Noam Shuster-Eliassi kennt den israelisch-palästinensischen Konflikt seit ihrer Kindheit. Sie ist aufgewachsen in Neve Shalom (Wahat as-Salam) unweit von Tel Aviv, wo israelische Juden mit christlichen und arabischen Palästinensern friedlich zusammen leben. Es ist das einzige dieser Art in Israel und wurde gegründet, um zuu beweisen, dass so in gnz Israel Frieden möglich würe. In der arte-Mediathek kann man bis zum 23.10. eine 90-Minuten-Doku über Noam Shuster-Eliassi sehen, die diese scharfzüngige und unglaublich witzige Stand-Up-Comedian und ihr Heimatdorf porträtiert: Coexistence, My Ass! - Die ganze Doku | ARTE
Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, der mich dermaßen berührt und erschüttert hat. Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich im Februar 2020, kurz bevor der Flughafen wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurde, mit einem engagierten (und guten) Stuttgarter Kirchenchor dort war. Wir haben ein Konzert mit geistlicher Musik jüdischer und christlicher Komponisten aus vier Jahrhunderten gesungen und wunderbare Menschen kennen gelernt.
Der größte Raum im Dorf, wo wir uns zu einem langen Gespräch mit der Bürgermeisterin trafen, war übrigens ein Schutzraum. Der zweitgrößte Raum, wo wir unser Konzert gaben, war eine Art Zirkuszelt, weil die Stadthalle noch im Bau war.
Wir haben Noam nicht kennen gelernt, sie war wohl auf Reisen. Aber ihre Liebe zum Essen kann ich gut verstehen, denn was uns das Büffet der Gemeinschaftsküche anbot, war wirklich sensationell. Alles, was es dort gab, war halal und koscher, doch niemand von uns hätte irgend etwas vermisst.
Eigentlich mag ich Standup-Comedy gar nicht besonders, finde den Titel unverständlich, und eine 90-Minuten-Doku über eine jüdische Frau mit erkennbarer Neigung zu gutem Essen aus Israel, die Comedy macht, familiäre Wurzeln im Iran, Palästina und Israel hat und so gut Arabisch spricht, dass der Mossad versucht hat, sie anzuwerben. Jede einzelne dieser Eigenschaften wäre für viele ein Grund, den Film nicht zu sehen oder wenigstens einen Knoblauchzopf neben den Bildschirm zu hängen. Für mich sind es gute Gründe für eine vorbehaltslose Empfehlung.
Der Grund, den Film zu schauen: Das hat sie geprägt und wird mit ihr zusammen porträtiert. Mit dreisprachiger Comedy wäre wohl kein einziger Platz leer geblieben. Ich war damals beeindruckt von den menschlichen Begegnungen dort und begeistert von dem phantastischen Essen.


