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Montag, 1. Januar 2018

Tolles Silvesterkonzert mit dem SWR Symphonieorchester

Tatjana Ruhland und Andris Poga mit dem SWR SO
Dass große Unterhaltung und hohes künstlerisches Niveau sich nicht ausschließen, zeigte das Silvesterkonzert des SWR Symphonieorchesters in der Stuttgarter Liederhalle. Nach einem beschwingten Auftakt mit der Ouvertüre zu Leonard Bernsteins Musical "Candide" ging es rein französisch weiter: Andris Poga, Chefdirigent von Lettlands Nationalorchesters in Riga, hatte einen festlichen Reigen mit Musik von Jacques Ibert, Gorges Bizet, Camille Saint-Saens und Maurice Ravel zusammengestellt. Unter seiner souveränen Leitung erwies sich das Orchester als wandlungsfähiger, kraftvoller Klangkörper mit viel Spielwitz und Gespür für die Komponisten des 19. und angehenden 20. Jahrhunderts. Iberts Konzert für Flöte und Orchester interopretierte Tatjana Ruhland. Die gebürtige Regensburgerin ist seit dem Jahr 2000 Solo-Flötistin beim SWR Symphonieorchester in Stuttgarter Virtuosin mit ihrem goldenen Instrument zustande bringt, ist atemberaubend. Kaum zu glauben, wie viel Kraft und Durchhaltevermögen in den Lungen dieser zierlichen Frau steckt, wie viel Präzision in schnellen Läufen und wie viel Gefühl in den Pianos und Andante-Passagen des romantischen Stücks. Die Orchestersuite "L´ Arlésienne" Nr. 2 von Bizet brachte das begeisterte Publikum vor der Pause wieder in Bodenkontakt.

Frank-Michael Guthmann und Andris Poga mit dem SWR SO
Solist beim Konzert für Violoncello und Orchester war Frank-Michael Guthmann. Auch der Mann aus dem Schwarzwald gehört zu den großartigen Eigengewächsen des Orchesters und gehörte seit 2007 zum Orchester von Baden-Baden und Freiburg. Warum dieser Musiker auch Solist des Mahler Chamber Orchestra und gefragter Gast bei vielen anderen Orchestern der Welt ist, hört man sofort: So ein kraftvoller und zugleich sensibler Bogenstrich, so eine intensive musikalische Interpretation und eine derart virtuose Beherrschung des Instruments sind selten in einer Person vereint.
Ravels "Bolero", sicher das bekannteste Stück an diesem Abend, das aus einem einzigen großen Crescendo besteht, bot dennoch viele Überraschungen. Bei diesem grandiösen Reigen der Orchesterstimmen zeigte jeder, was ihn ihm/ihr steckt, von den Bläsern über die Streicher bis hin zu den Schlagwerkern. Das überschaubare melodische Motiv erschien nicht nur in jeder Runde einfühlsam gesteigert bei der Zahl und Lautstärke der Instrumente, sondern auch in jazzigen Komponenten und Verschleifungen, die viel Experimentierfreude verraten, ohne je die Vorgaben der Partitur zu verlassen. Wie Dirigent und Orchester hier sensibel die vorhandenen Spielräume kreativ nutzten, war beeindruckend. Bravissimo! Dieser Abend ließ schon träumen von dem, was unter dem künftigen Chefdirigent Teodor Currentzis möglich sein könnte. Im Januar gibt´s schon eine Kostprobe.


