Samstag, 22. Mai 2021
Nur eine Bürgermeisterin? Eine Heldin!
Montag, 10. Mai 2021
Ein Damm gegen identitäre Hetzer aller Art muss her!
Ich bin es müde, meine Freundesliste bei Facebook von Hand "auszumisten". Das Entfernen von Schwurblern, Covid-19-Leugnern und Links- oder rechtsidentitären Fanatikerinnen & Fanatikern von Hand kostet viel Zeit, Kraft und Nerven. Ich meine Leute, die rumpöbeln und mit denen man nicht mehr diskutieren kann, für die jeder Mann einfach nur eine Zielscheibe femininistischer Attacken ist und jeder in Deutschland geborene Mensch ein Rassist. Leute, die keine andere Meinung als die eigene gelten lassen, für die Fakten bloß Meinungen sind, die nur noch Kampfbegriffe absondern und uns mit Hass agitieren wollen, die ein anderes Deutschland wollen als den liberalen demokratischene Rechtsstaat. Wenn sie dieses Deutschland eine Diktatur nennen und Menschen, die sich impfen lassen wollen oder Wissenschaftlern vertrauen, mit Nazi-Mitläufern vergleichen etc. Das hat nämlich mit Meinung nichts mehr zu tun. Die mögen bitte gehen.
Seit einer Weile radikalisieren sich nämlich viele unbemerkt im Netz, die ich mit fast 5.000 fb-Freunden nicht kontrollieren kann und will. Da unterstützt jemand zum Beispiel jahrelang Flüchtlinge und fängt plötzlich an, gegen sie zu hetzen und radikal islamophobe oder echt rassistische Posts rauszuhauen. Ich respektiere grundsätzlich andere Meinungen, die ich nicht teile, auch schräge. Das gibt aber niemandem das Recht, mich als anmaßend und überheblich zu diffamieren, weil ich mehr weiß als manche anderen, weil ich z.B. Bücher lese und kluge Menschen kenne. Da brauche ich einfach einen emotionalen Schutz, eine Art Poller. Ich will nicht mehr jeder und jedem erklären, warum er/sie/es ein Arschloch ist. Das sollen sie selber merken.
Vielleicht ist dafür manchmal eine Provokation nötig. Zum Beispiel indem ich darauf hinweise, dass ich den OB Boris Palmer in Tübingen gegen Versuche seiner und meiner grünen Parteigenossen in Schutz nehme, die ihn ausgerechnet am Tag der Bücherverbrennung wegen einer umstrittenen Äußerung mundtot machen und aus der Partei ausschließen wollen. Die Delegierten des Landesparteitags haben nämlich das Forum für ein Scherbengericht über Boris Palmer missbraucht. Auch ich finde, dass seine Äußerung (die ich nicht wiedergeben werde!) formal unter aller Sau ordinär und dumm ist, dass nicht gekennzeichnete Zitate nicht gehen (weil sie eben nicht selbsterklärend sind) und und dass Satire nicht einfach durch die Absicht entsteht, eine zu machen. Aber so geht das nicht. Ihr wollt ihm ja nicht dem Kopf waschen, Ihr wollt ihn nicht mehr ertragen müssen! Das wird auch nicht besser, wenn es fast in so großer demonstrativer Geschlossenheit geschieht wie einst bei SED-Parteitagen. Hier hat die Partei der Toleranz, der Redefreihdeit, der bunten Vielfalt, namentlich aber Annalena Baerbock jenes Eigentor geschossen, auf das unsere Gegner lange sabbernd gewartet haben. Pünktlich zu Beginn des Wahlkampfes.
Freitag, 7. Mai 2021
Eröffnungskonzert als Live-Stream: Notlösung digitale Bühne
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Oksana Lyniv & Festspielorchester, c Reiner Pfisterer |
Eröffnungskonzert Fest Spiel
Rund 6.750 Video-Abrufe in ARTE Concert und über die Digitale Bühne
Die
Fest Spiel Ouvertüre, mit der ukrainischen Diriogentin Oksana Lyniv am Pult des Festspielorchesters
am 6. Mai die Ludwigsburger Schlossfestspiele in einem Live-Stream aus dem Forum am Schlosspark eröffnete, wurde
in den ersten 12 Stunden ihrer Verfügbarkeit in ARTE Concert sowie über die
Digitale Bühne der Schlossfestspiele über 6.750-mal abgerufen. Darunter waren rund 970 Abrufe aus dem französischen Interface sowie rund 250 aus weiteren Ländern. Damit
wurde die Erwartung aller Beteiligten bei weitem
übertroffen, die sich außerdem über die allgemein äußerst positive
Resonanz auf dieses Konzert mit
Beethoven, Cage und Mahler sowie den Aufnahmen von J Henry Fair sehr
freuten. Anrufe, Emails und schon im Vorfeld ein eindrucksvolles Presse-Echo sind ermutigend für das Festspielteam, nachdem schon 2020 das Festival fast ausschließlich digital stattfinden konnte.
Der Hunger nach Kunst und Kultur ist riesengroß. Offensichtlich nahmen die Menschen dafür auch die rabiat einschnürende optische Wirkung eines überdimensionalen Bühnenfotos aus dem Barocktheater des Schlosses in Kauf, das oft zentrale Köpfe mit dem Kronleuchter verdeckte und den verfügbaren Raum auf dem Bildschirm um zwei Drittel schrumpfen ließ. Auch diese Tatsache mag als Symbol für die Behinderungen der Kunst durch den Lockdown, unter denen Künstler und Publikum bereits im zweiten Jahr leiden.
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J. Henry Fairs Präsentation: c Reiner Pfisterer |
Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv, die in diesem Jahr auch erstmals auch bei den Bayreuther Festspielen zu Gast ist, dirigierte in Ludwigsburg Ludwig van Beethovens 6. Sinfonie (»Pastorale»).
Der zweite Teil des gut zweistündigen Abends war Gustav Mahlers »Lied von der Erde« in einer Bearbeitung von Glen Cortese mit Anna Larsson in der Alt-Partie und dem Tenor Christian Elsner gewidmet. Dazu zeigte der Fotograf und Umweltaktivist J Henry Fair seine fulminanten Aufnahmen mit dem Titel »Das Lied von der Erde for the 21st century«. Es ist Mode geworden, solche Präsentationen oder Dia-Shows als "Film" zu bezeichnen. Aber sie sind auch so beeindruckend genug und machen deutlich, wie die Menschen die Schönheit und den Reichtum des Planeten zerstören.
John Cages »4’33“« machte zwischen beiden Werken die Stille viereinhalb anstrengende Minuten lang erlebbar und erinnerte schmerzlich an den Künstler-Notruf "Ohne Kunst wirds still". Halten Sie mal 4:30 Minuten lang die Arme bewegungslos zum Dirigieren erhoben, die Finger über der Klaviertastatur in Bereitschaft oder die Lippen am Horn gespitzt - dann wissen Sie, was gemeint ist. Nein, das war alles kein reines, ungetrübtes Vergnügen. Soll Kunst aber auch niemals sein.