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Sonntag, 30. Juni 2019

Genie und Arbeit: Currentzis dirigiert Schostakowitsch 7

Fertig, aber glücklich: Currentzis beim Schlussaplaus
Am 27. und 28. Juni dirigierte Teodor Currentzis in der Stuttgarter Liederhalle mit dem SWR-Symphonieorchester die Sinfonie Nr. 7 von Dmitrij Schostakowitsch. Die "Leningrader", das längste und vielleicht größte Werk des Komponisten,  entstand 1940 bis 1942 während der Blockade und Bombardierung der Millionenstadt an der Ostsee durch die deutsche Wehrmacht. Im ersten Satz hört man das Kreischen und Donnern der Bomben und das Heulen der Sirenen während der Luftangriffe. Kaum je habe ich eine so eindrückliche und bewegende Wiedergabe des Krieges durch Musik gehört. Und doch - es ist eben großartige Musik. Als fernes Donnergrollen der Celli und Bass-Oboen wird das durchgehende Eingangsmotiv zu einem ohrenbetäubenden Crescendo mit allem, was die große Orchesterbesetzung zu bieten hat (und das ist weiß Gott nicht wenig!). Es steigert sich aber auch durch das anfangs leise, dann immer martialischere Tönen einer einzelnen Kriegstrommel, deren Rhyrhmus nach und nach alle Instrumentengruppen bis hin zu einem rasenden Furioso aufnehmen. Da hörte man auch das musklaische Erbe von Gustav Mahler, den Schostrakowitsch soi verehrt hat. Das war Musik als Widerstand und als Demonstration, dass die Kunst in der längsten Belagerung der Geschichte mit rund 16.500 Bombentoten und geschätzt einer Million Toten durch Hunger und Seuchen nicht gestorben war, sondern sehr lebendig.
Der stark sehbehinderte Schostakowitsch war nicht wehrtauglich, aber als Künstler und Lehrer am Konservatorium in der Pflicht, den Durchhaltewillen der Roten Armee und der Bewohner zu stärken. Geradezu rührend daher ein Foto im Programmheft, das es damals sogar ins New Yorker TIME Magazine schaffte: Ein gestelltes Bild des Komponisten in der Uniform eines Feuerwehrmanns mit Helm auf dem Dach des Konservatoriums. Im zweiten und dritten Satz (moderato und adagio) wechseln sich Klangbilder der Erschöpfung und der Totenklage ab, langsam und leise von einzelnen Bläser- und Streichergruppen getragen. Der vierte Satz eilt im Marschtempo (allegro non troppo) zum klangmächtigen Finale, das vom Sieg der Roten Armee kündet. Ihn vollendete Schostakowitsch nach der Evakuierung prominenter Einwohner des heutigen St. Petersburg im Frühjahr 1942.
„Ich widme meine Siebente Sinfonie unserem Kampf gegen den Faschismus, unserem unabwendbaren Sieg über den Feind, und Leningrad, meiner Heimatstadt ...“, schrieb Schostakowitsch am 29. März 1942 in der Parteizeitung "Prawda". Ein Triumphmarsch, dessen Tonart von c-Moll nach Dur wechselt. Wie sich zeigte, eroberte die Sinfonie rasch das Herz der Menschen in aller Welt. Anfang März fand die Uraufführung mit dem Orchester des Bolschoi-Theaters in Kuibyschew am Don statt. Auf Mikrofilm wurde die Partitur in die USA geschmuggelt und von Arturo Toscanini  in New York aufgeführt, am 9. August erklang es unter unbeschreiblichen Bedingungen mit überlebenden Musikern des Mariinsky-Theaters in Leningrad.
Warum ich diese Geschichte anlässlich eines Konzertes im Jahr 2019 wieder erzähle? - Weil man sie mithört. Weil das brillant aufspielende Orchester unter einem am Ende erschöpft, aber glücklich wirkenden Chefdirigenten die bildstarken Kontraste zu einer gelungenen Auseinandersetzung mit einem großen Kunstwerk machte. Weil das alles plötzlich so beängstigend aktuell wirkt. Weil die Musiker an jedem Klang geradezu physisch gearbeitet haben, um eine perfekt ausbalancierte Interpretation abzuliefern, in der jeder Takt überzeugt. Weil es einfach ein Glück ist, solche Musik zu hören. Das Publikum bedankte sich für diesen großen Abend mit Standing Ovations und anhaltenden Bravo-Rufen. Das kann kein PR-Hype, das kann nur Kunst, die sich dem Alltag ernthaft stellt und gewachsen zeigt: eine beglückende Symbiose aus genialer Begabung und harter Arbeit.

