen Ideen und Extra-Bemühungen, die wunderbaren Produktionen. Eine Politik, die sich nur nach statistischen Algorythmen richtet, opfert Sport und Gastronomie den Kitas und die Kultur den Schulen. 

Diese Heilige Kuh wird zudem unprofessionell, stur und ohne Phantasie und Kreativität gemanagt. Das macht mich wütend, weil man jetzt sehen kann: All diese faulen Kompromisse funktionieren nicht. Die Chance, winterliches Stoßlüften durch Raumluftfilter zu ersetzen, wurde ignorant und arrogant verschlafen. Kinder müssen Masken tragen und in der Schule möglichst Abstand halten, werden aber auf dem Schulweg in überfüllte Busse und Bahnen geschickt und dürfen oft ihre Freunde nicht sehen. Die Bundesregierung gibt 5 Milliarden für Laptops, aber es gibt kein einheitliches Lehrprogramm, viele Schulen haben immer noch kein WLAN und viele Lehrer können mit den Geräten nicht umgehen - falls die denn überhaupt geliefert wurden. Niemand traut den Lehrern zu, den Unterricht kompetent coronagemäß zu organisieren, dabei kennen sie die Verhältnisse vor Ort am besten. Ganz im Gegenteil: Man verbietet es ihnen oder lässt sie bei der Technik hängen! Und dafür nimmt man immense psychische und emotionale Kollateralschäden in Kauf. 

Die Kultur bleibt ein Jahr ohne Publikum, ohne reguläre Einnahmen, ohne echte Wertschätzung und Respekt. Denn was ist respektvoll an den Almosen, die weder zum Leben noch zum Sterben reichen und fürs Nichtstun ausgezahlt werden, wenn jeder Daimler-Monteur und jede Bürokauffrau in Kurzarbeit mehr bekommt? Was ist respektvoll an der Einstufung als "nicht systemrelevant" und der Gleichsetzung mit "Spaß"? Es ist eine einzige bittere Demütigung für Künstler, die ihre Arbeit mit heiligem Ernst machen! Und sie ist doppelt kränkend, wenn gleichzeitig Geschäfte und Marktbuden, Friseursalons und Nagelstudios offen bleiben. Es ist ungerecht, so ein Sonderopfer für so lange Zeit nur von einer Branche zu verlangen, die dabei kaputt geht oder irreversiblen Schaden nimmt, psychisch und finanziell. 

Ganz zu schweigen von den Schäden, die der ausbleibende Trost der Menschen durch Live-Begegnungen mit Musik, Tanz, Theater, Literatur und Kunst hinterlässt, die fehlenden Anregungen aus den Gesprächen und Diskussionen hinterher. Richtig, Kunst und Kultur sind Orte der Begegnung. Aber das sind Schulen auch, nur dass sich im Konzerten oder im Theater bisher keine nachweisbaren Infektionen ereignet haben. Politiker sollten das nicht vergessen im "Land der Dichter und Denker"!

Dienstag, 24. November 2020

CDU-Korruption bei Luftfiltersystemen?

In der "Stuttgarter Zeitung" lese ich, warum es 6 Monate gedauert hat, bis es in Baden-Württemberg offizielle Stellungnahmen oder auch nur Informationen in der Tagespresse über Raumluftfilter gab: Parteifreunde und ministeriale Netzwerker von Susanne Eisenmann (CDU) haben den Mantel des Schweigens (und teils auch der Desinformation) über eine Entwicklung gebreitet, deren Prototyp offenbar einen Vorteil bei der Markteinführung haben sollte. Dabei wurden zwei Hersteller bereits existierender Luftfiltersysteme aus der Region geflissentlich übergangen, die längst in Serie Geräte produzieren, die wohl mindestens so gut und außerdem preiswerter sind als die "Karlsruher Sensation". So läuft das hier, sogar in Pandemiezeiten! Der Redakteur Andreas Pflüger hat vorbildlich recherchiert, was wirklich gelaufen ist und warum einige Unternehmer jetzt ziemlich sauer auf die Ministerin sind, die schon drei Mal von ihnen eingeladen wurde und die bis heute nicht einmal auf die Einladungen geantwortet hat. Dafür haben aber nun die CDU-Politiker Andreas Deuschle, Tim Hauser und Michael Brucker eine Pressemitteilung verschickt, in der sie erklären, die Anschaffung des Aerobuster des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sei "für die Schulen in der Region ein absolutes Muss". Dazu kommt der Hinweis, das Kulturministerium von Eisenmann stelle 40 Millionen Euo für coronabedingte Ausgaben der Schulen zur Verfügung. Doch: Wieso soll es Geld nur nur für Schulen geben, warum nicht auch für Clubs, kleinere Theater, Kabaretts, Musiksäle? Die sollen wohl selber sehen, wo sie bleiben. Leider weiß aber bisher auch kein Schulleiter, wie er an Geld aus diesem Topf herankommen könnte. Tja, da dachte Frau Eisenmann wohl, dafür sei noch reichlich Zeit. Immerhin härtet Stoßlüften bei Minustemperaturen bekanntlich ab. Hier Pflügers Bericht:
 
https://www.stuttgarter-zeitung.de

Luftreiniger aus dem Kreis Esslingen: Das Licht, das Viren tötet
Von Andreas Pflüger 19. November 2020 - 16:08 Uhr
Eine „Erfindung“ aus Karlsruhe ist dieser Tage groß gefeiert worden: ein Gerät, das mittels UVC-Licht Viren abtötet. Dabei werden in Nürtingen und in Owen solche Luftreiniger längst produziert.

