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Montag, 27. April 2026

Ein Filmtipp zum Thema Israel, Palästina und eine unglaubliche Standup-Comedian

© UCM.ONE

Noam Shuster-Eliassi kennt den israelisch-palästinensischen Konflikt seit ihrer Kindheit. Sie ist 1996 geboren und aufgewachsen in Neve Shalom (Wahat as-Salam) unweit von Tel Aviv,  wo israelische Juden mit christlichen und arabischen Palästinensern friedlich zusammen leben. Auch die Araber dort sind israelische Staatsbürger und dürfen z.B. wählen, bleiben aber ihr Leben lang Bürger zweiter Klasse. Sie leben in einer Art Apartheid und dürfen weder Land besitzen noch eine jüdische Schule oder Universität besuchen und werden in keinem jüdischen Krankenhaus behandelt. Es ist das einzige Dorf dieser Art in Israel und wurde gegründet, um zu beweisen, wie in ganz Israel Frieden möglich würde. In der arte-Mediathek kann man bis zum 23.10. eine 90-Minuten-Doku der Regissdeurin Amber Fares sehen, die  Noam Shuster-Eliassi fünf Jahre lang begleitet hat, ein Porträt dieser scharfzüngigen und unglaublich witzigen Stand-Up-Comedian und ihres Heimatdorfes: Coexistence, My Ass! - Die ganze Doku | ARTE

Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, der mich dermaßen berührt und erschüttert hat. Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich im Februar 2020, kurz bevor der Flughafen wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurde, mit einem engagierten (und guten) Stuttgarter Kirchenchor dort war. Wir haben ein Konzert mit geistlicher Musik jüdischer und christlicher Komponisten aus vier Jahrhunderten gesungen und wunderbare Menschen kennen gelernt. 

Der größte Raum im Dorf, wo wir uns zu einem langen Gespräch mit der Bürgermeisterin trafen, war übrigens ein Schutzraum. Der zweitgrößte Raum, wo wir unser Konzert gaben, war eine Art Zirkuszelt, weil die Stadthalle noch im Bau war.

Wir haben Noam nicht kennen gelernt, sie war wohl auf Reisen. Aber ihre Liebe zum Essen kann ich gut verstehen, denn was uns das Büffet der Gemeinschaftsküche anbot, war wirklich sensationell. Alles, was es dort gab, war halal und koscher, doch niemand von uns hätte irgend etwas davon bemerkt oder gar vermisst. 

Eigentlich mag ich Standup-Comedy gar nicht besonders, finde den Titel unverständlich, und eine 90-Minuten-Doku über eine jüdische Frau mit erkennbarer Neigung zu gutem Essen aus Israel, die Comedy macht, familiäre Wurzeln im Iran, Palästina und Israel hat und so gut Arabisch spricht, dass der Mossad versucht hat, sie anzuwerben, ist doch ziemlich lang. Jede einzelne dieser Eigenschaften wäre für viele ein Grund, den Film nicht zu sehen oder wenigstens einen Knoblauchzopf neben den Bildschirm zu hängen. Für mich sind es gute Gründe für eine vorbehaltslose Empfehlung, auch wenn Noams Meinung in etlichen Punkten durch traumatische Erfahrungen extrem sind und ich sie nicht in jedem Fall teile. Was bleibt, ist zutiefst menshlich.

Der wichtigste Grund, den Film anzuschauen: Diese verrückte Mischung hat Noam Shuster-Eliassi geprägt und wird mit ihr zusammen porträtiert. Deswegen enthält das Porträt unglaublich viele Informationen, aber auch unglaublich viele Gefühle. Es gibt viele Gründe, mit dieser Frau zu weinen (etwa über den 7. Oktober 2023 und die Folgen), aber auch viel zu lachen. Nicht zufällig habe ich die besten Judenwitze in einem Buch des Juden Sigmund Freud gelesen. Sie traut sich Sachen, die sich kein deutscher Komiker jemals trauen würde. Beispiel: "Ich mag Netanjahu. Jemand sollte ihm einen Pager schenken." Mit dreisprachiger Comedy wäre wohl kein einziger Platz leer geblieben. Ich war damals beeindruckt von den Begegnungen in Neve Shalom und begeistert von dem phantastischen Essen. Heute bin ich es auch von diesem Film.



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