Sonntag, 9. Juni 2019

Nibelungentreue, Lügen und Kriegstreiber

Wirtschaftsgespräche mit Russland sind besser, als die Konfrontation immer weiter zu treiben. Eines Tages kann man mit Putin vielleicht sogar wieder über die Ukraine vernünftig reden. Haben wir etwa vor 1989 die UdSSR mit Sanktionen überzogen, weil die Mauer noch stand? Wir fürchten uns vor einem Krieg im Nahen Osten; aber wer ist ihn anzuzetteln im Begriff? Es sind Einflüsterer eines US-Präsidenten, die schon mehrfach mit Lügen und frei erfundenen "Fake News" gern einen Krieg vom Zaun gebrochen haben: erst den religiös bemäntelten Stellvertreterkrieg des sunnitischen Irak gegen den schiitischen Erbfeind Iran, dann den Krieg gegen Saddam Hussein und den Krieg der reaktionären Contras gegen ein verhasstes linkes Regime in Nicaragua. 
Jetzt also geht es wieder gegen den Iran, wobei der verlogene Autokrat im Weißen Haus den Rest der Welt mit Drohungen und Erpressungen instrumentalisieren will. Dabei hat Amerika selbst Schuld an dieser Feindschaft. Sie existiert, seit die CIA 1953 die erste frei gewählte Regierung Irans durch einen bezahlten Aufstand stürzen ließ, um die Verstaatlichung einer britischen Erdölfirma rückgängig zu machen und den Schah zum Alleinherrscher zu machen. Das geschah dann mit Hilfe des gefürchteten Geheimdienstes SAVAK, dessen Schreckensregime die Mullahs erst an die Macht brachte, weil nur die religiösen Fanatiker noch brutaler und mächtiger waren als die politischen Schläger (die mir vom Schah-Besuch 1967 in Berlin noch in übler Erinnerung sind).
Wir Europäer sollten aber nicht wie die Amerikaner alle Fehler der Vergangenheit wiederholen, sondern daraus lernen. Wir müssen endlich selbst wieder anfangen, Wort zu halten (keine Einkreisung Russlands durch die NATO nach der Wiedervereinigung, Klima-Verträge einhalten, Menschenrechte nicht bloß immer folgenlos anmahnen, sondern auch bei Flüchtlingen in Seenot einhalten, Kriegswaffen-Kontrollgesetz nicht ständig aus Geldgier durch Exporte an kriegführende Potentaten unterlaufen: Das wäre doch mal was!) Wir verachten und meiden das Wort "Konzentrationslager" wegen des Holocaust, aber wir bauen "ANKER-Zentren". Wie verlogen ist das denn? Und unsere vertragstreue Wirtschaft  lässt sich gegenüber dem Iran von Trump einschüchtern: das ist unehrlich, feige, blamabel und einfach schändlich! Es wäre stattdessen klüger, wenn die deutsche Autoindustrie ihre Investitionen aus den unberechnenbar gewordenen USA abzöge und lieber ihre Geschäfte mit Russland und China machte.
OK, ich finde die Annexion der Krim nach wie vor falsch. Ich verurteile seine Unterdrückung der Meinungsfreiheit, seine Instrumentalisierung der Justiz gegen Oppositionelle, und seine asymmetrischen Konflikte mit "Grünen Männchen" ohne Hoheitsabzeichen, Hackerangriffen etc. Aber warum lassen wir zu, dass sich Trump bei den Gedenkfeiern zum D-Day selbst feiert und alle unsere Werte in den Dreck zieht? Warum lassen unsere Regierungen dem Kerl alles durchgehen, ohne seine Handlanger auszuweisen, die zombiehafte NATO zu verlassen und die US-Stützpunkte in Deutschland zu schließen? Dieser Mensch ist ja nicht nur ein übler Hassprediger, Macho, Grapscher, Frauenverächter und Pöbler, ein Rassist, Lügner und Betrüger. Unsere Politiker werfen Putin zu Recht Verletzungen des Völkerrechts vor. Doch jeder Vertragsbruch der USA ist anscheinend so unantastbar wie US-Soldaten, wenn sie Kriegsverbrechen begehen, oder die CIA-Agenten, die rechtswidrig Leute wie Murat Kurnaz von deutschem Boden nach Guantanamo entführen, foltern und jahrelang ohne Prozess schmoren lassen? 
Warum maßt sich Annegret Kramp-Karrenbauer AKK das hirnrissige Urteil an, es sei "eine unzulässige Äquidistanz", Trump in einem Atemzug mit Putin und Erdogan zu nennen? Der einzige Unterschied ist doch, das Trump gerade erst angefangen hat, während Putin und sein Verehrer Erdogan schon viele Jahre Zeit hatten für den Umbau der Demokratie in ihre Autokratie! Ist diese CDU-Chefin samt ihrer "Werte-Union" noch zu retten? Was ist das denn für eine Nibelungentreue, dem Bündnispartner USA dermaßen hörig zu sein, dass man darüber den gesunden Menschenverstand und alle christlich-demokratischen Grundwerte vergisst? Ich kann mir das nur mit nackter Panik angesichts der (rein theoretischen) Möglichkeit erklären, dass es die GroKo demnächst vollständig zerlegt und bei Neuwahlen eine Mehrheit links der Mitte diesen ganzen Irrsinn beenden könnte. Wer da Schnappatmung kriegt, hat es nicht besser verdient.
Aber muss man deswegen gleich diktatorische Bestrebungen und kriminelle Tendenzen in einer US-Regierung verteidigen, die nur mit Hilfe eines schlechten Wahlrechts, russischer Freunde und Wahlbetrug an die Macht gekommen ist? Dieser Staat, der permanent im Ausland "Terroristen" ohne Gerichtsurteil ferngesteuert töten lässt, wobei schon Tausende unschuldiger Zivilisten gestorben sind, diese USA, die Angela Merkels Handy abgehört und sich nie dafür entschuldigt hat, dieses Land ist nicht mehr das, welches Deutschland vom Nationalsozialismus befreit hat!
Im Gegenteil. Seit "Krieg gegen den Terror" alles rechtfertigt, ist die Zahl islamistischer Terroranschläge weltweit explosionsartig gestiegen. Vielen Dank für dieses ungebetene Terror-Konjunkturprogramm. "America first" bedeutet, dass alle anderen Menschen in anderen Ländern straflos abgehört und schutzlos einer rabiaten Politik der Strafzölle, Monopole und Steuerverweigerung ausgesetzt werden dürfen. Wer (für weiße) US-Amerikaner ein besseres Recht beansprucht als für den Rest der Welt, ist nicht mehr unser Verbündeter, sondern ein imperialistischer Schurkenstaat, in dem leider eine Menge anständiger und netter Menschen leben. 
Was passiert, wenn in einem Land Vernunft keine politischen Mehrheiten mehr bekommt, können wir erstens aus leidvoller Erfahrung in Deutschland ganz gut beurteilen. Zweitens lässt sich das gerade auch ringsum in Europa und vielen an deren Weltgegegenden beobachten. Überall sind Neonazis und Autokraten auf dem Vormarsch. Und drittens findet das alles nicht zuletzt dank Geld und Know-How aus Amerika statt.
Steve Bannon, der im ersten Amtsjahr Trumps engster Berater im Weißen Haus war und Chefredakteur des rechtsextremen Medien-Netzwerks Breitbarth war, versucht jetzt im EU-Parlament rechtsextreme Allianzen zu schmieden und Europa zu schwächen: getreu der Putin-Agenta. Hallo? Hat da jemand den Schuss nicht gehört?! - Ja, AKK und die führenden Politiker der SPD. Da ist ein Paradigmenwechsel überfällig, dem sich die GroKo-Parteien CDU und SPD beharrlich verweigern. Nicht nur wegen des Totalausfalls in der Sozialpolitik, der Klima- und Energiepolitik, auch wegen dieses fehlenden Paradigmenwechsels brauchen wir einen klaren Politikwechsel. Reuevolle Krokodilstränen in Sonntagsreden ohne Folgen reichen nicht mehr! Das haben auch die jungen Freeitagsdeminstranten für den Klimaschutz begriffen.