Die einen verbauen Ventilatoren in Fenster und Klimaanlagen, andere stellen Luftreiniger mit Filtereinsatz auf, wieder andere öffnen die Fenster sperrangelweit – und sitzen in der Kälte. Um Coronaviren abzutöten, die sich ja offenkundig über Aerosole verbreiten, gibt es unterschiedliche, mehr oder weniger taugliche Methoden. Kürzlich gab das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bekannt, mit dem Aerobuster eine „Erfindung“ gemacht zu haben, die durch Hitze und UVC-Licht 99,8 Prozent der Viren deaktiviere. Nun will man rund 100 Prototypen der mobilen Anlage in Stehlampen-Form fertigen und einen Partner in der Industrie suchen. Jedoch stellen zwei Firmen aus dem Kreis Esslingen solche Geräte – mit mindestens dem gleichen Wirkungsgrad – bereits in Serie her.

Den Steritube von IST Metz aus Nürtingen gibt es schon lange und der Airtube, der bei LED24-7 in Owen produziert wird, ist unter dem Label UVC Clean ebenfalls seit Monaten auf dem Markt. Das technische Prinzip der Apparate ist ähnlich: Die belastete Luft wird fortlaufend angesaugt und in einem Metall­zylinder mit UVC-Licht bestrahlt, das die DNA der Viren zerstört. Die gereinigte Luft wird dann, ebenso regelmäßig, in den Raum zurückgeblasen. Die wartungsfreien Systeme arbeiten zuverlässig, wie Studien belegen.

Georg Rössler, der Geschäftsführer von UVC Clean, wunderte sich deshalb auch über die Nachricht aus dem Badischen: „Aus meiner Sicht ist das ein schöner Nachbau. Wir haben 450 unserer Airtubes in unterschiedlichen Formen und Größen allerdings längst im Einsatz.“ Noch mehr erstaunt war Rössler über die vom KIT verkündeten Materialkosten von 50 Euro: „Das ist für mich fern jeder Realität.“ Allein eine Qualitätslampe, wie UVC Clean sie verwende, schlage mit 100 Euro zu Buche, ergänzt er. Nach Auskunft des KIT kostet deren Leuchte nur zwölf Euro.

Andreas Bosse, der bei IST Metz die Bereiche Marketing und Kommunikation verantwortet, ist angesichts von Billig­angeboten ebenfalls skeptisch: „Es kommt darauf an, ob man etwas fürs gute Gefühl haben will oder ein Gerät, das wirklich funktioniert und etwas nützt.“ Der Geschäftsführer Christian Metz setzt deshalb auf die langjährige Erfahrung seines Unternehmens und der Tochterfirmen: „Mit der Entkeimung durch UVC beschäftigen wir uns schon ewig, etwa bei der Trinkwasseraufbereitung, unter anderem in Metropolen wie Paris und San Francisco.“ Für IST Metz sei deshalb auch die Luftdesinfektion kein Problem, zumal sich Viren leichter unschädlich machen ließen als Bakterien oder Pilze, fügt der Chef von gut 600 Beschäftigten hinzu.

Wie eine solche „individuelle Lösung“ aussehen soll, die vom Besprechungszimmer bis zur Messehalle reichen kann, dürfte sich schon in Kürze zeigen. Das Inselbad in Nürtingen-Zizishausen soll die erste öffentliche Covid-Free-Air-Einrichtung im weiten Umkreis werden.

„Für uns ist das ein Pilotprojekt und wir sind froh, dass gerade an unserem Stammsitz ein Oberbürgermeister und der Geschäftsführer eines kommunalen Betriebs schnell erkannt haben, wie wichtig es ist, gerade in solchen Zeiten, einen sozialen Treffpunkt so sicher wie möglich zu machen“, lobt Andreas Bosse. Im Inselbad würden mobile Steritubes jedoch weniger benötigt. Hier kämen die Pipes direkt in die Lüftungsanlage. „Unser Maßstab ist es jedenfalls, in der Halle Außenluftqualität zu bieten“, sagt Christian Metz.