Samstag, 23. Dezember 2017

Weihnachten 2017 - ein Gedanke über Liebe

Der Stuttgarter Schlossplatz

In dem Chor, der mich seit sechs Wochen mitmachen lässt, üben wir gerade die Motette "Das Volk, das im Finstern wandelt" von Albert Becker für die Christvesper am Heiligen Abend. Und weil sie schwer ist für einen, der 40 Jahre lang fast nur getextet und nicht mehr gesungen hat, habe ich das Stück jetzt dauernd im Ohr. Es geht weiter ..."es sieht ein großes Licht". Passt. Für mich jedenfalls. Ihnen und Euch wünsche ich das von ganzem Herzen auch. Die Finsternis in der Welt ist ebenso umfassend wie banal. Aber ich finde es gut, zu wissen: Das Licht kommt immer wieder - beharrlicher als die berüchtigte Hydra, die vielköpfige Schlange der griechischen Mythologie. Ich wünsche allen Menschen, die guten Willens sind, einen ebenso freundlichen Tinnitus wie den meinigen, ein friedliches, schönes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes, erfreuliches Jahr 2018. Ein Gedanke noch: Es stimmt, dass die Friedensvision des Propheten Jesaia vom Friedensfürsten und seiner Herrschaft (Kapitel 9) seit 3000 Jahren unerfüllt bleibt - trotz der Geburt des Messias, den man dann ja auch flugs hingerichtet hat. Das Morden, das Plündern, Stehlen, Rauben und Vergewaltigen geht weiter. Aber wie sähe es aus in der Welt, wenn niemals jemand den Menschen diese Idee vom Ende jeder Gewaltherrschaft in den Kopf gesetzt hätte? Ich glaube, allein was dadurch bewirkt wurde, ist ein echtes Weihnachts- und Menschheitswunder.


Montag, 4. Dezember 2017

Bachs Weihnachtsoratorium zum 1. Advent in Stuttgart

Der Chef (ganz rechts) applaudiert: Die Gaechinger Cantorey
Manchmal sind Terminkalender merkwürdig, auch für Konzerte großer Ensembles. Diesmal bescherte der Plan der Internationalen Bachakademie Stuttgart dem Publikum schon jetzt das Weihnachtsoratorium (Kantaten I-IV) von Johann Sebastian Bach, zum 1. Advent. Hans-Christoph Rademann leitete die Instrumentalisten und zwei Dutzend Sänger seiner Gaechinger Cantorey. Die boten am Samstag und Sonntag den Zuhörern in der Liederhalle ein großartiges Konzert auf Weltklasse-Niveau, bei dem niemals auch nur der geringste Verdacht auf Langeweile aufkam. Bachs Klassiker ist ja schon Teil vorweihnachtlich-musikalischer Identitätsrituale für kulturaffine Bildungsbürger Deutschlands. Umso erstaunlicher finde ich, welche Weltklasse-Einheit reiner Barockmusik Rademann da aus geschrumpften Vokal- und Instrumentalensembles zur geformt hat. Erstklassig der makellose Chorklang, die Verständlichkeit der Texte, die Intensität und Ausdrucksstärke der Solisten. Das waren Joowon Chun (Sopran), Anke Vondung (Alt), Paul Schweinester (Tenor) und der Bassbariton Andrè Schuen, den man als Entdeckung feiern darf.
Neben den Streichern und den bei Bach so wichtigen Blechbläsern spielt das Ensemble bei den Instrumentalisten eine Besonderheit aus, die der Akademie erst seit dem letzten Sommer zur Verfügung steht: die Rekonstruktion einer Original-Truhenorgel aus der Werkstatt des berühmten Gottfried Silbermann. Dieses wunderbare Instrument aus dem Jahr 1722 wurde 1013 in der Schlosskapelle von Seehausen bei Riesa entdeckt und mit Hilfe von Mäzenen durch den Orgelbauer Christian Wegscheider in Dresden aufwändig restauriert. Es bildet seitdem das Continuo-Herzstück des barocken Klangs mit historischen Instrumenten. Und wie selbstverständlich spielt es jetzt seine tragende Rolle in Stuttgart. Als besondere "Mitmach-Zugabe" forderte Hans-Christoph Rademann das Publikum am Ende auf, den Choral "Ach mein herzliebes Jesulein" am Ende mitzusingen. Tolle Idee und sehr ungewöhnlich bei klassischer Musik - auch in Stuttgart, wo angeblich jeder zweite Einwohner in irgend einem Chor singt. Das Publikum war hin und weg.