Montag, 3. Juni 2019

Valer Sabadus - ein Countertenor der Extraklasse

Valer Sabadus (Foto Christine Schneider)
Am 2. Juni sang Countertenor Valer Sabadus bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen barocke Arien von Antonio Caldara (1670 - 1736), Niccolo Jomelli (1714- 1774), Christoph Willibald Gluck (1714 - 1787), Carl Heinrich Graun (1704 - 1771) und Friedrich Händel (1685 - 1759). Der junge Rumäne aus Arad mit einer Ausbildung in München und einer Ausnahmestimme für extreme Höhenlagen war seit seinem Debüt in Salzburg in weltweit gefragter Star. Außerdem spricht er augezeichnet Deutsch. Traumhaft sicher die Intonation auch bei den schwierigsten Coloraturen, glockenhell und rein die Kopfstimme, präzise in Phrasierung und Textverständlichkeit, ausdrucksstark in Dramaturgie und Interpretation: Das ist Sabadus, und er war schon 2014 zu hören in Ludwigsburg, wo auch seine großen historischen Vorbilder Engagements hatten. Sicher, das Fach Barockoper ist bisher eher speziell, aber was Valer Sabadus und das Orchester der Akademie für Alte Musik Berlin daraus machen, kommt dem Vorbild der Höfe in London, Wien oder Ludwigsburg vermutlich sehr nah - im betont rhythmischen Vortrag und mit dem flotten Grundtempo.
Der Ordenssaal ist auch atmosphärisch einzigartig

Das Atmosphärische unterstreicht und betont der Saal des Ludwigsburger Residezschlosses, in dem einst Herzöge und Könige ihre Orden zur Schau stellten und Feste feierten. Denn die Akustik ist hervorragend, das Ambiente autenthisch. So z.B. macht die Hitze im Sommer das Haus ohne Klimaanlage zur Sauna, aber zu einer originellen. Schon die Mischung aus Kopfsteinpflaster und grobem Kies auf dem Schlossplatz verhindert bei den Damen meistens den Einsatz von High Heels (und sorgt für Amüsement, wo sie nicht auf hohe Absätze verzichten). Auf dem Programm stand eine kluge Auswahl an Arien und Instrumentalstücken, die London vor 250 Jahren als "fetzig" empfunden hätte.