So gut man bei IST Metz auf das schnelle Handeln der Stadt zu sprechen ist, so wenig Verständnis gibt es für die zögerliche Haltung der großen Politik: „Wir sind mit vielen Institutionen und Bildungseinrichtungen im Austausch und haben auch mit unterschiedlichen Parteivertretern gesprochen“, betont der Geschäftsführer. „Es gibt aber scheinbar keine bis wenig staatliche Förderung, die gezielt diesen Bedarf abdecken könnte.“ Georg Rössler macht seinem Ärger weit weniger diplomatisch Luft: „Wir haben Frau Eisenmann drei Mal zu uns eingeladen, damit sie sich die Produkte von UVC Clean anschaut, haben aber bis heute keine Antwort bekommen.“ Und jetzt springe die hiesige CDU urplötzlich auf die Filter aus Karlsruhe an und erkläre diese zur Ultima Ratio. Rösslers Groll wurde ausgelöst durch eine Presseerklärung der Esslinger Christdemokraten Andreas Deusch­le und Tim Hauser sowie des Ostfilderner CDU-Chefs Michael Brucker. Das Trio bezeichnet „die Anschaffung des in Baden-Württemberg entwickelten Aero­busters für die Schulen in der Region als absolutes Muss, sobald der Filter auf dem Markt ist“. Deuschle verweist zudem darauf, dass das Kultusministerium den Schulen 40 Millionen Euro für corona­bedingte Ausgaben zur Verfügung stelle.

Davon hat Georg Rössler zwar auch gehört. Seine Nachfrage bei den Schulen habe jedoch ergeben, dass noch kein Rektor wisse, wie an dieses Geld ranzukommen sei. Und was der UVC-Clean-Geschäftsführer noch weniger versteht: „Da wird auf eine Option gesetzt, die noch gar nicht verfügbar ist und von der am Ende keiner weiß, was sie kostet.“ Mindestens gleichwertige Alternativen gebe es bereits, mit denen selbst eine steigende Nachfrage rasch bedient werden könne. Da ist Rössler froh, dass der freie Markt funktioniert: „Wir statten mit unseren verschiedenen Airtubes unter anderem gerade den Club Schräglage in Stuttgart aus und zwar so, dass eine vollständige Luftreinigung nachweislich gewährleistet ist.“

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Montag, 16. November 2020

Aus meinem Bücherregal: "Mortal Engines" von Philip Reeves

 

- Krieg der Städte (333 Seiten, 12 €)

- Jagd durchs Eis (360 Seiten, 12 €)

- Der Grüne Sturm (381 Seiten, 12 €)

- Die verlorene Stadt (574 Seiten, 14 €)

Irgendwann in einem Jahrtausend nach unserer Zeitrechnung hat der britische Autor und Illustrator diesen opulenten Vierteiler von SF-Romanen angesiedelt, deren flotte deutsche Übersetzungen von Nadine Püschel und Gesine Schröder bei Tor im S. Fischer Verlag erschienen sind. Teil I beginnt lapidar mit dem Satz: "Es war ein dunkler, böiger Nachmittag im Frühling, und im ausgetrockneten Bett der Nordsee eröffnete London die Jagd auf eine kleine Schürferstadt." Rein sprachlich steht diese Dystopie mit sachlichen Beschreibungen und sarkastisch.knappen Dialogen in der besten Tradition britischer Thriller. Schon Wetter und Landschaftsbilder rufen eine Stimmung hervor, die uns an den warmen Ofen ins warme Licht einer Leselampe auf den gemütlichen Lesesessel zieht. Grusel-Zeit im Corona-Herbst.

Nach dem 60-Minuten-Krieg, einem verheerenden Schlagabtausch mit satellitengesteuerten Atomwaffen und Designerviren, den nicht einmal die historischen Bücher und Medienarchive das Wissen aus den Zeiten davor überlebten, haben sich die Städte mit gigantischen Motoren und auf überdiemensionalen Raupenketten in Bewegung gesetzt: In etwa wie Disneyland-formatige Nachbauten der Originale mit symbolträchtigen Gebäuden auf fünf bis neun Decks, die sich aus statischen Gründen nach oben verjüngen, machen diese Gebilde Jagd aufeinander. Denn eine Volks- oder Betriebswirtschaft im heutigen Sinne gibt es nicht mehr, keine sichere Ernährung durch eine geregelte Industrie, Landwirtschaft, Tierzucht und Fischerei. Denn landwirtschaftliche Siedlungen sind statisch, weil Pflanzen und Tiere Land benötigen und sich niemals im großen Stil mobil organisieren lassen. Alle einst funktionierenden Ökosysteme sind beim Teufel, die Menschen leben von Raub, Plünderung, Abfallverwertung (auf höchstem Niveau!), Piraterie, Spionage und Kopfgeldjagd bzw. Sklaverei, Schmuggel und eine seltsame Untergrundwirtschaft. 