Donnerstag, 23. November 2017

Gastkommentar zum Polly-Preis für politische Lyik

Es sollte meiner Meinung nach auch mal andere Blickwinkel geben als nur den des Bloggers himself. Deshalb kam mir die Idee des Gastkommentars (nicht gänzlich originell, das gibt´s auch bei anderen Bloggern schon). Besonders reizvoll finde ich Beiträge von Kolleginnen und Kollegen, die andere Teile der Kulturszene kennen lernen als ich.
Der Stuttgarter Autor Wolfgang Haenle (http://www.wolfgang-haenle.de/kuenstler-paare) war als Finalist zur Verleihung des Polly-Preises für politische Lyrik nach Berlin eingeladen. Hier seine Bewertung. Zur Information darüber, worum es da theoretisch geht, möge der folgende Link dienen: http://www.pollypreis.de/

Vergabe des Polly-Preises in Berlin


Um es gleich vorweg zu nehmen, ich habe keinen Preis gewonnen, aber das spielt für meine persönliche Bewertung keine Rolle, es sind meine Eindrücke.
Eigentlich waren es schöne Rahmenbedingungen, das Lettrétage am Mehringdamm hat seine Heimat in einem typisch Berliner Hinterhofhaus und ist gut ebenerdig zu erreichen, ein schöner heller Raum. Während der Lesung wurde ein wenig Licht von einer sich nicht drehenden Discokugel abgestrahlt, so dass kleine Lichtpunkte zarte Akzentpunkte setzten und es gab eine Lautsprecheranlage, die sich wohltuend von den üblichen Beschallungen abhob. Note eins für das Lettrétage würde ich vergeben.
Acht von fünfzehn Autoren waren angereist, zwei aus Österreich, eine Schweizerin aus London und lediglich ein Autor aus Berlin. Gelesen wurde in alphabetischer Reihenfolge, mit dem Eintritt erhielten die Zuschauer eine Stimmkarte.
Die Texte von allen Autoren waren bekannt, weil die Anthologie bereits Anfang Oktober erschien, insofern waren keine Überraschungen zu erwarten. Die kam allerdings vonseiten des Stifters und Moderators. Er sprach zuerst ein paar einleitende Worte zu dem Wettbewerb und den Gedichten allgemeiner Art, das fand ich in Ordnung. Als er zu jedem Autor aber nichts über dessen Werdegang sagte, sondern die Texte kommentierte, war ich verblüfft, nahezu sprachlos. Das scheint mir für einen Wettbewerb in dem das Publikum abstimmen darf, nicht nur unprofessionell sondern auch unfair.
Als dann noch nahezu jeder Autor seine Texte erklärte in der Art: „Ich dachte mir folgendes bei meinem Gedicht“ oder „als nächstes hören sie ein Sonett“ wurde ich noch einsamer. Der Höhepunkt der Moderation war aber sinngemäß die Aussage des Moderators: „Wenn Sie mich fragen, dann würde ich dem nächsten Gedicht meine Stimme geben, weil es die beste Idee hatte“. Ich wäre am liebsten aufgestanden und gegangen , blieb aber aus Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen.
Und so kam es wie es herbeigeredet wurde: Gewonnen hat der Autor, dessen Gedichte Pamphleten am nächsten kamen, ein Zuschauer sagte mir später das wäre schon populistisch gewesen. Zitat: „mit dem Geheul der ewigen Schuld und der Unverschämtheit nicht  zahlen zu wollen“ (bezieht sich auf Deutschland). Ich möchte das nicht kommentieren. Ich habe eine andere Auffassung von Lyrik, ein wenig mehr „show don´t tell“ hätte vielen Gedichten gut getan.
Hinterher habe ich mich gefragt, was das für eine Veranstaltung war. Eine Abstimmung wie bei Poetry Slam Wettbewerben ohne Slam, ich weiß es nicht. Schade für das Thema Europa und schade für die politische Lyrik. Mit einem Holzhammer auf die politische Lyrik und auf Europa zu hauen, das haben beide wahrlich nicht verdient.
Ich ärgere mich nicht über den verlorenen Preis, sondern über die Methode, wie er vergeben wurde. Mein Urteil wäre im Falle eines Gewinns nicht anders ausgefallen, sicher hätte ich ein noch schlechteres Gefühl mit nach Hause geschleppt.
Nachtrag: die Vorabjury bestand nach Aussage des Stifters aus ihm selbst und Joachim Sartorius. Eine Jury für die Vergabe hat man aus finanziellen Gründen nicht gefunden.