Als der junge Gluck nach London kam, wo der ältere Händel 30 Jahre lang wegen des schnöden Mammons hängen blieb, warnte der Ältere den Jüngeren vor einem Publikum, das nur Gassenhauer wolle. In der Tat gingen die Leute damals in die Oper und ins Konzert, um sich zu amüsieren, und das geschah keineswegs leise und diskret. Flotte Rhythmen und Tempi kamen besser an als gefühliger Schmalz und Seelstriptease, den Textkenner trotzdem fast immer fanden. Weit entfernt von der andächtigen Stille heutiger Konzertsäle ging es derb und deftig zu - manchmal mit Prostituierten, immer jedoch mit Picknicks und Trinkgelagen in der Logen, Unsäglichen Wolken aus billigen Parfüms und Pfeifenqualm bei Amateuren im Publikum, die ebenso laut und begeistert wie falsch mitsangen oder bei Missfallen auch gefürchteten Zwischenfrufen. Ganz so, barock enthemmt nämlich, grölten denn auch einige ihre begeisterten Bravo-Rufe überlaut in den Saal, nur mit weniger schönen Stimmen. Sabadus auf dem Podium lächelte, dankte dezent, bezog das phänomenale Orchester ohne arrogentes Gehabe in seinen Dank ein und sang als Zugabe eine besonders melodische, leise, verinnerlichte Arie von Vivaldi.


Freitag, 17. Mai 2019

Ohnmacht gegen Christenverfolgung im Namen des Islam? Nein!