Das ist das System des "Städtedarwinismus", seit Jahrhunderten etabliert: Fressen und gefressen werden, eine Subsistenzwirtschaft mit Beute auf der Basis permanenter Kriege. So will es die "Liga", ein loser Verbund mobiler Städte ehemaliger Industriestaaten, der sich zum Schutz gegen die asiatischen, fanatisch islamistischen Truppen des "grünen Sturms" gebildet hat. Der entstand - ebenfalls vor Jahrhunderten - als Schutzmacht großer landwirtschaftlicher Siedlungen und Produktionsgenossenschaften auf dem eurasischen Festland. So heißt einer der großen, ideologisch überhöhten Gegensätze in Philip Reeve´s Universum Mobil gegen Stationär, ökologisches Leben gegen mechanisches, Freiheit gegen Tradition. Kommt Ihnen seltsam bekannt vor? - Richtig, das ist die Absicht des Autors.

Ähnlich wie bei Karl May Araber und Kurden, Indianer oder Banden weißer Gesetzloser leben die Menschen in Stammes- und Clanverbänden in permanenten Kleinkriegen um Ressourcen. Natürlich gibt es Cognayc und Whisky, Dosenfraß und Feinkostläden, Edelboutiquen sowie Waffen, Munition, Diesel, Benzin, Elektrizität, aber das kostet Unmengen. Es gibt Geld, es gibt Handwerk und Mechanik, aber alles nur auf einem vor-digitalen und vor-atomaren Niveau. Vereinzelt haben geniale Erfinder Funde aus den alten Zeiten wieder nutzbar gemacht und in den Dienst autoritärer Oberbürgermeister an der Spitze historischer Gilden gestellt. Am Tag der Jagd auf die kleine Stadt, die am Küstensaum nach Salz schürfte, lernen die Leser drei Hauptpersonen kennen: Tom, Historikerlehrling dritter Klasse, Londons Chefhistoriker Valentine, ein ebenso charmanter wie rücksichtsloser Machtmensch, und die junge Hester mit einem von Brandnarben entstellten Gesicht, die versucht, sich mit einem Messer für den Mord an ihrer Mutter an Valentine zu rächen. Und sie lernen ein gnadenloses Klassensystem kennen, das in London herrscht.

Denn Valentine ist nicht nur der berühmteste Archäologe und oberste Historiker der Stadt, er ist es auch deshalb, weil er seine bedeutendsten "Old-Tech Funde" aus prähistorischer Zeit als "Plunderer" erbeutet und dabei eine ganze Familie ausgelöscht hat - die Familie von Hester mit dem verbrannten Gesicht. Die hat sich fangen lassen, um an Valentine heran zu kommen. Tom, der die Zusammenhänge nicht ahnt, wird zufällig Zeuge des Attentats, rettet Valentines Leben und wird von diesem Halunken gleich mit in den Abfallschacht geworfen, den Hester zur Flucht benutzt hat. Im "Draußen", im Roman gleichbedeutend mit Hunger, Dreck und Gefahr, kann angeblich niemand überleben. Doch Hester hat genau das gelernt, und damit beginnt eine ungewöhnliche symbiotische Beziehung. Sie überleben, indem sie trotz anfänglicher Aversionen zusammenhalten und ihre Vorurteile überwinden. Dialogprobe:

"Er hat dich runtergeworfen, oder? Bloß weil du mit mir gesprochen hast." 

"Das ist gelogen!" sagte Tom wieder.

"Ach ja?", fragte Hester. ... Dann wandte sie sich ab und marschierte weiter.

Tom beeilte sich, sie einzuholen. "Ich komme mit! Ich muss auch wieder nach London! Ich kann dir helfen!"

"Du?" Hester lachte heiser und spuckte vor seinen Füßen aus. Ich dachte, du bist Valentine treu ergeben. Und jetzt willst du mir helfen, ihn umzubringen?"

Das kann ja heiter werden. Im Lauf von 1.648 Buchseiten werden Tom und Hester nicht nur ein Paar, sondern erleben auf dem Weg in ihr labiles Glück eine Menge haarsträubender Abenteuer. Besonders gruselig sind die Episoden mit dem Killer-Roboter Shrike. Der Android mit künstlicher Intelligenz hat einst Hesters Mutter als Leibwächter gedient, wurde dann als Beute stillgelegt und ganz neu auf die Menschenjagd programmiert - eine richtige Armee auf nur zwei Beinen. Als Luftschiffer und Händler lernen Tom und Hester den ganzen Planeten kennen - von den Eiswüsten des Nordens bis zu den Dschungeln Südostasiens und den Freihäfen der Himmelsfahrer oder den Unterwasserstützpunkten den "verlorenen Jungs", einer besonders üblen Piratenbande. Der manipulative Chef dieser Truppe hat Waisen aufgenommen und geschult, deren Eltern bei seinen Raubzügen nach Old-Tech ums Leben gekommen sind. Für sie ist er der einzige Halt, Ernährer, Lehrer, Heilsbringer und Oberguru. Die Kindersoldaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas lassen grüßen. 