Montag, 20. November 2017

Thriller zum Abschalten


Agustín Martínez: "Monteperdido - Das Dorf der verschwundenen Mädchen", Kriminalroman, S. Fischer Verlag, 496 Seiten, 14,99 €
Ein verschworenes Dorf. Zwei verschwundene Mädchen. Und die düsteren Gipfel, die nur eines von ihnen wieder zurückbringen.
Hoch oben in den Pyrenäen liegt Monteperdido. Vor fünf Jahren sind die elfjährige Ana und ihre Freundin Lucía spurlos von hier verschwunden. Kaum jemand glaubt, dass sie noch am Leben sind. Da taucht völlig unerwartet die inzwischen sechzehnjährige Ana wieder auf, bewusstlos in einer Schlucht. Kommissarin Sara Campos von der Bundespolizei lässt sofort die Straßen absperren; eine verzweifelte Suche beginnt. Wo ist Lucía? Ist sie noch am Leben? Doch die Berge um Monteperdido schweigen, trügerisch rauschen die Pappelwälder, gefährlich schwillt der reißende Fluss Esera an. Unter den Bewohnern von Monteperdido greifen die Verdächtigungen um sich: War es ein Fremder oder einer von ihnen?
"Verstörende Atmosphäre, überzeugende Figuren, packende Wendungen - eine Offenbarung!" - So eine der vielen werbeträchtigen "Leser-Rezensionen".
Agustín Martínez ist einer der renommiertesten Drehbuchautoren Spaniens und schreibt unter anderem für erfolgreiche Krimiserien. Auf einer Fahrt in die Pyrenäen hörte er, wie die Einheimischen über den Fall eines vermissten Kindes sprachen. Es entstand die Idee zu ›Monteperdido‹, seinem ersten Roman, der auf Anhieb ein Bestseller und in viele Sprachen übersetzt wurde. Agustín Martínez wurde 1975 in Lorca geboren, studierte in Madrid audiovisuelle Kommunikation und arbeitet auch als Autor und Redakteur fürs Radio. Er lebt mit seiner Familie in der spanischen Hauptstadt.- weit weg vom Schauplatz dieser Geschichte. Etwas zum Abschalten.

Montag, 13. November 2017

Rossini mit der Degerlocher Kantorei in der Michaelskirche

Sonntag, 12. November 2017: Dieses Datum werden sich Musikfreunde in Stuttgart Degerloch merken. Denn in der evangelischen Michaelskirche sang die Degerlocher Kantorei  ungewöhnlich Anspruchsvolles: Mit der Bezirkskantorin Barbara Straub hatten sich die Sänger an die "Petite messe solenelle" von Gioacchino Rossini gewagt - nur einen Tag vor dem 149. Todestag des Komponisten. Der Spezialist für die Opera buffa des Belcanto hatte sich bei seinem letzten großen Werk ausgerechnet eine Messe vorgenommen. Die ist dann aber so typisch Rossini wie nur denkbar. Deutsche Kirchenmusik klingt anders, aber was soll´s? Blickt man vergleichend auf Mozarts Requiem oder C-Moll-Messe, erkennt man in der Bezeichnung "kleine Messe" als echte ironische Untertreibung. Ist es schon bemerkenswert, dass ein komisch orientierter Komponist plötzlich eine Messe schreibt, so ist es erst Recht Rossinis Dramaturgie, die große Chornummern hier nicht etwa gleichmäßig zwischen Arien verteilt, sondern zu Beginn und am Ende konzentriert hat. Ungewöhnlich und auffallend an diesem abendfüllenden Stück ist aber auch, dass es da Märsche in der Kirche gibt, und vor allem: Die erste Fassung war für Singstimmen mit Begleitung durch Klavier und Harmonium gesetzt, erst später schrieb Rossini eine Fassung für großes Orchester lediglich, damit niemand seine Singstimmen orchestral totschlagen könne.
Genau die Originalfassung von anderthalb Stunden Dauer mit Klavier und Harmonium war an diesem Abend in der überfüllten Michaelskirche zu hören. Am Klavier saßen Andrea Amman und Dieter Alber, am Harmonium Markus Ege. Um es gleich und ganz einfach zu sagen: Das Konzert war großartig und das Publikum zu Recht begeistert. Die Dirigentin Barbara Straub hatte alles bis ins Kleinste souverän im Griff. Alle Solisten, Sopranistin Ulrike Härter, Mezzosopranistin Sisu Lustig Häntsche, Tenor Christian Wilms und Bass Lucian Eller meisterten ihre Partien sicher und ausdrucksstark.
Der Chor glänzte durch präzise Einsätze und Perfektion, wuchs erkennbar über sich hinaus durch Probenfleiß und pure Freude am Singen. Am stärksten fand ich die Tutti-Nummern wie etwa den Kanon "Cum Sancto Spiritu" im Gloria. Sehr schön: sogar Details wie die italenische Ausprache des Lateinischen stimmten. Am Schluss gab es lang anhaltenden Applaus für die gekonnte Bewältigung einer echten Herausforderung. Hier wurde wieder einmal klar, was Hans-Christoph Rademann von der Bachakademie an der Stuttgarter Chorlandschaft so beeindruckend findet.