Die deutsche Regierung ist ohne Wenn und Aber verantwortlich für den Schutz der Bürger. Und das muss, meint der gemäßigte Imam Mohamed Tawhidi, der aus dem Iran stammt und in Australien lebt, Folgendes bedeuten: Alle identifizierten ausländischen Islamisten müssen das Land verlassen, einheimische werden wegen Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung vor Gericht gestellt. Kein islamistischer Geistlicher aus dem Ausland darf mehr ein Visum für die Einreise bekommen. Moscheebauten, die aus dem Ausland finanziert sind, werden verboten. Moscheen, die aus dem Ausland finanziert wurden, müssen ins Eigentum eines gemeinnützigen Vereins überführt werden. Die Muslimbruderschaft ist endlich als die Terror-Vereinigung zu verbieten, die sie ist. Dazu gehört, ihre Mitglieder in Deutschland vor Gericht zu stellen und ihre Vermögenswerte zu beschlagnahmen. Das sagt ein gemäßigter Muslim aus Australien, der aus dem Iran stammt; unsere fatale Form von politischer Korrektheit für selbstmörderisch hält. In einem CBS-Interview sagte er laut journalistenwatch.com:
„Wir haben die Möglichkeit etwas zu tun, die Frage ist, ob wir bereit dazu sind“. Westliche Regierungen würden aus politischer Korrektheit über die drohende Gefahr hinwegsehen: „Wenn die Christen und ihre Führer nicht aufwachen, werden wir gemäßigten Muslime, die vor den Extremisten geflohen sind, Euch bald nicht mehr helfen können“. Darüber sollten wir ernsthaft nachdenken. Es gab einmal das Wort von der "wehrhaften Demokratie", doch nur im Zusammenhang mit dem linken RAF-Terror. WIKIPEDIA zitiert zur Einordnung der  Plattform die ZEIT:
Nico Schmidt beschreibt Journalistenwatch in der Zeit als einflussreiche Plattform der Neuen Rechten, die sich am „rechtsäußeren Rand des Internets [...] im Dunstkreis der AfD, irgendwo zwischen Epoch Times, Unzensuriert.at und Politically Incorrect“ etabliert habe und teilweise aus den USA finanziert werde. Der Tenor der veröffentlichten Texte schwanke zwischen Islamkritik und „kuscheligem AfD-Rechtspopulismus“. Die Plattform sei erklärtermaßen proisraelisch, heißt es weiter dort. 
Pro Israel zu sein, ist ja ok. Die Verortung der Plattform sollte wachsam machen; kritiklose Lektüre empfehle ich daher nicht, doch sie zitert in diesem Fall nur ein Intervies bei CBS. CBS ist ein seriöser Sender, und "journalistenwatch" bringt trotz seiner Rechtslastigkeit Beiträge, die als gut recherchiert gelten. Ich möchte weder auf dem linken noch auf dem rechten Auge blind sein.
Was tun wir heute gegen den Terror von Rechts und den terroristischen Islamismus wahabitischer Prägung, der die Religion politisch instrumentalisiert und seinen Anhängern permanent Dinge erzählt, die weder im Koran stehen noch in den Auslegungsbüchern (den Hadithen)? Solche Auslegungen des Islams sind nicht demokratie-kompatibel, sondern eine Form faschistischer Gehirnwäsche mit religiösem Anstrich. Und dem gegenüber ist keine Toleranz akzeptabel. Indizien für extreme Auslegungen des Korans sind das Tragen des Kopftuchs als angeblich religiöse Vorschrift, das demonstrative Tragen orientalischer (Ver)Kleidung in Deutschland, vor allem Burka und Gesichtsverschleierung, die Weigerung, Menschen des anderen Geschlechts bei der Begrüßung wie üblich die Hand zu geben (womit übrigens auch der aktuelle Landesrabbiner in Baden-Württemberg bei seinem Amtsantritt aufgefallen ist), generell die Bildung von Parallelgesellschaften, in denen nach den Regeln der Scharia gelebt wird und nicht nach deutschen Gesetzen. Hier kann sich jeder selbst prüfen: Bin ich auf falsch verstandene Weise "tolerant"?
Dann habe ich vielleicht nicht verstanden, was Toleranz bedeutet, und habe keinen eigenen Glauben. Aggressive Muslime spüren sehr genau, wer in Glaubensfragen unsicher oder schwach ist. Und der wird gnadenlos missioniert oder unterworfen. Politiker mit einem atheistischen Hintergrund haben also schlechte Karten: Sie werden nicht ernst genommen - und erst recht nicht, wenn sie zu "lieb" sind. Ich habe z.B. selbst mehrfach erlebt, wie Jesidinnen und andere nicht mulimische Frauen in deutschen Flüchtlingsunterkünften von Arabern bedroht werden, weil sie kein Kopftuch tragen. Dagegen muss man entschieden einschreiten und die Täter im Wiederholungsfall abschieben. Beides geschieht aber bisher nicht oder höchst selten. 
Wir versuchen, mit teuer bezahlten Psychologen die Traumata dieser Menschen zu bekämpfen, tun aber nichts gegen die Retraumatisierung der Opfer islamistischer Gewalt bei uns in Deutschland. - Abgesehen von der Steuerverschwendung in solchen Fällen: So etwas hat mit "politischer Korrektheit" nichts zu tun; es ist einfach nur kontraproduktiv, dämlich und brandgefährlich. Wenn Politiker oder leitende Sozialarbeiter die räumliche Trennung von potenziellen Tätern und Opfern in Flüchtlingsunterkünften mit dem Argument verweigern, diese Leute sollten sich gefälligst aneinander gewöhnen und lernen, Toleranz zu üben und im Alltag miteinander klar zu kommen, verkennt in höchst leichtfertiger Weise, was das für ein Brandbeschleuniger ist. Rassismus und religiöser Fanatismus sind nun einmal Teil der nahöstlichen Gesellschaften, die nicht zufällig meistens in Bürgerkriege verwickelt sind. Wer nicht alle fünf Meter auf jedem Flur der Flüchtlingsunterkunft einen Muskelprotz mit schwarzem Karategürtel als Aufpasser postieren kann, dem sei dringend geraten, solchen Unsinn zu unterlassen.
Nein, ich habe kein Verständnis für die Unterdrückung und Beschneidung der Frauen im Namen einer heuchlerischen und verlogenenen Lebensweise, die sich als "Religion" tarnt. Nein, ich respektiere keine als "Religion" getarnte Unkultur, die es erlaubt, den Fremden, Andersgläubigen oder Ungläubigen zu belügen und zu betrügen. Eine Religion, die ein Recht auf Religionsfeiheit hat, respektiert die Grundrechte und die Gesetze des Landes, in dem sie praktiziert wird. Das sollte sich ganz besonders das Führungspersonal christlicher Organisationen wie Caritas oder Diakonie hinter die Ohren schreiben, es gilt aber auch für die Ausbildung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, die in der Flüchtlingshilfe bzw. der Integration von Flüchtlingen arbeiten. Wer da nicht glaubwürdig ist, wird einfach verarscht. Wer da zu liberal auftritt, wird nur als "Schwuler" oder "Weichei" ausgenutzt, und wer diesen Menschen zu offenherzig gekleidet gegenüber tritt oder sitzt, ist für die eben eine "Schlampe". Sorry, ich hab´s nicht erfunden, aber so ist das.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Ausblick der Internationalen Bachakademie Stuttgart