Tom uns Hester verbringen glückliche Jahre in Kanada, in den Ruinen einer kleinen landwirtschaftlichen Siedlung am Ende eines Fjordes, bauen Wein an, gehen fischen, führen eine Reparaturwerkstatt. Aber als ihre Tochter von den "verlorenen Jungs" entführt wird, müssen sie ihr kleines Paradies noch einmal verlassen. Schluchz. Aber gut geschrieben. Mehr wird aber nicht verraten. Man muss bloß wissen, worum es geht. Und mehr als eine grobe Orientierung kann diese Rezension auch nicht sein. Es ist übrigens ein großer Gewinn, dass der Brite Philip Reeves, der mit seiner Familie im Dartmore National Parl lebt, seine Romane mit sprechenden Cover-Zeichnungen selbst illustriert. Das riecht ein bisschen nach dem Stil alter Landser-Heftchen, hat aber einfach Charme. Das rein Mechanische solcher Abbildungen überfordert die Phantasie nicht, sondern bringt das Kopfkino erst richtig zum Laufen.

 


 












Mittwoch, 11. November 2020

Für eine Europäische Union der Poesie: Andreas-Gryphius-Preis für Traian Pop

 

Der angesehene Andreas-Gryphius-Preis der Künstlergilde Esslingen geht 2020 an Traian Pop. Die Verleihung war für den 6. November im Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf geplant und musste wegen der Pandemie verschoben werden. Der Andreas-Gryphius-Preis würdigt in erster Linie das Gesamtwerk und wurde erstmals 1957 in Düsseldorf verliehen. Seit 1990 wird er von der Künstlergilde Esslingen in Glogau (heute Głogów, Polen) vergeben, wo Andreas Gryphius (eigentlich Andreas Greif) 1616 geboren wurde und bis zu seinem Tod im Jahre 1664 lebte. In diese Zeit fiel auch der Dreißigjährige Krieg, dessen Verheerungen Gryphius und sein Werk wie die gesamte europäische Kultur jener Zeit geprägt haben. Andreas Gryphius war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Barocks. Vor allem wegen seiner wortgewaltigen Sonette, die „das Leiden, Gebrechlichkeit des Lebens und der Welt“ zum Thema haben, gilt Gryphius als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barocks.

Mit dem Literaturpreis werden Autoren und Übersetzer ausgezeichnet, deren Publikationen deutsche Kultur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa reflektieren und die zur Verständigung zwischen Deutschen und ihren östlichen Nachbarn beitragen. Der Preis war ursprünglich als Kind von Willy Brandts Ostpolitik mit 25.000 DM dotiert. Hinzu kam ein mit 7.000 DM dotierter Sonderpreis, der auch als Stipendium vergeben werden konnte. Als Folge von Sparmaßnahmen musste 2000 die finanzielle Unterstützung der Künstlergilde durch das Bundesministerium des Innern bzw. den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien eingestellt werden. Der Preis wurde daher bis 2008 nicht mehr vergeben. Seit 2009 ist der Preis zwar nicht mehr dotiert, kann aber mit Unterstützung einer privaten Stiftung immerhin wieder jedes Jahr verliehen werden. Eigentlich wäre das ein dringender Sanierungsfall für die Bundes-Kulturbeauftragte Monika Grütters.

Das Innenministerium ist heute gewiss die falsche Adresse für die Finanzierung eines so renommierten und traditionsreichen Literaturpreises. Doch mit etwas gutem Willen müsste sich in Berlin wieder eine angemessene Finanzierung de Preises finden lassen. Geehrt wird damit schließlich auch das Andenken eines Literaten, der ein hoch gebildeter, mehrsprachiger Grenzgänger im deutsch-polnischen Grenzgebiet war, der auch mehrjährige Erfahrungen in Italien und auf Reisen durch Frankreich und die Niederlande gesammelt hatte. Seine Literatur war in einem heute vielfach übersehenen Sinne gesamt-europäisch.

Insofern trifft die Wahl des Preisträgers Traian Pop einen Intellektuellen, der auf Rumänisch und Deutsch veröffentlicht hat, aber weit über den literarisch so fruchtbaren Kontext der Rumäniendeutschen hinausweist. Natürlich verlegt Pop fast die gesamte Riege deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, er denkt und handelt jedoch größer – bis hin zum finanziell lebensgefährlichen Größenwahn: 2018, als das kleine Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse war, erschienen im Pop Verlag 26 (!) aus dem Georgischen übersetzte oder deutsch-georgische Bücher, so viele wie in keinem der deutschen Großverlage. Seit längerer Zeit nimmt Pop aber auch literarische Schätze von Autorinnen und Autoren ins Programm, die praktisch vor seiner Haustür leben, wie Peter Frömmig oder Imre Török, der aus Ungarn stammt.

Er befindet sich jetzt in angesehener Nachbarschaft zu früheren Preisträgern wie Edzard Schaper, Horst Lange, Siegfried von Vegesack, Sigismund von Radecki (1957), Heinz Piontek, Carl Dedecius, Horst Bienek oder Oskar Pastior. Wolfgang Koeppen, Günter Eich und Walter Kempowski. Sein Name steht auch in einer Reihe mit Karin Struck, Saul Friedländer, Siegfried Lenz, Hans Sahl, Ulla Berkewicz, Günther Anders, Hans-Werner Richter, Ottfried Preußler, Ota Filip oder Helga Schütz und Peter Härtling. Damit ist er wirklich auf dem literarischen Olymp großer Europäer angekommen.