Sonntag, 12. November 2017

"Intellektuelle Wärmestube" lebt - gegen Widerstände

Autorenstammtisch im "Häusle"
Ebenfalls am Donnerstag, 9. November: Autorenstammtisch im Stuttgarter Schriftstellerhaus. Trotz Abwesenheit von Vorstand und Geschäftsführung und trotz kurzfristiger Ankündigung und Terminen bei den Stuttgarter Buchwochen etc. kamen mit mir immerhin sechs Kolleginnen &; Kollegen. Es war eine angeregte Gesprächsrunde über zweieinhalb Stunden. Traurig finde ich, dass der Autorenstammtisch vor Jahren abgeschafft wurde, weil ein Lokalpolitiker geätzt hatte, da würden Schriftsteller bloß auf Kosten der Stadt saufen. Unverschämt daran ist zweierlei: Die Diffamierung anständiger Steuerzahler und Kulturschaffender, deren Verein viel für das Kulturleben der Stadt tut, als Säufer auf Stadtkosten. Die Stadt bezahlt die Miete, um einen Nutzer für das unpraktische, aber denkmalgeschützte Haus zu haben, und wir haben unseren stets maßvoll genossenen  Wein immer selbst bezahlt. Zweitens aber ist es unverschämt, dass niemand die Autoren gegen solche Mobbingversuche aus dem Gemeinderat jemals wirklich verteidigt hat, jedenfalls nicht öffentlich. Seitdem sieht sich die Vereinsführung bemüßigt, ein Schriftstellerhaus ohne Schriftstellerstammtisch zu führen.
Wir Autoren sollten unser Hausrecht durch Anwesenheit, Mitgliedschaft im Verein und Teilnahme an Veranstaltungen auch aktiv wahrnehmen. Sonst wird es uns nämlich weggenommen, kaum dass einem Politiker ein Furz quer sitzt, obwohl es in der Satzung verbrieft ist: Das Haus soll eine "Begegnungsstätte und ein Forum für Autoren" in der Stadt sein. Der betreffende Lokalpolitiker ist längst nicht mehr im Amt, aber seine Gehässigkeit wirkt psychologisch bis heute nach.
Seit Jahren bemühe ich mich als Gründungsmitglied bei den Mitgliederversammlungen des Vereins, den Autorenstammtisch wieder zu beleben. Und jedes Mal wurde ich mit dem gleichen unzutreffenden Argument von einem traumatisierten Vorstand abgewimmelt, das sei alles sentimentaler Quatsch, im Internet-Zeitalter bräuchten Autoren keine persönlichen Treffen zwecks Kontaktpflege und Gedankenaustausch. Bullshit! Das Interesse beweist das Gegenteil.
Bei der letzten Versammlung habe ich gefordert, wenigstens dann einen offenen Stammtisch anzubieten, wenn die geplante Ersatzveranstaltung mit Referat und Diskussion ausfällt. So geschah es, und es ehrt den neuen Vorstand, mich beim Wort genommen zu haben, weil ich angeboten hatte, den Abend zu betreuen. Aber der nächste Schritt sollte ebenfalls folgen. Ein echter Stammtisch braucht einen festen Platz im Programm-Kalender, damit er planbar wird und wirklich offen ist für alle, die trotz grundsätzlichen Interesses an diesem Abend keine Zeit hatten. Erstens würde nämlich mancher dann auch mal spontan vorbeischauen, und zweitens hatten sich schon für diesen Testlauf fünf weitere KollegInnen bei mir per Email generell interessiert gezeigt.