Henning Bey, Katrin Zagrosek, Hans-Christoph Rademann (Foto: Bulgrin)

Alle Zeichen stehen auf Neu: So könnte das Fazit von Chefdramaturg Henning Bey, Intendantin Katrin Zagrosek und dem Akademieleiter Hans-Christoph Rademann bei der Pressekonferenz zur Saison 2019/2020 lauten. Die Internationale Bachakademie Stuttgart ist nie zufrieden und immer in Bewegung, aber gerade das sorgt für gute Stimmung in der alten klassizistischen Villa am Johann-Sebastian-Bach-Platz, die gerade eine Rundum-Sanierung hinter sich hat. Im Wesentlichen wird es  in der kommenden Saison zwei strukturelle Neuerungen geben (neben Torneeen, "Bildungsreisen" der Ensembles in Bachs sächische Heimat und einer Erweiterung der Bachwoche, die künftig im Frühsommer stattfindet): Das neue Konzertformat »Hin und weg!« bezieht die Zuhörer und die Stadt durch moderierte Konzerte an für die Bach-Akademie ungewöhnlichen Orten stärker mit ein. Und eine neue Abokonzertreihe startet in Ludwigsburg durch eine Kooperation mit dem Forum am Schlosspark.
In den Wagenhallen, der Domkirche St. Eberhard und im Kunstmuseum präsentieren die Ensembles der Internationalen Bachakademie unter Hans-Christoph Rademann ihr neues Konzertformat. Zur Aufführung einer Bach-Kantate spricht der Akademieleiter über seine persönlichen Eindrücke und Zugänge zur Musik. Raum und Präsentation sind jedes Mal anders und schaffen eine eigene Atmosphäre der Begegnung, die auch im Anschluss an die Aufführung zu Gesprächen führern soll. Schön, wie sich da die starre Frontal-Routine (Chor und Orchester auf der Bühne, das Publikum im Saal) auflöst zugunsten einer lebendigen Vielfalt. Und ganz nebenbei müssen sich Chor und Orchester an sehr unterschiedliche akustische Bedingungen gewöhnen.
Neben den fünf Konzerten im Stuttgarter Beethovensaal der Liederhalle wird es eine weitere mit fünf Konzerten im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg geben. Gemeinsam ist beiden Reihen die Aufführung italienischer Weihnachtsmusik von Vivaldi, Corelli und Locatelli, von Mozarts c-Moll-Messe und der »Jupiter-Sinfonie« sowie Schönbergs »Friede auf Erden«, kombiniert mit der Sinfonie Nr. 9 von Beethoven. Da ist wieder eine gewisse Erweiterung des Repertoires zu erkennen, an der Rademann schon länger arbeitet. Doch in Ludwigsburg setzt jede Reihe im Forum auch eigene Akzente: Zu Saisonbeginn mit einer traditionellen Aufführung »BachBewegt!Tanz!«  von Mozarts Requiem und Auszügen aus der »Symphonie funèbre« von Joseph Martin Kraus. Ein weiteres Konzert ausschließlich für Ludwigsburg ist die h-Moll-Messe von Bach. Damit strahlt die Bachakademie weit in den Ballungsraum aus.
Doch Rademann wäre nicht Rademann, gäbe er sich mit inhaltlichen Plänen zufrieden. Als Ergänzung zum Nachbau der Silbermann-Truhenorgel soll der Orchesterklang noch einmal durch ein neues Instrument der Bach-Zeit verfeinert werden. Rademann will nur das Beste für seine Ensembles. Im Basso continuo des Barockorchesters fehlt noch ein Cembalo. Aber Rademann bat mit einer unnachahmlichen Mischung aus Chuzpe, ansteckender Musikbegeisterung und Geschäftssinn in dieser Sache öffentlich um Hilfe. Vor kurzem kam daraufhin eine große Spende dafür herein, und jetzt baut eine namhafte italienische Spezialwerkstatt ein Cembalo nach dem historischen Vorbild aus dem Museum. Vielleicht ist das schon nächstes Jahr zu hören.