Dabei lebt der 1952 im rumänischen Kronstadt (Brașov) geborene Autor und Verleger Pop erst seit 1989 in der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war Pop, der unter anderem am Deutschen Staatstheater Temeswar gearbeitet hatte, verschiedentlich mit dem Ceaușescu-Regime in Konflikt geraten. Der Autor Traian Pop hat mehrere Lyrik- und Prosabände in rumänischer und deutscher Sprache vorgelegt. Er wurde für sein Werk bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes (2002). Seit 2003 hat er sich auch als Verleger verdient gemacht, er verlegte u. a. Arbeiten von Ana Blandiana, Jan Cornelius, Dieter Schlesak und William Totok. Das ist in der Tat ein Gesamtwerk, das mit dem Andreas-Gryphius-Preis vielleicht endgültig den längst überfälligen Schritt vom schwäbisch-rumäniendeutschen Provinzbiotop zur Ruhmeshalle allgemeiner Anerkennung und zum verdienten finanziellen Erfolg tun kann. Zu wünschen wäre es ihm.

Bio-Bibliographie: Der Schriftsteller, Verleger, Übersetzer und Journalist Traian Pop Traian wurdde 1952 in Kronstadt/Brașov, Rumänien geboren. Während des Studiums und danach freiberufliche Mitarbeit bei Rock- und Jazz-Musikgruppen sowie beim Deutschen Staatstheater Temeswar (als Toningenieur, Texter, Bühnenarbeiter). Parallel dazu Veröffentlichung aufmüpfiger Texte in studentischen und anderen Zeitschriften. Viele Buchpublikationen. Einige Theaterstücke, u. a. „Die Stadt der Lügenzwerge“ (Dramatisierung für das Puppentheater Temeswar 1989, wurde nach kaum zehn Vorstellungen verboten) und „Schöne Aussichten“ (wurde kurz vor der Uraufführung verboten). Nach dem Sturz des Diktators Nicolae Ceauşescu war Pop von Dezember 1989 bis Januar 1990 Mitglied des ersten Redaktionsteams der Tageszeitung „Temesvar“. Lebt seit 1990 in Ludwigsburg bei Stuttgart. Literaturpreise: u. a. Preis der Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst beim Internationalen Buch-Salon, Großwardein/Oradea 1999, Poesie-Preis der LiterArt XXI (The International Association of Romanian Writers and Artists Inc.) 1998/1999, Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes, Temeswar/Timișoara 2002. Kurzfilm „Traumdiktat“ nach dem Gedicht „Wer keinen blassen Schimmer hat“, Poscimur Produktion (2004). Zuletzt auf Deutsch erschienen: Schöne Aussichten (2005), Die 53. Woche (2013), Bleierne Flügel (2017). "Absolute Macht", Gedichte Deutsch / Rumänisch (2018).

 



Mittwoch, 4. November 2020

Luftnummer: Jetzt werden Luftfilter öffentlich diskutiert - nach zwei Monaten!

Nach zwei Monaten ist das Themas in der Tagespresse angekommen, d.h. auch in der Landespresskonferenz Baden-Württemberg! Hier soll auch mal etwas Positives stehen.  Immerhin äußern sich mit einem Mal auch Forscher positiv über HP14-Filter, und die Kultusministerin Susanne Eisenmann erklärt, das Kabinett tage inzwischen in einer maschinell luxuriös gereinigten Luft. Man bedauert allgemein begrenzte Hersteller-Kapazitäten, die leider nicht in der Lage seien, kurzfristig 50 000 Schulklassen mit mobilen Luftreinigern zu versorgen. Doch die sinnlos durch Abwarten und Taktieren verlorene Zeit hat Menschenleben gekostet. Deshalb ist das alles so lustig auch wieder nicht. - Eine echte Luftnummer eben.

Montag, 19. Oktober 2020

Sie prüfen uns zu Tode: Die leidigen Luftreiniger und der Werdegang eines Skandals

An dieser Stelle möchte ich weitgehend unkommentiert die Email-Korresspondenz mit den angeblich zuständigen Behörden in Baden-Württemberg zu Fragen über die Effizienz von Luftfiltern für Schulen und Kulturstätten in der Pandemie dokumentieren. Denn jede Woche sterben Menschen an Covid-19 und stecken sich in Schulklassen Menschen an, jede Woche gehen Künstler aufs Sozialamt und müssen Betriebe schließen. Doch während die Monate vergehen, gibt es keine Antworten und nichts, was die Bezeichnung Dialog verdient hätte. Es gilt lediglich das geflügelte Wort "Wenn man nicht mehr weiter weiß, gibt es einen Arbeitskreis". Die Herrschaften prüfen uns zu Tode.

 

An das Landesgesundheitsamt Stuttgart beim Regierungspräsidium, 24. 09. 2020
  
Betrifft: Luftfilter gegen Coronaviren

Sehr geehrte Damen & Herren, 

Gibt es eigentlich noch keine verlässlichen zu Untersuchungen über innovative, aerosol-abtötende Raumluftfilter? Bei dem Thema finde ich im Internet auffallend viel von Nichts - außer Industriewerbung. Das Institut für Musikmedizin an der Universität Freiburg hat z.B. seine Richtlinien seit 20. Juli nicht mehr aktualisiert. Etwas zum Stand der Dinge wäre da sicher eine Hilfe.
Künstler, vor allem Musiker, sind keine Klimatechniker. Ich habe im Nachgang eines kleinen Literaturfestivals jedoch im Lockdown begonnen, bezahlbare technische Lösungen vor allem für kleinere und mittlere Räume im Internet zu suchen. Gerade kleine Veranstalter mit relativ kleinen Räumen klagen in der Corona-Pandemie über enorme Probleme bei Proben und Konzerten, Lesungen oder Theateraufführungen. Ein Normalbetrieb würde hier sicher mehr Einnahmen als staatliche Zuschüsse schaffen und wäre besser für alle Beteiligten. Das Thema hat mir monatelang keine Ruhe gelassen, weil ich selbst begeisterter Amateur-Chorsänger bin und auch als Lyriker mit Vereinen und Buchhandlungen bei Lesungen zusammen arbeite. Haben Sie diese Industrie bzw. solche Geräte im Blick oder noch nicht?

Eine Lösung des Luftfilter-Problems scheint hier mit einer überschaubaren technischen Investition möglich zu sein. Auch ich bin kein Klimatechniker, habe aber die Studien und Empfehlungen des Instituts für Musikmedizin an der Uni Freiburg gelesen und fand z.B. bei meinen Recherchen einen Ansprechpartner, der auch Beratung bietet. Die Firma, die ich Ihnen zu einer genaueren Prüfung empfehlen möchte (und die mir keine Provision bezahlt!), ist zertifiziert durch die Hohenheimer Institute und gerade dabei, Kontakt zum Institut für Musikmedizin an der Universität Freiburg zu suchen. Außerdem spricht sie gezielt Kirchen an: http://www.dinnovative.de/  <http://www.dinnovative.de/
 

Weiter führende Links:
Coronavirus und Luftreinhaltung: Neu-Ulmer Firma entwickelt Luftfilter gegen Viren | Südwest Presse Online <https://www.swp.de/suedwesten/staedte/neu-ulm/corona-coronavirus-luftreiniger-test-neu-ulmer-firma-luftfilter-ventilator-aerosole-viren-50441659.html  <https://www.swp.de/suedwesten/staedte/neu-ulm/corona-coronavirus-luftreiniger-test-neu-ulmer-firma-luftfilter-ventilator-aerosole-viren-50441659.html>>
Neuer Corona-Luftfilter entwickelt: "99,8 Prozent werden getötet" <https://www.infranken.de/ratgeber/gesundheit/coronavirus/neuer-corona-luftfilter-entwickelt-998-prozent-werden-getoetet-art-5024369  <https://www.infranken.de/ratgeber/gesundheit/coronavirus/neuer-corona-luftfilter-entwickelt-998-prozent-werden-getoetet-art-5024369>>
Dinnovative Luftfilter erfolgreich gegen Corona-Viren - Gastronomie-Report <https://www.gastronomie-report.de/luftfilter-corona-viren/  <https://www.gastronomie-report.de/luftfilter-corona-viren/>>

Am hilfreichsten für alle Kulturschaffenden wäre sicher eine pragmatische Allianz von Politik, Verwaltung, Kirchen, Verbänden und Kulturträgern bzw. Veranstaltern, um das Problem zu lösen. Nur wenn alle wichtigen Entscheidungsträger das Thema erst einmal im Blick haben, kann man hoffen, das sich nicht erst dann etwas bewegt, wenn es einen Impfstoff gibt und die Hälfte aller Veranstalter nicht mehr existiert.
Es ist mir übrigens aufgefallen, dass Cornelius Hauptmann, der Intendant der Stuttgarter Oper, vor ca. 3 Wochen in der "Stuttgarter Zeitung" einen ausführlichen Bericht über seine Beobachtungen bei den Salzburger Festspielen zur "Schachbrett-Belegung" bei Saalplänen veröffentlicht hat. Damit ist eine weit bessere Raumbelegung als bislang in BW möglich, ohne dass es Erkrankunhgen gab. Die denkbaren Infektionsketten wären leicht verfolgbar gewesen. Dannoch hat es keine wahnehmbare Reaktion von Behörden oder Kultusministerium gegeben. 