Montag, 13. Mai 2019

Jubelnde Stimmen: Die Gaechinger Cantorey

Gaechinger Cantorey (Foto: Holger Schneider, Bachakademie Stuttgart)
Im letzten Abo-Konzert der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart gab es in der Liederhalle eine Rariät zu hören. In der Liederhalle leitete Hans-Christoph Rademann am 11. und 12. Mai mit der Gaechinger Cantorey eine Aufführung aller sechs Motetten von Johann Sebastian Bach. Sie gehören zu den bekanntesten Kompositionen, sind aber nur selten im Konzert zu hören, und wenn, dann nur einzeln. Motetten sind liturgisch geprägt und kennen anders als die spätere, am Kunstlied orientierten Form der Kantate, im Prinzip keine Solisten. Für manche war das schon zu Bachs Zeiten altmodisch, Freunde der Chormusik lieben Motetten aber bis heute. Aufgeführt wurde nur der gesicherte Werkstamm. Doch Akademieleiter Hans-Christoph Rademann hat früher schon ähnliche Programme gemacht und die Zusammensetzung klug gewählt. Statt der überholten Reihenfolge nach BWV setzt er auf eine Dramaturgie der Kontraste. 
Anders war diesmal aber auch, dass Rademann hier sehr wohl in zwei größeren Werken (BWV 227 und BWV 225) Solisten einsetzte. Da alle Sängerinnen und Sänger solistische Qualitäten haben, kamen sie hier bei dialogischen doppelchörigen Sequenzen als zweiter Chor zum Einsatz. Um es gleich zu sagen: Es hätten auch andere aus dem Chor sein können. Doch Mirjam Striegel (Sopran I, BWV 227), Ranveig Laegreid (Sopran), Jennifer Gleinig (Alt), Christopher Renz (Tenor) und Tobias Ay (Bass) gaben dem Konzert mit ihren herrlichen Stimmen und der virtuosen Beherrschung der schwierigen Materie besonderen Glanz und persönliche Seele.
Ein flotter Einstieg war die Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“ BWV 230; das schöne, nur rund 7 Minuten kurze vierstimmige Werk ist für Forschung wie Sänger eine harte Nuss. Denn die Noten passen nicht so und gut zum Text wie sonst bei Johann Sebastian Bach. Daher zweifeln einige immer noch leise an Bachs Urheberschaft. Der musikalische Aufbau mit dem Choralsatz in der Mitte ist aber ganz Bach.
Bei der zweiten Motette Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 steht der Choral am Anfang. Eigentlich ist das fünfstimmige Stück eine einzige Reihe von Variationen auf diesen Choral im Stil einer 21 Minuten langen Trauermusik. Auch die doppelchörige, rund 12 Minuten lange Motette „Fürchte dich nicht“ BWV 228 entstand wie viele Werke dieser Art aus Anlass einer Beerdigung.
Achtstimmig geht es nach der Pause weiter mit der Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ BWV 226 von ca. 9 Minuten Länge. Sie schrieb Bach zum Begräbnis von Johann Heinrich Ernesti im Jahr 1729. Das ist bekannt, weil Ernesti Professor der Unversität Leipzig und Rektor der Thomasschule war. Die klangschöne vierstimmige Motette „Komm, Jesu, komm“ BWV 229 (Dauer: 8 Minuten) schrieb Bach vermutlich zur Beerdigung der Witwe eines Kollegen. Auf inniges Gebet, folgt tänzerisch-fröhliche Vorfreude auf das Paradies.
Das Finale war der Höhepunkt: die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225, eindeutig das Glanzstück der Bach-Motetten. Etwa 15 Minuten lang präsentierten die Gaechinger hier einen Dialog virtuoser Koloraturen und Melismen: tänzerischer Jubel menschlicher Stimmen in höchster Vollendung.
Als Verschnaufpause für die Sängerinnen und Sänger dienten zwei der schönsten Kantatensinfonien Bachs. Alles in allem ein toller Saisonausklang der Gaechinger Cantorey. Standing Ovtions, die absolut verdient waren. Glückliche Gesichter auch auf der Bühne.

Karl-Markus Gauß zum 65. Geburtstag

Karl-Markus Gauß wurde am 14. Mai 65 Jahre alt. Er ist ein Schriftsteller, den ich ganz besonders verehre, weil er so effizient und professionell wie bescheiden ist. Ich lernte den Salzburger Autor und Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik telefonisch kennen, nachdem mich 2009 sein Essayband "Die fröhlichen Untergeher von Roana" über ethnische Minderheiten in Europa begeistert hatte. Vor allem sein liebevoller, gut recherchierter Reisebericht über die Zimbern in den italienischen Bergdörfern Roana und Lusern bei Trient hatte es mir angetan. Diese Menschen stammen mitnichten von den germanischen Zimbern und Teutonen ab, die um 100 vor Christus Rom verwüsteten, sondern von einer deutschen Minderheit weit südlich der Sprachgrenze bei Salurn. Sie sprechen ein mittelhochdeutsches Bayerisch und haben ihren Namen davon, dass sie gute Zimmerleute und Waldbauern waren. Wie auch immer, sie wanderten vor gut 1000 Jahren während einer Hungersnot in Bayern in ein Gebiet aus, das ihnen der Erzbischof von Trient zur Verfügung stellte. Und weil sie während der Völkerwanderung als Wehrbauern plündernde Normannen fernhielten und der Flotte von Venedig Holz für deren Schiffe lieferten, mussten sie keine Steuern zahlen und blieben weitgehend autonom. Da ihre Dörfer so abgelegen sind, konnten sie ihre Sprache und ihre Sitten zu einem guten Teil bewahren. Aber was einmal 20 000 Menschen waren, ist heute bis auf einen Rest von vielleicht 300 Seelen geschrumpft. Ich wollte dieses vom Aussterben bedrohte Volk besuchen, um Tonaufnahmen zu machen und für das Kulturradio SWR2 einen großen Reisebericht zu produzieren. Denn Gauß hatte sehr eindrucksvoll einen alten Dichter der Zimbern beschrieben und einen alten Gastwirt, der mit seinen Freunden die alten Lieder sang und die alten Sagen und Märchen der Zimbern noch erzählen konnte. Das musste ja ins Radio, und ich wollte gemeinsam mit Karl-Markus Gauß hin. Doch er lehnte freundlich, aber bestimmt ab: Das Schreiben sei ihm schon Mühe genug, fürs Radio habe er weder Zeit noch Kraft übrig. Großzügig bot er mir jedoch an, seine Quellen und Informationen zu nutzen. Er gab mir sogar wichtige Adressen, die mir bei den Recherchen entscheidend weiter halfen. So kam die Radiosendung über die Zimbern tatsächlich zustande und erhielt ein großes Echo. 
Ich erzähle das, weil es typisch für die Art ist, wie Gauß wirkt. Auch als Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik ist er seit vielen Jahren ein Ermöglicher für andere. Schon 2005 hatte ich seine "Wirtshausgespräche in der Erweiterungszone"  über Begegnungen mit Menschen in Ost- und Mitteleuropa gelesen, die von ihren Erfahrungen als neue EU-Mitlieder erzählten. 2007 waren mir seine tagebuchartigen Journale unter dem Titel "Zu füh, zu spät" durch ihre enzyklopädische Bildung und ihre umfassende Neugier aufgefallen. Seine Vorliebe für Reiseberichte zu Minderheiten kannte ich also schon, als bei Zsolnay der Essayband "Zwanzig Lewa oder tot" über die Situation auf dem Balkan erschien. Jetzt also folgt eine Reise gänzlich anderer Art: "Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer" (Zsolnay Verlag Wien, 220 Seiten, 22 Euro). In der Tat geht er da mit den kleinen Dingen seines Alltags genauso um wie mit den Menschen und Sachen, die er auf seinen Reisen durch die Welt antrifft.
Karl-Makus Gauß in seinem Zimmer

Abgesehen davon, dass dieses Buch eine faszinierende Einladung in den privaten Kosmos eines Schriftstellers ist, in dem ich wegen meiner Salzburger Jugendjahre viel Bekanntes wieder entdecke: Der Leser wird Zeuge, wie Dinge plötzlich Geschichten erzählen, weil der Autor ihnen nachgeht, sich damit auseinandersetzt, recherchiert. Da wird aus einem simplen Brieföffner eine ganze Welt. Auf dem schwarzen Griffplättchen des alten Brieföffners steht "Eternit-Schiefer - Patent Hatschek". Und aus dieser Winzigkeit entwickelt  Gauß die Welt des österreichischen Industriellen Ludwig Haschek, der im Jahr 1856 aus Mähren einwanderte, eine alte Fabrik in Vöcklabruck kaufte und mit einem Patent anfing, die ungeheuer erfolgreichen und später viel geschmähten asbesthaltigen Eternitplatten zu produzieren. Dieser weltweit beliebte, preiswerte Baustoff wird wegen seiner Langlebigkeit erst langsam zu Sondermüll, weil man herausgefunden hat, wie schädlich Asbest ist. Auch der Eternit-Erfinder starb vermutlich daran.
Klar: Wenn man so an eine Sache herangeht, braucht man ein ganzes Buch, um die Geschichten all der Alltagsdinge zu erzählen, die einen Menschen umgeben. Es ist eine Reise nach Innen, die jeder machen kann. Ich zum Beispiel wollte schon immer mal darüber schreiben, was es mit dem Bernstein auf zwei altmodischen Zierkorken auf sich hat, die ich geerbt habe, mit der kleinen roten Glasflasche aus Prag, in der meine Mutter immer den Rum aufbewahrte, den sie zum Backen brauchte, oder mit meiner zufällig entstandenen Sammlung antiker bis digitaler Schreibutensilien, die aber eine Geschichte der ganzen Kulturtechnik des Schreibens enthalten.
Gauß ist ein Meister dieser Art des Erzählens, ein Flaneur durch äußere wie innere Welten. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und oftmals ausgezeichnet, u.a. mit dem Prix Charles Veillon, dem Vilenica-Preis, dem Georg-Dehio-Preis, dem Johann-Heinrich-Merck-Preis, dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur und dem Jean Améry-Preis für europäische Essayistik. Möge noch viel von diesem Autor zu lesen sein!