Warum verweigern sich Politik und Behörden allem Anschein nach einer sachlichen Debatte mit Fachleuten über existenzielle Fragen der Gesundheitsvorsorge im Kulturbetrieb? Bekomme ich auch von Ihnen keine angemessene Antwort, muss ich mich als Blogger des Problems öffentlich annehmen.
Mit freundlichen Grüßen,
Widmar Puhl 


Am 14.10.2020 um 18:06 schrieb Buergerreferent (SM STU):

Sehr geehrter Herr Puhl,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 24. September 2020, die dem Sozialministerium zuständigkeitshalber zugesandt wurde. Bitte entschuldigen Sie die verspätete Rückmeldung. Aufgrund der hohen Anzahl an Fragen zum Coronavirus kommt es bei der Beantwortung derzeit zu Verzögerungen. Dafür bitten wir um Verständnis.

Das Land Baden-Württemberg hat zur Virusübertragung durch Aerosole einen Expertenkreis „Aerosole“ im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst eingerichtet. Dabei geht es zunächst darum, aus allen Fachbereichen die aktuellen Informationen zusammentragen, offene Fragen zu identifizieren und Infektionsrisiken wissenschaftlich abzuschätzen. In der Folge können derzeitige Schutzkonzepte und deren Kombinationen bewertet werden.

Welche Maßnahmen letztendlich erfolgversprechend sein werden, bleibt daher noch abzuwarten.

Darüber hinaus überprüft die Landesregierung, auch in Abstimmung mit dem Bund und den anderen Ländern, permanent alle Maßnahmen anhand des aktuellen Infektionsgeschehens und des ständig wachsenden Wissens über das Virus und die Krankheit. Dabei gibt es nicht den einen Wissenschaftler, der alleine das Vorgehen bestimmt – so funktioniert Wissenschaft nicht und auch Politik kann so nicht gut funktionieren. Wir beraten uns mit einer ganzen Bandbreite von Expertinnen und Experten aus zahlreichen Fachgebieten, die selbst forschen und die nationale und internationale Studien- und Forschungslage intensiv beobachten, auswerten, diskutieren und beurteilen. Nicht zuletzt sitzen in den Fachabteilungen der Landesministerien und in den Gesundheitsämtern zahlreiche Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis zu Gesundheit und Medizin, Bildung, Erziehung, Wirtschaft und vielen weiteren relevanten Themengebieten.

Mit freundlichen Grüßen
Bürgerreferenten-Team
Beate Blechschmidt

Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg
Else-Josenhans-Straße 6, 70173 Stuttgart
Telefon (0711) 123-3888

E-Mail:Buergerreferent@sm.bwl.de <mailto:Buergerreferent@sm.bwl.de>

www.sozialministerium-bw.de <http://www.sozialministerium-bw.de/>

 

Am 15. Oktober meine Antwort als Bürger, Blogger und Autor: 

Sehr geehrte Frau Blechschmidt,

Ihre gestrige Antwort auf meine Anfrage hat mich ziemlich verärgert. Nicht nur ist sie ein Dokument der Hilflosigkeit. Sie beleidigt auch meinen Verstand. Uneingeschränktes Verständnis habe ich für Verzögerungen, die sich aus ungewöhnlich vielen Anfragen ergeben. Absolut kein Verständnis habe ich jedoch für wohlfeile Allgemeinplätze statt konkreter Antworten auf konkrete Fragen (zur Not hätte schon ein schichtes "Wie wissen es nicht, tun aber dies und jenes dagegen" geholfen). Ich bin schon verärgert darüber, dass meine Anfrage ans Landesgesundheitsamt im Regierungspräsidium "zuständigkeitshalber" ans Sozialministerium verwiesen wurde. Denn es geht um Fragen, die das Gesundheitswesen und Klimatechnik betreffen, wenn auch mit Folgen für das Schicksal von Millionen Schülern, Lehrern und Kulturschaffenden mit ihrern Familien. Kein Wort dazu!

Letztlich geht es ja nicht um wissenschaftlich "letzte Antworten" (die es nicht gibt, was wir alle wissen!), sondern um eine politische Einschätzung und Stellungnahme bzw. Handreichung, vor der sich die Landesregierung offenbar seit Monaten drückt. Zwischen den Zeilen steht nämlich, dass man dort das Thema sehr wohl zur Kenntnis genommen hat, aber nicht darauf einzugehen gedenkt. Leider das übliche Verfahren in der Bürokratie. Mit einer offenen, sachlichen oder gar kompetenten Debatte und Aufklärung hat das alles aber nichts zu tun. Umso wichtiger finde ich, eben diese anzustoßen- möglichst öffentlich. Deshalb lasse ich mich nicht so abspeisen.

Mit freundlichen Grüßen,
Widmar Puhl 

P.S.: Inzwischen gibt es einen längeren Blog-Beitrag zu diesem Thema (siehe unten). Erste Zeitungen berichten über Schulen, die solche Luftfilter auf eigene Kosten angeschafft haben. Doch Universitäten und Ministerien hüllen sich immer noch in Schweigen. Das Umweltbundesamt (ohne medizinische, physikalische oder gar organisatorisch-logistische Kompetenz in der Sache) warnt vor dem Einsatz von Luftfilteranlagen. Die Mainstream-Medien ignorieren mehrere Testberichte, die auf t-online veröffentlicht wurden.